Fehlbildung wegen mangelnder Schwangerschaftsberatung

Weil Arzt ihre Geburt zuließ - junge Britin (20) gewinnt Millionenstreit vor Gericht

Evie Toombes wollte niemals geboren werden.
Evie Toombes wollte niemals geboren werden.
© instagram/evie.toombes

05. Dezember 2021 - 8:21 Uhr

Junge Britin gibt dem Arzt ihrer Mutter die Schuld für ihre Fehlbildung

Evie Toombes aus dem englischen Lincolnshire hat den Arzt ihrer Mutter verklagt, weil er ihre Geburt zuließ. Am Mittwoch hat die 20-jährige Britin einen Rechtsstreit vor Gericht für sich entscheiden können. Jetzt hat sie Anspruch auf Schadensersatz in Millionenhöhe.

Britin bekommt Millionen, weil sie krank zur Welt kam

Weil der Arzt es im Februar 2001 versäumt haben soll, Toombes Mutter über die Bedeutung von Folsäurepräparaten während der Schwangerschaft zu informieren, leide die Para-Springreiterin an der schweren Krankheit Spina bifida (Offener Rücken). Deshalb hätte, so Toombes, ihre Geburt niemals stattfinden dürfen. Sie behauptet, dass ihre Mutter die Empfängnis verschoben hätte, wenn sie von Dr. Philip Mitchell informiert worden wäre.

Die 20-Jährige hatte den verantwortlichen Arzt auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt und am Mittwoch vor einem Londoner Gericht gewonnen. Richterin Rosalind Coe sprach ihr das Recht auf eine Entschädigung zu.

Wie hoch der Betrag letztendlich sein wird, ist laut der britischen "Daily Mail" nicht bekannt. Nach Angaben ihrer Anwälte dürfte dieser "gewaltig" sein. Er müsse unter anderem die Kosten für die lebenslange Pflege decken.

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Ärzte können bei fahrlässiger Beratung haftbar gemacht werden

Die Richterin gab Toombes Recht und bestätigte, dass der Arzt ihre Mutter nicht über die Risiken der Schwangerschaft ausführlich informiert hatte. Die Frau hätte vermutlich die Empfängnis verzögert und stattdessen ein anderes, gesundes Baby zur Welt gebracht, so Coe.

Der Arzt habe ihr damals gesagt, sie soll nach Hause gehen und "viel Sex" haben. Bei guter Ernährung müsse sie keine Folsäure extra einnehmen.

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Das Urteil sei wegweisend, heißt es in Großbritannien. Es bedeutet, dass medizinische Fachkräfte für eine fahrlässige Beratung haftbar gemacht werden könnten, sollte es zu einer Geburt eines Kindes mit kritischem Gesundheitszustand kommen. (mor)