Virologe klärt auf

Warum gibt es jetzt mehr Impfdurchbrüche? Der Faktencheck

16. November 2021 - 9:38 Uhr

Impfungen wirken - trotz Impfdurchbrüchen

Die vierte Welle bringt immer mehr Hiobsbotschaften mit sich. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 300 (Stand 15.11.) steht Deutschland nun vor einem absoluten Negativrekord, auch die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages hat mit aktuell 23.607 einen besorgniserregenden Wert erreicht. Im selben Atemzug ist immer häufiger die Rede von Impfdurchbrüchen, also von vollständig Geimpften, die sich dennoch mit Covid-19 infizieren. Sind unsere Impfstoffe also doch wirkungslos? Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer sagt im RTL-Interview ganz klar: Nein! Es gibt gute Gründe, warum die Zahl der Impfdurchbrüche aktuell steigt und man dennoch auf die Impfung vertrauen sollte. Welche Gründe das sind, erklärt er im Video.

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Zahl der Impfdurchbrüche steigt

Nach den Meldedaten des Robert-Koch-Instituts gab es in Deutschland seit Beginn der Impfkampagne mehr als 175.000 Impfdurchbrüche. Das klingt zunächst nach einer ganzen Menge, laut Virologe Martin Stürmer sei das aber zunächst kein Grund zur Sorge: "Dadurch, dass wir insgesamt auch viele Menschen geimpft haben, sehen wir natürlich in der Summe auch mehr Impfdurchbrüche und da diese Menschen in unserer aktuellen Infektionslage auch sehr häufig wieder mit dem Virus in Kontakt kommen können, ist das einfach nur eine logische Konsequenz."

Bei 56 Millionen vollständig geimpften Deutschen sind also gerade einmal 0,3 Prozent von den Impfdurchbrüchen betroffen. Laut Stürmer bestätige dieses Verhältnis die hohe Wirksamkeit der Impfstoffe.

Wie problematisch sind die Impfdurchbrüche?

Laut Stürmer gebe es in Hinblick auf die Durchbrüche auch gute Nachrichten. So sei es Fakt, dass die meisten Impfdurchbrüche nicht in die Krankenhäuser kommen und das Gesundheitssystem nicht weiter belasten. Menschen mit Impfdurchbruch seien auch nach wie vor weniger ansteckend als ungeimpfte Infizierte.

Auf der anderen Seite sei allerdings ein klarer Trend zu beobachten, der sich doch negativ auswirken wird: "Es sind vermehrt ältere Menschen, bei denen die Impfung deutlich länger zurückliegt, als die sechs Monate, die wir als kritische Grenze ansehen und da ist dann doch zu befürchten, wenn wir nicht gegensteuern, dass es doch zu einer Mehrbelastung in den Krankenhäusern kommen kann", sagt uns Stürmer im Interview.

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Was können wir tun?

Martin Stürmer erinnert noch einmal daran, dass unsere aktuellen Impfstoffe allesamt für die Ursprungsvariante des Corona-Virus entwickelt wurden. Nicht zuletzt deswegen bekommen die Booster-Impfungen auch so eine wichtige Bedeutung in der aktuellen Bekämpfung der Pandemie. Laut Stürmer sei es aber nur eine Frage der Zeit, bis die ersten angepassten Impfstoffe erscheinen und dann auch einen noch effektiveren und länger anhaltenden Schutz gewährleisten.

Martin Stürmers Lösungsansätze, um die vierte Welle zu brechen und Impfdurchbrüche zu verhindern, dürften bei vielen Erinnerungen an 2020 wecken: Der Virologe wirbt dafür, Kontakte bestmöglich einzuschränken. "Sollte die Möglichkeit entfallen, mit Kontaktbeschränkungen zu arbeiten, heißt das, wir müssen die Kontakte so sicher gemacht werden die möglich. Das heißt, wir müssen vernünftige Hygiene- und Test-Konzepte entwickeln", sagt er. Darüber hinaus könne es nicht schaden, sich vor dem Besuch gefährdeter Gruppen noch einmal sicherheitshalber testen zu lassen – trotz Impfung. (kmü)

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