Bundesregierung muss Leopard-Export noch genehmigen - Zustimmung wird erwartet

Wie viele Leopard-2-Kampfpanzer kann der Westen überhaupt liefern?

ARCHIV - 27.01.2022, Bayern, Hohenfels: Ein Panzer der polnischen Armee vom Typ Leopard 2 steht während der internationalen Militärübung «Allied Spirit 2022» auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Hohenfels in einem Waldstück. Mit Helikoptern, Panz
Leopard 2
awe kde wst, dpa, Armin Weigel

Thomas Berding

Polen, Finnland und Spanien wollen den Kampfpanzer Leopard 2 an die Ukraine liefern. Die Bundesregierung muss dem aber zustimmen, denn der Panzer wird in Deutschland hergestellt. Noch hält sich Bundeskanzler Scholz bedeckt. Doch an diesem Freitag dürfte eine Entscheidung fallen, beim Treffen westlicher Ukraine-Unterstützer auf dem US-Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz.

Erwartet wird, dass die Bundesregierung grünes Licht gibt für die Leopard-Lieferung in die Ukraine. Aber wie viele Panzer könnte der Westen überhaupt liefern?

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Wie viele Leopard-2-Kampfpanzer kann der Westen überhaupt liefern?

Militär-Experte Thomas Wiegold im RTL-Interview.
Militär-Experte Thomas Wiegold im RTL-Interview.
RTL

Der deutsche Kampfpanzer ist ein Exportschlager. 13 NATO-Länder haben ihn in ihren Streitkräften – insgesamt über 2.100 Leopard 2. Deutschland, Spanien, Griechenland und die Türkei haben jeweils mehr als 300. Polen, Finnland und Schweden zwischen 100 und 250. Österreich, Dänemark, Niederlande, Ungarn und Portugal verfügen über eher kleine Leopard–Flotten. Einige Länder, darunter Polen und Finnland, haben bereits erklärt, sie wollen Leopard-Kampfpanzer liefern. Andere Länder warten noch ab, ob und wann Deutschland diese Waffenhilfe für die Ukraine genehmigt.

Militärexperte Thomas Wiegold vermutet, dass dann jedes beteiligte Land etwa eine Kompanie abgeben könnte, das sind 14 Kampfpanzer. „Jetzt ist die Frage, inwieweit alle Nationen, die in Frage kommen, gewillt sind, von ihren Leopard 2 abzugeben. Ich glaube, darauf konzentriert sich im Moment die Debatte.“

Wiegold und andere Militärexperten erwarten, dass die Ukraine in einem ersten Schritt bis zu 100 Leopard-Kampfpanzer bekommen könnte.

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Der Leopard 2 ist schneller, verfügt über eine höhere Feuerkraft, modernere Munition, eine thermische Optik mit besserer Zielerfassung und eine stärkere Panzerung. Das ukrainische Militär würde damit erheblich an Kampfkraft hinzugewinnen. Seine Aufgabe besteht hauptsächlich darin, andere Panzer zu bekämpfen. Außerdem dient er zur Unterstützung der Infanterie, der Soldaten. Anders als bei Schützenpanzern ist es aber nicht die Aufgabe von Kampfpanzern, Soldaten auf das Schlachtfeld zu bringen.

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Kampfpanzer-Lieferung kann viele Monate dauern

Der Zustand der deutschen Leopard-Panzer wird schon seit Jahren bemängelt. Viele sind nicht einsatzbereit. Das gilt auch für viele Panzerflotten anderer westlicher Staaten. Wie viele von den der Ukraine zugesagten Leopard-Panzer noch ausgebessert werden müssen, ist völlig unklar.

Eins ist sicher: Die Instandsetzung eines Kampfpanzers dauert Monate und das gilt auch für die Ausbildung der vierköpfigen Besatzungen. Die ersten voll einsatzbereiten Leopard-2–Kampfpanzer dürften frühestens Anfang April den ukrainischen Streitkräften zur Verfügung stehen.

Die Bundeswehr wird voraussichtlich auch nur eine Kompanie abgeben und der deutsche Hersteller kann frühestens im Herbst 2023 die ersten aufbereiteten Leopard-2-Kampfpanzer liefern. Unklar ist noch, ob die Ukraine auch alte Leopard-1-Kampfpanzer bekommen soll. Rheinmetall soll davon noch rund 100 auf Lager haben.

Sicherheitsexperte Joachim Weber hält den Leopard 1 für einen hervorragend geeigneten Kampfpanzer. Er sei deutlich weniger störanfällig ist als der Leopard 2. „Da können die Ukrainer alles noch in Handarbeit machen. Auch wenn die Elektronik mal in Teilen ausfallen sollte, können sie diesen Panzer trotzdem weiter bedienen und richtig damit schießen.“

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