Anwalt für Arbeitsrecht klärt auf

Wann man Resturlaub mit ins nächste Jahr nehmen darf

Im Bundesurlaubsgesetz steht: der Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr genommen werden, sonst verfällt er - aber gilt das immer?
Im Bundesurlaubsgesetz steht: der Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr genommen werden, sonst verfällt er - aber gilt das immer?
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28. September 2021 - 7:47 Uhr

Was Arbeitnehmer wissen sollten

Sie haben noch Resturlaubstage übrig und würden diese am liebsten mit ins neue Jahr nehmen? Das geht - allerdings nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Denn im Bundesurlaubsgesetz steht, dass der Urlaub im laufenden Kalenderjahr genommen werden muss – sonst verfällt er. Unter welchen Umständen es dennoch möglich ist, seinen Resturlaub im neuen Jahr zu nehmen, erklärt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Arbeitgeber müssen auf Resturlaub hinweisen

Wenn der Resturlaub bis Jahresende nicht genommen wurde, verfällt er – das sagt das Bundesurlaubsgesetz. "Ganz so einfach ist es aber doch wieder nicht", beruhigt Schipp. Im Jahr 2018 habe der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass Arbeitgeber dafür sorgen müssen, dass Arbeitnehmer ihren Urlaub auch nehmen. Dieser Rechtsprechung ist das Bundesarbeitsgericht gefolgt.

Während früher nicht genommene Urlaubstage einfach futsch waren, gilt heute: "Der Arbeitgeber muss darauf hinwirken, dass ein Arbeitnehmer seinen gesamten Urlaub im laufenden Kalenderjahr nimmt", so Schipp.

Dazu gehört auch: Arbeitgeber müssen darauf hinweisen, dass der Urlaub verfällt, wenn er nicht genommen wird. Reagieren Arbeitnehmer trotz der Hinweise nicht, ist der Urlaub mit Ablauf des Jahres weg.

Anspruch auf Urlaubstage kann länger bestehen - unter diesen Bedingungen

Laut Bundesurlaubsgesetz (Paragraf 7) kann der Urlaub ins nächste Jahr übertragen werden, wenn dringende betriebliche Gründe das rechtfertigen. "Denkbar wäre", so Schipp: ein Arbeitgeber bekommt gegen Ende des Jahres einen riesigen Auftrag. Dann könne er Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verbieten, im laufenden Jahr noch Urlaub zu nehmen. Der Anspruch bestehe dann bis zum 31. März des Folgejahres.

Im Gesetz ist noch ein anderer Fall vorgesehen: Wenn ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin den Urlaub wegen Krankheit nicht nehmen kann. "Auch dann überträgt sich der Anspruch", erklärt Schipp.

Bei Krankheit gilt noch eine Besonderheit: Der Anspruch verlängert sich nicht nur wie üblich bis zum 31. März des Folgejahres. Kann jemand wegen der Krankheit den Urlaub darüber hinaus wieder nicht nehmen, bleibt der Anspruch bis zum 31. März im übernächsten Jahr bestehen, so Schipp. (dpa)