RTL News>News>

Würde russische Niederlage im Ukraine-Krieg Putins Tod bedeuten? Russland-Experte schätzt ein

Russland-Experte aus Harvard

"Putin geht davon aus, dass er bei einer Niederlage sein Leben verliert!"

Russian President Vladimir Putin attends the military parade during 77th anniversary of the Victory Day in Red Square in Moscow, Russia on May 09, 2022. The Victory parade take place on the Red Square on 09 May to commemorate the victory of the Sovi
Wladimir Putin bei der Parade in Moskau am 9 Mai, den Siegestag Russlands über Nazideutschland.
AA | Sefa Karacan, picture alliance

Gibt es Aussichten auf einen Frieden oder eine Einigung im Ukraine-Krieg? Experten bezweifeln es. Putin gilt als hemmungslos, sei zu allem bereit. Und das vor allem vor dem Hintergrund, dass er bei einer Niederlage mit seinem eigenen Tod rechnet. Doch es könnte trotzdem einen Ausweg geben.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen rund um den Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit im Liveticker

"Putin hat keine Hemmung, Menschen umzubringen"

Der Harvard-Politologe und Russland-Experte Graham Allison erklärte jetzt in einem Interview mit dem „Spiegel“: Putin gehe davon aus, „dass er im Fall einer eindeutigen Niederlage die Macht und wahrscheinlich auch sein Leben verlieren wird.“

Entsprechend habe Putin auch keine Hemmung, Menschen umzubringen, erklärt der Wissenschaftler weiter. „Das haben wir in Grosny gesehen, und wir sehen es heute in Mariupol . Wenn wir ihn vor die eindeutige Alternative stellen, alles zu verlieren oder ein Risiko einzugehen, müssen wir mit dem Einsatz einer taktischen Atomwaffe rechnen.“

Tatsache ist: Putin hat bereits zu Beginn des Ukraine-Kriegs die Atomwaffen des Landes als Warnung an die Nato in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen lassen. Und er hat bereits andere Länder gewarnt: Wer sich von außen in den Ukraine-Krieg einmische und eine für Russland unannehmbare strategische Bedrohung schaffe, müsse wissen, dass die Antwort "blitzschnell" und "rasch" sein werde.

Politologe Graham Allison schließt im „Spiegel“-Gespräch einen Atomwaffeneinsatz Putins daher nicht aus: „Das wäre das Albtraum-Szenario: der Einsatz einer vergleichsweise kleinen Atombombe von 15 oder 20 Kilotonnen, was etwa der Bombe von Hiroshima entspricht. Ein solcher Schlag könnte, je nach Größe der Stadt, die er trifft, 20.000 bis 50.000 Menschen töten, in einem einzigen Akt. Damit wäre das nukleare Tabu gebrochen, das mehr als 70 Jahre lang bestanden hat – und wir wären in einer neuen Realität.“

Putin braucht einen guten Grund, den Krieg zu stoppen

Statt einer Eskalation mit einem atomaren Gegenschlag oder Angriffen auf russisches Staatsgebiet, plädiert Russlandkenner Allison dafür, es gar nicht erst zu einer Niederlage Putins kommen zu lassen. Man müsse Putin daher einen Grund geben, den Krieg stoppen zu können. „Zum Beispiel: Ich habe unsere Kontrolle über den Donbass konsolidiert. Wir haben jetzt eine Landbrücke zur Krim. Die Ukraine wird 15 Jahre lang kein Mitglied der Nato sein, worüber Präsident Selenskyj ja auch bereits gesprochen hat.“

Die Konsequenz wäre nach Allison aber auch, dass wir „mit Putin und seinen Leuten leben müssen, so wie wir mit Stalin und Mao leben mussten. Aber sie werden nicht mehr in Paris einkaufen, in London wohnen oder mit ihrer Jacht in Nizza einlaufen.“

Lese-Tipp: Putin "schwer an Blutkrebs erkrankt": Russischer Oligarch heizt Gerüchte weiter an

Und wenn die Atomwaffen-Drohung von Putin nur ein Bluff ist, so wie es auch deutsche Politiker immer wieder behaupten? RTL-Russlandexperte Dirk Emmerich sagt dazu: "Ernst nehmen muss man das allemal!" (mehr dazu im Video)

Und auch Graham Allison appelliert: „Es darauf ankommen zu lassen, ist nicht vernünftig.“ (aze)

RTL-Experte: "Ernst nehmen muss man das allemal!" Bricht Putin einen Atomkrieg vom Zaun?

30 weitere Videos