Forscher warnen

Übertragen sich bald weitere Tierkrankheiten auf den Menschen?

Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist vermutlich von Fledermäusen über ein anderes Tier auf den Menschen übertragen worden.
© dpa, Florian Gloza-Rausch

07. Juli 2020 - 13:01 Uhr

Coronavirus stammt vom Tier

Ursprünglich bei Tieren vorkommende Krankheiten könnten in Zukunft immer öfter auf den Menschen überspringen - ähnlich wie das mit großer Wahrscheinlichkeit beim neuen Coronavirus SARS-CoV-2 geschehen ist. Hier vermutet man, dass Fledermäuse die Krankheit über andere Tiere und schließlich auf den Menschen übertragen haben. Das UN-Umweltprogramm (UNEP) und das International Livestock Research Institute (ILRI) warnen jetzt in einem Bericht.

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Veterinäre über Corona-Pandemie nicht überrascht

Die Corona-Krankheit Covid-19, Ebola und MERS sind Beispiele von Krankheiten, die ursprünglich vom Tier stammen und auf Menschen übertragen wurden. So stehen Schleichkatzen im Verdacht, 2003 das SARS-Virus auf den Menschen übertragen zu haben.

"Während viele auf der Welt von Covid-19 überrascht waren, waren wir, die über Tierkrankheiten forschen, es nicht", sagte Delia Randolph, eine Veterinär-Epidemiologin beim ILRI. "Dies war eine höchst vorhersehbare Pandemie." Seit den 1930ern gebe es einen "klaren Trend" einer steigenden Zahl von menschlichen Krankheiten - und rund 75 Prozent davon stammen von Wildtieren. Oft sind dem Bericht zufolge domestizierte Nutztiere die Vermittler.

Der Mensch ist dran Schuld

"Wenn wir weiterhin die Tierwelt ausbeuten und unsere Ökosysteme zerstören, können wir einen stetigen Strom dieser Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, in den kommenden Jahren erwarten", warnte UNEP-Chefin Inger Andersen. Durch die wachsende Tierwirtschaft gebe es immer mehr und genetisch ähnlichere Tiere, die anfälliger für Infektionen seien. Auch die zunehmende Ausbeutung der Tierwelt durch das Jagen, den Handel und den Verzehr wilder Tiere spiele eine Rolle, hieß es. Ein weiterer Grund ist demnach das Bevölkerungswachstum und die rasante Urbanisierung. Städte wachsen, Wälder werden abgeholzt - dadurch kommen Menschen immer mehr mit der Natur und Tieren in Kontakt.

In einigen Gegenden würden menschliche Aktivitäten "die natürlichen Puffer, die den Mensch einst vor diesen Erregern geschützt haben, niederreißen", sagte Doreen Robinson, die Leiterin der Abteilung für Wildtiere bei UNEP. Auch der Klimawandel befeuert den Anstieg der Krankheiten. Steigende Temperaturen können ideale Bedingungen für Erreger und Überträger schaffen, wird in dem Bericht erklärt. Klimatische Veränderungen könnten beeinflussen, wo etwa Fledermäuse, Affen und Moskitos, von denen einige Erreger ausgehen, leben.

Ursachen solcher Krankheiten müssen beseitigt werden

Diese Probleme müssten angegangen werden, um die Gefahr zunehmender Krankheiten wie Covid-19 zu reduzieren, mahnten die Forscher. Die Epidemien lediglich zu bekämpfen, wäre nicht nachhaltig. Das wäre, als würde man bei einem kranken Menschen "nur die Symptome behandeln, und nicht die zugrundeliegenden Ursachen", sagte Randolph.

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