Warum hat sie das getan?

Mutter ertränkt Sohn in Fluss - "Ich würde jede Strafe annehmen"

Das Kleinkind wurde tot aus der Wümme geborgen
Das Kleinkind wurde tot aus der Wümme geborgen
© dpa, -, pat fko tba lvo

30. April 2021 - 13:43 Uhr

Mutter und Kind fliehen aus Klinik - dann ist er tot

Im November 2020 flieht eine 40-Jährige mit ihren Sohn (4) aus einem Rotenburger Krankenhaus. Er wurde dort wegen Verbrennungen behandelt. Doch anstatt ihr Kind nach Hause zu bringen, wirft sie es von der Amtsbrücke in den Fluss Wümme. Das Kind ertrinkt. Die Frau muss aktuell sich wegen Totschlags vor dem Landgericht Verden verantworten. An diesem Freitag gesteht sie die Tat. Die Hintergründe sind zunächst noch unklar – hatte die Mutter Angst, ihr Kind an die Behörden zu verlieren?

"Ich würde jede Strafe annehmen"

Beim Prozessauftakt Mitte April war die Angeklagte in einem sehr schlechten Zustand, weshalb das Verfahren ausgesetzt werden musste. Beim ersten "richtigen" Prozesstag zeigt sie sich dann erschüttert: An den Vorgang, wie sie das Kind aus dem Krankenhaus abgeholt und in die Wümme geworfen hat, könne sie sich nicht erinnern. Dass sie ihr Kind getötet habe, darunter leide sie selbst: "Ich würde jede Strafe annehmen, ich habe das Wichtigste in meinem Leben verloren und an dem Tag, als er gestorben ist, ist in mir etwas gestorben. Jetzt geht es mir nur um meine Tochter."

Welche Rolle spielte die Angst vor dem Jugendamt?

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, sie habe ihr Kind getötet, weil sie Angst hatte, das Sorgerecht zu verlieren. Die Türkin schien zu vermuten, man wolle das Kind in die Obhut des Jugendamts geben, welches auch schon vor dem Krankenhausbesuch des Sohnes bereits Kontakt mit der Familie wegen der älteren Tochter hatte. Auch religiöse Gründe hätten zunächst im Raum gestanden, das streitet die Frau aber vehement ab. "Dass ich nicht wollte, dass mein Sohn christlich aufwächst, hatte nichts mit meiner Tat zu tun, das stimmt nicht." Das Jugendamt habe sie nie als Hilfe empfunden, sondern als Bedrohung. "Meine Kinder sind das Wichtigste in meinem Leben, danach kommt mein Mann."

Mutter droht Haftstrafe

Der kleine Junge hatte zunächst als vermisst gegolten, war dann aber wenig später tot in dem Fluss gefunden worden. Die Frau befand sich nach der Tat in psychatrischer Behandlung, da auch eine Selbstmordgefahr bestand. Ein Urteil wird für Juni erwartet.

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