Gottesdienst-Besuch im zweiten Corona-Winter

Wie und wo kann man 2021 zu Weihnachten in die Kirche gehen?

Zahlreiche Menschen nehmen im Hamburger Michel am Weihnachtsgottesdienst teil. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Archivbild
Zahlreiche Menschen nehmen im Hamburger Michel am Weihnachtsgottesdienst teil. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

14. Dezember 2021 - 21:37 Uhr

Wie wird der traditionelle Gang in die Kirche zu Weihnachten dieses Jahr aussehen?

Weihnachten steht vor der Tür - in gut 10 Tagen ist Heiligabend. Für Millionen von Menschen gehört der Gang in die Kirche zum Fest einfach dazu. Doch wie steht es im zweiten Corona-Winter eigentlich um die Weihnachtsgottesdienste? Wo und in welcher Form finden sie statt und was muss man beachten? Wir zeigen, was in welchem Bundesland voraussichtlich geht.

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Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg sind Gottesdienste von den verschärften Corona-Maßnahmen ausgenommen. Eine Verpflichtung zu 3G-Beschränkungen werde es nicht geben, teilte die Evangelische Landeskirche in Württemberg mit.

Auch das katholische Bistum Rottenburg-Stuttgart betonte, der Zugang zu Gottesdiensten sei auch nach der neuen Corona-Verordnung prinzipiell offen. Besucher müssten den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten und eine Maske tragen. Als ergänzendes Angebot werde es aber auch Gottesdienste unter 2G-Bedingungen geben.

Bayern

Die bayerische Landeskirche gibt Empfehlungen heraus, die Umsetzung bleibt aber den jeweiligen Gemeinden vorbehalten. In Bayern sind Gottesdienste von den verschärften Maßnahmen ausgenommen. Bei öffentlich zugänglichen Gottesdiensten in Kirchen, Synagogen und Moscheen gelten allerdings Mindestabstände und eine Obergrenze an Gottesdienstbesuchern. Wenn sich die Kirchengemeinden für eine 3G-Regel entscheiden, brauchen sie keine Obergrenze.

Die Regelungen der einzelnen Gemeinden fallen unterschiedlich aus. Einige planen die Weihnachtsgottesdienste mit 2G, andere mit 3G, wieder andere mit nichts davon. Grundsätzlich ist Singen erlaubt, es wird allerdings geraten, auch dann Masken dabei zu tragen, falls diese im Gottesdienst am Sitzplatz abgenommen werden dürfen.

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Berlin

Berlin empfiehlt die 3G-Regel. Das Erzbistum Berlin hat aber eigene Regelungen erlassen, die über die Landesvorschriften hinaus gehen. Demnach sollen alle Gottesdienste an den Weihnachtstagen unter 2G-Standard stattfinden. In jeder Pfarrei muss es aber auch mindestens einen Gottesdienst unter 3G-Bedingungen geben. Auch Ungeimpfte können damit in Gottesdienste gehen, müssen aber einen negativen Test vorlegen.

Auch die Evangelische Landeskirche teilte mit, man wolle eine "größtmögliche Bandbreite" an unterschiedlichen Gottesdiensten anbieten, um niemanden komplett auszuschließen, .

Brandenburg

Für religiöse Veranstaltungen gilt in Brandenburg an Weihnachten, dass es neben einem individuellen Hygienekonzept auch Zutrittsbeschränkungen geben soll. Für die Nachverfolgung müssen die Kontaktdaten erfasst werden. Der Mindestabstand muss nicht eingehalten werden, wenn durchgängig FFP2-Masken getragen werden. Es darf gesungen werden, wenn ein Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten, Masken getragen und regelmäßig gelüftet wird. Weitergehende Einschränkungen wurden in der neuesten Corona-Verordnung hinsichtlich 3G- oder 2G-Regelungen nicht beschlossen.

