Zeitung berichtet von angeblichem Klage-Brief

Maddie-Verdächtiger Christian B. fordert Rücktritt der ermittelnden Staatsanwälte

Verdächtigter im Fall Madeleine McCann: Christian B.
Verdächtigter im Fall Madeleine McCann: Christian B.
© Polizei

15. Juni 2021 - 12:17 Uhr

Briefschreiber beklagt "Vorverurteilungskampagne"

Seit einem Jahr steht Christian B. im Fokus der Ermittlungen im Fall Maddie McCann. Über den Stand der Ermittlungen ist wenig bekannt, über B. umso mehr. Der Mann ist ein mehrfach vorbestrafter Sexualverbrecher, er sitzt in einem niedersächsischen Gefängnis. Und er sucht die Öffentlichkeit, berichtet die "Bild"-Zeitung. Dem Blatt liegt nach eigenen Angaben ein Brief des Verdächtigen vor, in dem er sich über die Braunschweiger Staatsanwaltschaft beschwert.

Echtheit des Schreibens ist nicht bestätigt

Fall Maddie
Staatsanwalt Hans Christian Wolters.
© deutsche presse agentur

Überschrieben ist das Werk mit "Pressemitteilung des Herrn", es folgt der volle Name. Darin ist die Rede von einem "unglaublichen Skandal", der Schreiber wirft dem Staatsanwalt eine "öffentliche Vorverurteilungskampagne" vor. Dann äußert der Schreiber in einem Absatz seine Meinung zum Thema "Meinungsfreiheit".

Ohne einen Zusammenhang hierzu herzustellen, fordert er die Staatsanwalte Wolters und Linnemann dazu auf, ihre Ämter niederzulegen. Zur Begründung heißt es unter anderem, die beiden würden "Schande über das deutsche Rechtssystem bringen." Datiert ist das Schreiben auf den 8. Mai 2021.

Dem Brief ist laut "Bild"-Zeitung eine Zeichnung angefügt, die in dem Bericht abgebildet ist. Darauf ist eine Art Karikatur zu sehen, in dem zwei Menschen in einem Restaurant Essen bestellen. Es soll die Staatsanwälte darstelle. Der eine bestellt ein "Filet Forensik", die andere sagt, "Lecker. Ich auch".

Die Echtheit von Schreiben und Zeichnung sind nicht bestätigt. Bisher ist auch nicht bekannt, ob beides auch an andere Medien verschickt wurde. Staatsanwalt Christian Wolters wollte sich zu dem Brief auf RTL-Anfrage nicht äußern.

Staatsanwalt wies schon häufiger Spekulationen zurück

ARCHIV - 02.05.2012, Großbritannien, London: Kate und Gerry McCann, Eltern der vor 13 Jahren verschwundenen Britin Madeleine "Maddie" McCann halten bei einem Such-Aufruf das Foto ihrer Tochter. (zu dpa "Spekulation um Maddies Tod: Eltern dementieren
Kate und Gerry McCann, Eltern der vor 13 Jahren verschwundenen Britin Madeleinemit einem Foto ihrer Tochter
© dpa, John Stillwell, ihe sab

Christian B. wurde bislang nicht zum Verdacht einer möglichen Verstrickung in den Fall Maddie vernommen. Ein Durchbruch in den Ermittlungen ist kurzfristig auch nicht in Sicht. Die werden noch einige Monate in Anspruch nehmen, so Staatsanwalt Hans Christian Wolters. Es sei nicht ungewöhnlich, wenn die Vernehmung eines Beschuldigten an das Ende der Ermittlungen gestellt werde. Wolters hatte wiederholt Informationen zu dem Fall als Spekulation oder schlicht falsch zurückgewiesen.

Der Fall Madeleine McCann bewegt die Menschen seit 14 Jahren. Am 3. Mai 2007 verschwand die damals Dreijährige aus einer Apartment-Anlage im portugiesischen Praia da Luz. Seitdem fehlt jede Spur von ihr. Alles deutet darauf hin, dass das Mädchen tot ist. (uvo)

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