Verwahrlostes Kind in Eberswalde

Bruder der kleinen Mia (5): "Ich sehe meine Mutter nicht als Rabenmutter"

10. Februar 2020 - 13:03 Uhr

Eberswalde: Das Jugendamt holte die kleine Mia (5)

Gegen ihre Familie werden schwere Vorwürfe erhoben. Die kleine Mia (5) aus Eberswalde (Brandenburg) soll jahrelang kein Tageslicht gesehen haben und unterernährt gewesen sein. Im Dezember wurde das Kind vom Jugendamt aus der Wohnung ihrer Mutter geholt. Im Krankenhaus sei dann ihr schlechter körperlicher Zustand aufgefallen, so heißt es. Ihr Halbbruder Paul (24) bestreitet die Vorwürfe - mehr dazu im Video.

"Die wollten den Kühlschrank sehen"

Als es um die kleine Mia geht, bricht Paul in Tränen aus. "Die standen vor der Tür", sagte er im Interview mit RTL-Reporter Heinz Kegl. Der junge Mann wirkt verstört. Von dem Besuch des Jugendamtes sei er völlig überrascht gewesen. "Die wollten den Kühlschrank sehen und dann fing es auf einmal an, dass die (Mia: Anm. d. Red.) weg soll", so der Halbbruder des Mädchens. Danach hätten sie das weinende Kind mitgenommen. Im Krankenhaus wurde angeblich später festgestellt, dass Mia unterernährt und verwahrlost gewesen sei.

Tiefkühlpizza und Kräuterquark

Doch Paul bestreitet den Vorwurf, dass seine Halbschwester zu wenig zu essen bekommen habe. Mia sei ein wählerisches Kind und habe nicht alles essen wollen, was man ihr vorgesetzt habe. "Kräuterquark hat sie gerne gegessen und eine Tiefkühlpizza habe ich ihr auch manchmal gemacht. Das hat sie dann auch gegessen", erklärte Paul. Suppe und Schokolade habe sie allerdings gar nicht angerührt.

Auch, dass seiner Mutter Kathleen S. jetzt vorgeworfen werde, dass sie Mia nicht gut behandelt habe, könne er nicht verstehen, so der junge Mann. Nachdem die 5-Jährige im Krankenhaus gewesen war, gab es immer wieder Berichte darüber, dass Mia jahrelang kein Tageslicht gesehen hätte. Auch das bestritt Paul im Interview. "Manchmal, wenn Mia wach war, habe ich die Vorhänge aufgezogen. Manchmal wollte das halt Mia nie und dann hat sie die wieder runter gemacht."

Paul bricht in Tränen aus, Mutter tröstet ihn

Laut Mutter Kathleen S. ist Töchterchen Mia autistisch. Deshalb sei sie auch in psychiatrischer Betreuung im örtlichen Krankenhaus. Deshalb habe sie auch Essstörungen. Zu dem Vorwurf, dass Mia jahrelang im Dunklen gelebt haben soll, sagt sie: "Die Jalousien sind oft unten, weil die Wohnung im Erdgeschoss ist. Es gibt keine Vorhänge von innen. Wir wollen ja nicht, dass man uns in die Wohnung reinschaut."

Als Paul in Tränen ausbricht, setzt sich seine Mutter neben ihn, um ihren Sohn zu trösten. Der junge Mann erklärte: "Ich sehe meine Mutter nicht als Rabenmutter. Sie ist eine gute Mutter. Sie war immer da für mich, auch für meine andere ältere Schwester. Ich kann da nichts Schlechtes sagen." Dass Mia verwahrlost gewesen sein soll, dass könne Paul nicht verstehen. "Mia war nicht verwahrlost oder dreckig. Wenn Mia in die Wanne sollte, dann habe ich sie in die Wanne gesetzt und abgeseift."

Erste Meldung beim Jugendamt schon 2017

Am 20. Dezember hatte das Jugendamt Mia und zwei ihrer Geschwister aus dem Haushalt ihrer Mutter Kathleen S. herausgeholt. 2017 habe es beim Jugendamt erstmals eine Meldung wegen Kindeswohlgefährdung gegeben. Danach sei es zu einem Gespräch gekommen, doch der Vorwurf sei widerrufen worden. Auch mit den älteren Kindern habe es immer wieder kleinere Probleme gegeben.

Erziehungsberechtigten könnte Sorgerecht entzogen werden

Das Amtsgericht Eberswalde muss darüber befinden, ob den Erziehungsberechtigten das Sorgerecht entzogen wird. Bei einer Anhörung am Freitag hat das Gericht noch keine Entscheidung gefällt.

Das Jugendamt wirft den Erziehungsberechtigten, die bereits unter Betreuung einer Familienhilfe standen, mangelnde Erziehungskompetenz, Verwahrlosung und Vernachlässigung ihrer drei Kinder vor. Speziell der schlechte Zustand der fünfjährigen Mia soll auf die fehlende Sorgfaltspflicht zurückzuführen sein, so der Vorwurf des Jugendamtes.