Parteien im Finanzcheck

Geringverdiener, Mittelstand oder Gutverdiener: Mit welcher Partei haben SIE am Ende mehr im Geldbeutel?

Union und FDP wollen vor allem Top-Verdiener entlasten, während die anderen Parteien eher bei Geringverdienern und Mittelständlern ansetzen. (Symbolbild)
Union und FDP wollen vor allem Top-Verdiener entlasten, während die anderen Parteien eher bei Geringverdienern und Mittelständlern ansetzen. (Symbolbild)
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh tba cul

09. Juli 2021 - 10:36 Uhr

So viel Geld könnten Sie nach der Bundestagswahl mehr oder weniger im Portemonnaie haben

Bei welcher Partei sollte ich im September mein Kreuz setzen? Für viele Menschen entscheidet sich diese Frage wohl auch daran, was die Parteien konkret für ihren Geldbeutel tun wollen.

Eine neue Analyse der "Süddeutschen Zeitung" zeigt jetzt: Rechnet man die Vorschläge im jeweiligen Wahlprogramm in konkrete Zahlen um, würden Großverdiener vor allem bei einem Wahlsieg von Union oder FDP profitieren. Gering- bis Mittelverdiener dagegen würden bei einem Sieg von Linken, SPD oder Grünen entlastet.

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So wollen die Parteien Geringverdiener entlasten

Die großangelegte Analyse wurde von den Forschern des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung durchgeführt.

Demnach würde ein eher geringverdienendes Ehepaar mit einem Jahreseinkommen von bis zu 20.000 Euro brutto im Jahr von den Plänen der Linken, der Grünen und der SPD besonders profitieren. Je nach Partei wäre für diese Gruppe am Jahresende bis zu 6.500 Euro mehr drin – so viel wollen die Linken Geringverdiener entlasten. Bei SPD und Grünen bewegt sich die Summer um die 3.300 Euro. Doch auch die FDP will etwas für Geringverdiener tun und sie mit bis zu 2.920 Euro entlasten.

Lediglich die CDU hat Geringverdiener offenbar nicht im Fokus: Hier wären am Ende nur bis zu 890 Euro mehr übrig. Die Angaben beziehen sich jeweils auf ein Ehepaar mit zwei Kindern, Alleinstehende profitieren kaum von den Regelungen. Lediglich die Linken wollen auch Singles stärker entlasten.

Wie viel Entlastungen versprechen die Parteien Haushalten im mittleren Einkommensbereich?

Ein Ehepaar im mittleren Einkommensbereich von 30.000 bis 40.000 Euro brutto jährlich könnte laut den Forschern nach den Plänen von Grünen, SPD und Linken über gut 3.000 bis 5.000 Euro mehr im Geldbeutel haben.

FDP und Union sähen in dieser Einkommensgruppe nur Entlastungen von etwa 900 Euro vor.

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Wie Topverdiener be- oder entlastet werden sollen

Ein besserverdienendes Ehepaar mit zwei Kindern und einem Brutto-Einkommen von 120.000 Euro könnte bei FDP und Union mit Entlastungen von rund 6.500 Euro oder 2.300 Euro rechnen. Auch die SPD- und Grünen-Pläne sähen hier noch eine leichte Entlastung vor.

Jahreseinkommen von jenseits der 300.000 Euro würden SPD, Grüne und Linke jedoch stärker belasten, während FDP und Union ihnen sogar zwischen 10.500 und 18.200 Euro mehr versprechen.

Wie sollen die Entlastungen finanziert werden?

Finanzieren wollen Union und FDP ihre Pläne durch die Mehreinnahmen, die sie sich von einem möglichen Wachstum der Wirtschaft erhoffen. Allerdings könne man die tatsächlichen Auswirkungen der Parteipläne auf die Wirtschaft nicht voraussehen, so die Forscher. Die Union behaupte beispielsweise, durch Steuerentlastungen der gesamten Wirtschaft und damit allen zu helfen. Ob das tatsächlich so passieren könnte – unklar.

SPD, Grüne und Linke wollen ihre Pläne mit zusätzlichen Steuereinnahmen von Topverdienern finanzieren. Doch auch hier ist unklar, ob die betroffenen Menschen nicht einfach ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen und sich so den Steuereinnahmen entziehen.

Pläne von FDP und Union würden Loch in Staatskasse reißen

Die Pläne von Union und FDP würden laut den Forschern auch die größte Lücke in den Staatshaushalt reißen: Auf ein Minus von 33 Milliarden Euro oder 88 Milliarden Euro summieren sich laut ZEW die jeweiligen Steuersenkungen. Bei Linken und Grünen wäre stattdessen etwa aufgrund einer Vermögensteuer mit einem Überschuss in den Staatskassen zu rechnen.

AfD wurde bei der Analyse nicht berücksichtigt

Die Analyse wurde vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der "Süddeutschen Zeitung" durchgeführt. Dazu werteten die Forscher die Wahlprogramme von Union, FDP, SPD, Linken und Grünen aus. Mit einbezogen wurden den Angaben zufolge zentrale Pläne der Parteien zu Steuern, Mindestlohn, Mini- und Midi-Jobs sowie Familienpolitik (Kindergeld und -grundsicherung etcetera).

Die AfD wurde laut der Süddeutschen Zeitung nicht berücksichtigt, weil sie keine Chancen auf eine Regierungsbeteiligung habe – außerdem habe die Partei kein Steuerkonzept vorgelegt. (vdö/Reuters)

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