Gesundheitsämter sind überlastet

Wer kontrolliert die Corona-Quarantäne?

28.08.2020, Baden-Württemberg, Dornstadt: Reiserückkehrer werden in einer neuen Corona-Teststation auf dem Autobahn-Rastplatz ·Kemmental-Ost· an der A8 in Fahrtrichtung Stuttgart auf das Corona-Virus getestet. Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bild
Neue Corona-Teststation nahe Ulm
cdt axs, dpa, Christoph Schmidt

Hohe Bußgelder angedroht

Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssen 14 Tage in Quarantäne, erst nach 5 Tagen werden sie die Möglichkeiten bekommen mit einem negativen Corona-Test die Quarantäne zu verkürzen. Bei Verstoßen drohen Strafen bis zu 25.000 Euro. Kontrollieren sollen das die Gesundheitsämter, doch die sind schon jetzt überfordert und suchen Hilfe.

Kontrollen sollen verstärkt werden

Quarantäne, das bedeutet nach dem Urlaub sofort nach Hause und 14 Tage dortbleiben. Also nicht einkaufen, keine Freunde treffen, die eigenen vier Wände nicht verlassen. Vor wenigen Tagen hatte Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, die stichpunktartigen Kontrollen zu verstärken. Zuständig dafür ist zurzeit das Gesundheitsamt. Doch die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, klagt gegenüber dem SWR schon jetzt über Personalmangel:

"Im Moment brauchen wir dringend mehr Personal in den Gesundheitsämtern als bisher. Wir hatten in der Vergangenheit schon Hilfskräfte bekommen, vor allem zur Zeit des Lockdowns, aber die sind alle wieder weg. Von daher haben wir wirklich ein Defizit in den Gesundheitsämtern."

Deshalb unterstützt sie den Vorschlag von Ärztepräsident Klaus Reinhardt. Der fordert Unterstützung durch Polizeibeamte: „Die Überwachung und die Sanktionierung dieser Maßnahmen müssen andere übernehmen, zum Beispiel Polizei und Ordnungsämter.“

Digitales Meldesystem soll helfen

Ob jedoch dafür genug Personal bereit steht, ist ebenso fraglich. In Berlin beispielsweise sagte die Landes-Polizeipräsidentin Barbara Slowik RTL:

„Wir sind insgesamt im Infektionsschutz tätig, auch in der Stadt, das kann man jeden Tag sehen, sei es bei den großen Parties, die wir auflösen oder auch in der Gastronomie sind wir oft auch in Amtshilfe für den Ordnungsamt tätig. Allerdings das [der Vorschlag] scheint mir etwas weitgehend, dafür fehlen die Kapazitäten.“

Wenn Kontrollen nicht flächendeckend möglich sind, kommt es auch auf das Verantwortungsbewusstsein der Bürger an. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält die neu eingeführten Regeln dafür aber für kontraproduktiv. Im RTL-Interview sagt er:

„Eine Quarantäne von sieben Tagen nach der Rückkehr wäre ausreichend, die hätte auch mehr Akzeptanz gefunden. Eine 14-tägige Quarantäne werden die allerwenigsten einhalten.“

Wichtig ist ohnehin, dass sich die Rückkehrer überhaupt registrieren lassen. Auf Flügen und Reisebussen soll das mit Hilfe eines digitalen Verfahrens bald leichter werden. Zurzeit müssen Reisende Formulare ausfüllen, doch hier gab es Probleme, weil diese teilweise nicht eingesammelt oder bewusst falsch ausgefüllt wurden. Auch wer mit dem Auto aus einem Risikogebiet zurückkehrt, muss sich beim Gesundheitsamt melden. Verstöße können mit bis zu 2.000 Euro Strafe geahndet werden.

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