Bremen

"3G ist derzeit das Konzept", sagte Pastor Bernd Kuschnerus von der Evangelischen Kirche bei Radio Bremen. Die Maske gehöre weiterhin zum Kirchgang dazu. Außerdem muss man sich vielerorts für einen Platz beim Gottesdienst anmelden. Kuschnerus freue sich darüber, dass die Gemeinden schon letztes Jahr viel Einfallsreichtum bewiesen hätten – mit vielen kleinen Gottesdiensten statt weniger großen Messen.

Die Evangelischen Kirchengemeinden haben jeweils unterschiedliche Konzepte entwickelt. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem eine vorherige Anmeldung, eine begrenzte Teilnehmerzahl oder auch eine 2G-Beschränkung.

Hamburg

Bislang planen die Hamburger Kirchen unabhängig voneinander. Im Erzbistum Hamburg werden Gottesdienste nach dem 3G- oder teilweise nach dem 2G-Modell geregelt. Vielerorts muss man sich vorher anmelden oder ein Ticket buchen. Teilweise sind die auch schon vergriffen. "Statt der möglichen 2.000 Plätze durften pandemiebedingt nur 400 reserviert werden, und die waren schon vergangene Woche alle vergeben", sagte die Sprecherin des Hamburger Michel, Ines Lessing, im Hinblick auf Heiligabend der Bild-Zeitung. Durch die 2G-Kontrollen am Eingang werde zudem mit sehr langen Schlangen an den Eingängen gerechnet. Gemeindegesang ist erlaubt – aber nur mit Maske.

Hessen

Das Land Hessen empfiehlt den Kirchen die 3G-Regel. Die Kirchen und Bistümer setzen vielerorts darauf, teilweise aber auch auf 2G-Konzepte. Es gelte ein Abstandsgebot von 1,5 Metern sowie eine generelle Maskenpflicht, teilte ein Sprecher des Bistums Limburg mit. Auch sei den Pfarreien die Möglichkeit eröffnet worden, einzelne Gottesdienste unter den Zugangsregeln von 2G-plus anzubieten. Zum Teil gibt es auch eine stark begrenzte Anzahl an Sitzplätzen und eine Pflicht zur vorherigen Anmeldung. Je nach Lage sei auch der Verzicht auf den Gemeindegesang möglich.

Die Evangelische Kirche in Hessen-Nassau (EKHN) empfiehlt ihren Kirchengemeinden ebenfalls flächendeckend 2G- und 3G-Regeln in allen Gottesdiensten anzuwenden. Für Gottesdienste der Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW) gelte weiterhin, dass die Kirchen eigenverantwortlich Schutzkonzepte erlassen, teilte eine Sprecherin mit. Auch Gottesdienste unter 2G+-Regeln seien daher möglich.

Mecklenburg-Vorpommern

Für Gottesdienste in geschlossenen Räumen bleibt es in Mecklenburg-Vorpommern bei der 3G-Regelung mit Abstandsgebot und Maskenpflicht. Die Platzkapazitäten würden stark eingeschränkt, damit die Menschen Abstand zueinander halten können, sagte Dompastor Tilman Beyrich aus Greifswald. Für den Greifswalder Dom werden daher für den 24. Dezember Tickets vergeben - 250 Stück. Unter normalen Bedingungen passten bis zu 900 Menschen in den Dom, so Beyrich.

Auch der Dom Schwerin vergibt kostenfreie Eintrittskarten für die fünf Gottesdienste am Heiligabend. Es gibt sie nach den Adventsgottesdiensten und während der Öffnungszeiten im Dom. Die rund 380 Kirchengemeinden in Mecklenburg-Vorpommern gingen unterschiedlich mit der Herausforderung um, Weihnachten festlich zu gestalten und zugleich die Hygieneregeln einzuhalten, sagte der Sprecher des Kirchenkreises Mecklenburg, Christian Meyer, der Deutschen-Presse-Agentur.

Niedersachsen

Trotz der angekündigten "Weihnachtsruhe" ab Heiligabend sollen Gottesdienste zum Weihnachtsfest in Niedersachsen möglich sein. Es werde aber deutlich reduzierte Besucherkapazitäten, Hygienekonzepte, Abstandsgebote sowie Listen zur Kontaktnachverfolgung geben, sagte der Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Benjamin Simon-Hinkelmann. Es werde den Gemeinden zudem eine 3G- oder eine 2G-Regelung empfohlen.

