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Weil er sexuellen Missbrauch vermutet: David B. wegen Mord an Großvater seines Sohnes (4) angeklagt

"Du Vergewaltiger, ich bring dich um!"

38-Jähriger wegen Mord an Großvater seines Sohnes angeklagt - er vermutete sexuellen Missbrauch

Tötete David B. den Großvater seines Kindes? Er litt unter Wahnvorstellungen
01:20 min
Er litt unter Wahnvorstellungen
Tötete David B. den Großvater seines Kindes?

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Der Gedanke, dass das eigene Kind Opfer von sexuellem Missbrauch sein könnte, weckt wohl bei allen Eltern ganz grausame Gefühle. Bei David B. soll es sogar so weit gegangen sein, dass er zur Waffe griff – und den Großvater seines vierjährigen Sohnes mit einem Messer erstochen haben soll. Nun steht der 38-Jährige wegen Mordes vor dem Landgericht Darmstadt

Angeklagter drohte auch Ex-Freundin mit dem Tod

Heimtücke und niedere Beweggründe – die Anklage plädiert auf Mord. David B. soll den Großvater seines Sohnes getötet haben. Der gelernte Schreiner sei davon ausgegangen, dass der Vater seiner Ex-Partnerin den gemeinsamen Sohn (4) missbraucht habe. Mit den Worten „Du Vergewaltiger, du Hu[...], ich bring dich um!“ und einem großen Metzgermesser sei der 38-Jährige auf das Opfer losgegangen, soll ihn in Schulterblatt und Kopf gestochen und damit getötet haben.

Auch die Tochter des Opfers und Mutter des Jungen habe der Angeklagte mehrfach bedroht, so berichtet ihre Mutter im Zeugenstand. Nach der Trennung 2019 sei David B. – wie auch schon in der Beziehung – extrem eifersüchtig gewesen. Er habe vor dem Haus seiner Ex-Freundin, in der sie mit ihrem neuen Mann und zwei weiteren Kindern lebt, gestanden und auch hier gedroht: „Ich bring dich um“, so die Mutter.

Vierjähriger muss mit ansehen, wie sein Vater seinen Opa ersticht

Am 3. November 2021 wurde laut Anklageschrift aus der Drohung Realität: Gemeinsam mit dem Enkel ist der Großvater demnach in Kranichstein unterwegs, als sich David B. aus seinem Versteck hinter Mülltonnen mit einem Messer bewaffnet auf den Mann stürzt und ihn tötet. Alles vor den Augen seines vierjährigen Sohnes.

Auch dem Opfer gegenüber sollen im Vorfeld immer wieder Beleidigungen gefallen sein, der Angeklagte habe den Vater der Ex-Freundin als Rivalen gesehen, heißt es in der Anklage vor dem Darmstädter Landgericht. Drei Tage zuvor soll David B. sein Opfer bereits vor dem Spielplatz abgefangen und mit dem Tod bedroht haben.

Frau von Opfer bricht vor Gericht in Tränen aus

Selbst dem Kind gegenüber soll der Angeklagte schon gewalttätig geworden sein, so die Zeugin am ersten Verhandlungstag. Auch die Großmutter musste den tödlichen Überfall auf ihren Mann vom Balkon aus beobachten: „Ich habe versucht auf Russisch zu rufen: ‘Vorsicht ihr werdet verfolgt!’“ David H. sei „wie ein Teufel, wie ein Dämon“ von seinem Fahrrad gesprungen – auf ihren Gatten. „Ich hab nur auf meinen Mann geschaut – und er steht nicht auf und er steht nicht auf“, schildert sie unter Tränen im Zeugenstand. Der Gefühlsausbruch der Zeugin scheint Wirkung auf David B. zu haben: Mit den Worten „Es tut mir leid“, reagiert der Angeklagte auf ihre emotionale Schilderung.

Doch die späte Reue hat wenig Aussicht auf Erfolg. Es gebe laut Anklage „keine objektiven Anhaltspunkte für den vermuteten Missbrauch durch den Großvater“, hieß es zum Prozessauftakt am Dienstag. Nun muss die Schuldfähigkeit des Angeklagten geprüft werden, ihm droht eine lebenslange Haftstrafe. (npa/gmö)