Inklusive Schlachtanleitung für den Vogel

Hobbykoch postet Wellensittich-Kochrezept auf seinem Blog

Hamburger Hobbykoch postet Wellensittich-Rezept inklusive Schlachtanleitung auf seinem Blog.
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22. Januar 2021 - 15:00 Uhr

Kurios und grausam

Wellensittich im Rauch-Schinken-Mantel mit Basmati-Reis. Dieses Rezept postet der Hamburger Hobby-Koch Thomas Biedermann auf seinem Foodblog. Dazu gibt's eine Anleitung, wie man die kleinen Vögel schlachten kann. Nachdem eine geschockte Zuschauerin sich per Mail an RTL gewandt und auf das Schock-Rezept aufmerksam gemacht hat, haben wir mit dem Mann gesprochen. Denn: Die Anleitung klingt nicht nur kurios, grausam und sorgt schon beim Lesen für Ekel, die Durchführung ist in Deutschland rechtlich gar nicht erlaubt. Uns hat der Mann seine Motivation hinter dem außergewöhnlichen Rezept verraten. Und auf die Vorwürfe reagiert.

Wellensittich-Fleisch ist in Australien normal

Wellensittich-Fleisch? Das kommt uns hier nicht auf den Teller. Zumindest den meisten Leuten dürfte das sehr befremdlich sein. In Australien aber werden die Tiere als Nahrungsmittel genutzt, stehen bei den Ureinwohnern regelmäßig auf dem Speiseplan. Biedermann war selbst noch nicht dort. Seine Inspiration bekommt der 59-Jährige größtenteils aus dem Internet oder von Bekannten aus dem Ausland, erklärt er im Gespräch mit RTL.

Deutsche Küche wurde ihm zu langweilig

Angefangen habe alles mit seiner Volljährigkeit. Da begann seine Leidenschaft fürs Kochen. "Wenn man jeden Tag was Frisches kocht, stößt man in Deutschland irgendwann an seine Grenzen", erinnert er sich. "Gerade bei Fleisch gibt es nicht so viel Auswahl, das Sortiment ist sehr beschränkt. Das ist immer das Gleiche, man kann immer nur gleichen Gerichte machen." Und so hat er sich irgendwann überlegt, was kann er über die üblichen Gerichte hinaus zubereiten kann.

Stierhoden und Ochsenpenis

Zuerst habe er sich an Innereien ausprobiert. Von seinem Bruder habe er zu Weihnachten ein Fresspaket bekommen. Davon befinde sich immer noch etwas in seiner Tiefkühltruhe. "Ich habe letztens zum ersten Mal Ochsenpenis probiert", erzählt er. "Oder Stierhoden, zum Beispiel, das bereite ich öfter zu. Schmeckt hervorragend, kann ich jedem empfehlen." Guckt er denn dann auch die große Dschungelshow? Zur Inspiration vielleicht? "Nee, sowas gucke ich nicht. Ich gucke später meine Kochshow."

Ihn reizen Rezepte aus anderen Ländern und Kulturen

In der Kochshow dürfte er für die außergewöhnlichen Rezepte wohl nicht so viel Inspiration bekommen. Auf seinem Foodblog finden sich zwar auch "gewöhnliche" Gerichte. Aber eben auch welche, die in anderen Ländern zwar normal sind, die meisten von uns aber wahrscheinlich vorallem schockieren dürften. Gebratenes Katzen- oder Hundefleisch zum Beispiel. Solche Gerichte allerdings kocht er nicht selbst. Das ist in Deutschland verboten. Einmal habe er versucht, sich Hundefleisch aus China schicken zu lassen. Aber es gibt ein Exportverbot. Also kreiert er das Rezept im Kopf, überlegt sich, was schmecken könnte, holt sich Inspiration aus dem Internet und präsentiert das seinen Lesern.

Kochen ist eine Einstellungssache

"In anderen Ländern sind solche Gerichte ganz normal", betont Biedermann. Das sei alles eine Einstellungssache. "Viele Leute haben eine Abscheu vor fremden Sachen. Wie auch vor Insekten. Aber spielt sich alles nur im Kopf ab." Aber er habe Verständnis dafür. "Wenn jemand einen Hund nur als Haustier betrachtet, ihn über alles liebt. Da kann ich schon akzeptieren, dass so jemand das nie als Nahrungsmittel betrachten würde."

Biedermann bekommt Hasskommentare und Morddrohungen

Viele Leute akzeptieren seine Haltung nicht. "Ich bin bei einigen Leuten ziemlich verschrien." Er bekommt Hassnachrichten, sogar Morddrohungen. Anonym natürlich. Eine Person konnte identifiziert werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Aber auch positive Kommentare sind dabei. Vorwiegend aus Ländern, wo das Schlachten und Zubereiten von Hunden und Katzen erlaubt. In diese Länder würde Biedermann gerne mal reisen. Nach Hongkong am liebsten, oder nach Bangkok. Bisher hat er es nicht geschafft. Flugangst. "Ich würde vermutlich den ganzen Urlaub so planen, dass ich ständig in Restaurants unterwegs wäre oder auf Street Food-Märkten."

"Das ist mir nicht bekannt"

Zurück zum Wellensittich. Auch dieses Rezept hat Biedermann nach eigenen Angaben noch nicht selbst ausprobiert. "Es hat mir gereicht, das auf meinem Blog zur Verfügung zu stellen." Mehr sagt er dazu nicht. Schockierend ist aber die genaue Anleitung im Rezept, wie man den Vogel schlachten kann. Das ist in Deutschland illegal. Im Tierschutzgesetz heißt es: "Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat." Außerdem muss die Tötung unter Betäubung stattfinden. Darauf angesprochen sagt Biedermann. "Das ist mir nicht bekannt." Er habe sich genau informiert, bevor er den Beitrag online gestellt hat, dieses Gesetz sei ihm nicht begegnet. Allerdings kann auch das Aufrufen zu Straftaten strafrechtliche Folgen haben. Thomas Biedermann zeigt Einsicht. "Da muss ich mich die nächsten Tage nochmal informieren. Und dann würde ich das Rezept auch umschreiben."

Wir bleiben dran!