Auch die Katholischen Kirchen im Land entscheiden über ihre Konzepte jeweils für sich.

Nordrhein-Westfalen

Gottesdienstbesucher müssen sich auf unterschiedliche Regelungen einstellen. Da die derzeitige Coronaschutzverordnung nur bis zum 21. Dezember gilt, ist die Lage noch unklar. Für die katholische Kirche sagte Antonius Hamers vom Katholischen Büro NRW der Deutschen-Presse-Agentur: "Im Moment richten wir uns darauf ein, dass wir bei Gottesdiensten mit erhöhter Nachfrage 2G oder 3G anbieten." Außerdem müssten die Besucher durchgängig Maske tragen und Abstände einhalten. Mit Maske könne dann auch gesungen werden. In den meisten Gemeinden müsse man sich auch vorab für den Gottesdienst anmelden, sagte Hamers.

Die Evangelische Kirche von Westfalen empfiehlt den Gemeinden für die Gottesdienste 2G. Im Rheinland verweist die Evangelische Kirche auch auf die noch ausstehende neue Verordnung. Bisher empfehle die Landeskirche mindestens 3G, "wo örtlich angezeigt und machbar" auch 2G.

Vereinzelt wird es aber auch Gottesdienste geben, die Ungeimpfte ohne Test besuchen können, dann allerdings immer unter Einhaltung der Hygieneregeln mit Maske und ausreichendem Abstand. Dies gilt zum Beispiel für einzelne Messen im Kölner Dom. Die großen Festgottesdienste würden dort aber unter 3G-Bedingungen abgehalten werden, sagte ein Sprecher.

Rheinland-Pfalz

Für Gottesdienste in geschlossenen Räumen gilt eine 3G-Regelung mit Abstandsgebot und Maskenpflicht. Zum Teil besteht auch die Pflicht zur Erfassung von Kontaktdaten für eine eventuelle Nachverfolgung.

Durch die 3G-Regel haben somit auch Ungeimpfte die Möglichkeit, an Heiligabend einen Gottesdienst zu besuchen. Als einen Freifahrtschein "für ein völlig überfülltes Gotteshaus" seien die aktuellen Bestimmungen aber nicht zu sehen, teilte die Landesregierung mit. Außerdem wird darauf verwiesen, dass auch eine vorherige Anmeldung nötig sein kann, wenn eine hohe Besucherzahl zu erwarten ist.

Saarland

Zurzeit bereiten sich die katholischen Kirchengemeinden im Saarland auf ein zweites Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen vor. Neben traditionellen Christmetten gebe es viele Alternativen im Hinblick auf die Pandemie, teilte das Bistum Trier mit. So erhöhen manche Pfarreien die Zahl der Gottesdienste am 24. Dezember. An mehreren Orten soll im Freien gefeiert werden oder durch Stationengänge im Freien oder in der geöffneten Kirche die Weihnachtsgeschichte trotz Einschränkungen erlebbar werden.

Auch die Evangelischen Kirchengemeinden im Saarland bieten unterschiedliche Angebote und Konzepte an.

Sachsen

Für Gottesdienste in geschlossenen Räumen gilt in Sachsen eine 3G-Regelung mit Abstandsgebot und Maskenpflicht. Angesichts der besonders hohen Inzidenzen im Freistaat sagte der sächsische Landesbischof Tobias Bilz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Wir haben den Gemeinden schon früh empfohlen, alternative Formate für Weihnachten zu entwickeln und nicht vom klassischen Gottesdienst auszugehen." Die Gemeinden könnten selbst entscheiden, was verantwortbar ist. Es gebe "einzelne Aktionen draußen, offene Kirchen, digitale Formate oder auch Musik vor den Häusern".

