Nach dem Todesfall George Floyd

Wie spreche ich mit meinen Kindern über Rassismus?

Rassistisches Mobbing
Rassistisches Mobbing
© iStockphoto, iStock, Motortion

05. Juni 2020 - 9:49 Uhr

Rassistisches Ereignis wühlt die Welt auf

Der Todesfall George Floyd infolge eines brutalen Polizeieinsatzes in Minneapolis löste Proteste und Unruhen in den gesamten USA, aber auch in anderen Teilen der Welt aus. Bei einem Polizei-Einsatz war der 46-jährige Afroamerikaner ums Leben gekommen. Weltweit demonstrieren daher aktuell Tausende gegen Rassismus und Polizeigewalt. Auf Instagram wurden am Dienstag komplett schwarze Bilder mit dem Kommentar #BlackoutTuesday gepostet, die Solidarität bekunden sollen. Aber auch in Deutschland wurden schon Demonstrationen durchgeführt und weitere wurden für das Wochenende angekündigt. Wie können Eltern über dieses allgegenwärtige Thema mit ihren Kindern sprechen? Und in welcher Form geben sie vielleicht selbst rassistische Haltungen im Alltag weiter? Wissenschaftlerin Josephine Apraku erklärt, worauf es ankommt.

Kindern Vielfalt vorleben - und die eigene Meinung in Frage stellen

Wie Kinder Vielfalt erleben
Vielfalt erleben: Das ist eine wichtige Voraussetzung für Kinder, um anderen Menschen offen zu begegnen. Foto: Peter Kneffel/dpa/dpa-tmn
© deutsche presse agentur

Wissenschaftlerin Josephine Apraku ist Afrikawissenschaftlerin und Lehrbeauftragte an der Alice Salomon Hochschule Berlin und leitet zusammen mit Jule Bönkost das Institut für diskriminierungsfreie Bildung in Berlin. Sie plädiert dafür, Kindern frühzeitig Vielfalt und Diversität vorzuleben, in Form von Büchern und Spielsachen etwa. Gleichzeitig müssten Eltern aber auch selbst Stellung zu Rassismus beziehen - und eigene Meinungen mit der Familie immer wieder in Frage stellen.

Wie rede ich mit meinem Kind über den Tod von George Floyd?

"Ich finde, man muss das Thema Rassismus gar nicht so stark an einem einzelnen Ereignis festmachen. Die Situation in den USA ist ja nicht einzigartig oder neu. Ein Mord ist da nur die Spitze des Eisbergs", sagt die Afrikawissenschaftlerin. Wichtig sei es, dem Kind gegenüber das Thema Rassismus insgesamt aufzugreifen - wozu die aktuelle Debatte natürlich ein Einstiegspunkt sein könne.

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Wie viel verstehen kleine Kinder schon von Rassismus?

Kinder nehmen schon sehr früh wahr, wo sie in einer Hierarchie stehen, sagt Apraku. "Das heißt, ob sie zu einer privilegierten Gruppe gehören oder zur Gruppe derer, die unterdrückt werden. Das wissen sie spätestens ab der Grundschule", so die Expertin. "Kinder nehmen natürlich sehr früh äußere Merkmale an anderen wahr und auch deren Unterschiede." Das alleine sei aber nicht das Problem, sondern die Verknüpfung von äußeren Merkmalen mit einer Hierarchisierung von Gruppen. Als Beispiel gibt sie an: "Das Kind ist schwarz, und deshalb habe ich Angst, mit ihm zu spielen." Diese Verknüpfung ist für sie die Quintessenz von Rassismus.

Wie können Eltern auf so etwas reagieren?

Wichtig sei, so die Wissenschaftlerin, mit seinem Kind nicht nur über die Dinge zu reden. "Entscheidend ist auch, was man ihm vorlebt. Wie viel Diversität zeige ich meinem Kind im Alltag? Es gibt auf Plattformen wie Tebalou zum Beispiel sehr viele Kinderbücher, in denen Diversität selbstverständlich dargestellt wird, aber auch diverses Spielzeug, Buntstifte in verschiedenen Hautfarben", so Apraku.

Quelle: DPA/ RTL.de

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"Sprache kann verletzen: Afrodeutsche, Farbige, Schwarze oder Person of Color - mit Begriffen wie diesen wurde ich nicht nur einmal in meinem Leben konfrontiert", schreibt unsere Autorin. Dass Neger ein Schimpfwort ist, sollte mittlerweile klar sein. Doch welche Begriffe sind okay und nicht diskriminierend?