Die evangelische Landeskirche Sachsen und das Bistum Dresden-Meissen wollen die Menschen am Heiligabend in einer Online-Andacht miteinander verbinden. Dazu werde die Tür zur Leipziger Propsteikirche digital per Zoom geöffnet, teilten Landeskirchenamt und Ordinariat mit.

Sachsen-Anhalt

Für die Kirchengemeinden in Sachsen-Anhalt wird es nach gegenwärtigem Stand keine veränderten Zugangsbedingungen für Gottesdienste zum Weihnachtsfest geben. Das teilte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland auf ihrer Internetseite mit. Die aktuelle Verordnung gilt bis zum 23. Dezember. Neben einem verpflichtenden Hygienekonzept könnten die einzelnen Gemeinden aber auf individuelle Regelungen zurückgreifen.

Auch die Katholische Kirche in Sachsen-Anhalt setzt auf regionale Unterschiede in den Gemeinden, je nach Infektionslage. Auch Beschränkungen zwischen 3G und 2G-plus können angewandt werden.

Schleswig-Holstein

Katholische Gottesdienste in Schleswig-Holstein werden an Weihnachten mindestens unter 3G-Bedingungen stattfinden. Gottesdienste nach dem 2G-Modell sind zudem möglich. Jede Kirchengemeinde entscheidet selbst über ihre Corona-Regeln.

Die Hamburger und Lübecker Bischöfin Kirsten Fehrs sprach sich bei einem Adventsempfang in Hamburg gegen eine Beschränkung durch die 2G-Regel aus: "Es muss Orte geben, an denen alle Menschen sich von ihren Nöten und Sorgen entlasten und sich eine ordentliche Portion "Fürchte dich nicht" abholen können. Ganz gleich, ob geimpft, genesen oder getestet: Hier wirst Du gesehen, gebraucht und getröstet", sagte Fehrs.

Thüringen

Für Gottesdienste in geschlossenen Räumen gilt auch nach der neuesten Corona-Verordnung in Thüringen eine 3G-Zugangsregelung. Alle Kinder im schulfähigen Alter haben Masken zu tragen und ebenfalls den 3G-Status nachzuweisen. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland empfiehlt auf ihrer Internetseite, dass in der Weihnachtszeit Tests seitens der Kirchengemeinden angeboten werden. Es werde vielerorts eine begrenzte Anzahl an Gottesdienstbesuchern zugelassen. Für Gottesdienste im Freien gelte die Zugangsbeschränkung aber nicht.

Vier brennende Kerzen auf einem Adventskranz bei einem Weihnachtsgottesdienst
Ein Adventskranz steht vor dem Altar bei einem Gottesdienst. Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild
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Gemeinden entscheiden über Regeln für Weihnachtsgottesdienste oft selbst

Als sichere Alternative bietet dieses Jahr ein Großteil der Kirchengemeinden in Deutschland zum Fest außerdem einen Gottesdienst-Livestream an.

Der Immunologe Prof. Harald Renz von der Philipps-Universität Marburg findet es "unverantwortlich", dass zum Teil in den Gottesdiensten nicht einmal 3G gilt. Das sagte er dem RND. "Eine gute Durchlüftung, viel Abstand, Maskenpflicht und mindestens 2G sind die wichtigsten Maßnahmen", erklärte Renz. Bei strenger Einhaltung der Maßnahmen bestehe beim Gang in die Kirche auch kein großes Ansteckungsrisiko. Kritisch sieht Renz demnach aber die schlechte Belüftung in vielen Kirchen. "Jedes Kaufhaus mit Klimaanlage hat eine bessere Durchlüftung als viele Kirchen", so Renz gegenüber dem RND.

Auch in diesem Jahr steht Weihnachten und damit auch der Besuch der Gottesdienste wieder im Zeichen der Pandemie. Es gibt große Unterschiede zwischen katholischen und evangelischen Gottesdiensten und auch innerhalb der Bundesländer, je nach Zugehörigkeit der Pfarrei zu einem Bistum. Vor dem Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes sollten Sie sich daher nochmals genau über die Regeln bei der jeweiligen Gemeinde informieren. (evo)