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Verlassen, gerettet - und dann versteigert? Schicksal von American Pitbull Terrier Rudi empört das Netz

Verlassen, gerettet - und dann versteigert?

Schicksal von American Pitbull Terrier Rudi empört das Netz

Geretteter Hund Rudi
Rudi wurde von seinem Herrchen einfach alleine gelassen.
Landkreis Kassel

Tagelang war Rudi allein zu Hause: Sein Besitzer hatte ihn angebunden und war einfach in den Urlaub gefahren. Glücklicherweise hörten aufmerksame Nachbarn den bellenden Hund – und informierten das Veterinäramt, das Rudi befreite und sicherstellte. Doch die Suche nach einem neuen liebevollen Zuhause für Rudi endete für den Landkreis Kassel in einem Shitstorm – der Kreis wollte über ein Bieterverfahren einen neuen Besitzer finden. Für viele Nutzer ein unverständliches Vorgehen. Zuerst hatte die „Hessenschau“ über die empörten Reaktionen der Facebook-Community berichtet.

Bieterverfahren sorgte für Unverständnis

„In den vergangenen Stunden haben uns zahlreiche Kommentare erreicht, in denen – teils in sehr emotionaler Weise – Bedenken gegen das Gebotsverfahren für den American Pitbull Terrier Rudi geäußert wurde“, so der Landkreis auf Facebook. Den vorherigen Post mit dem angesprochenen Bieterverfahren habe man deswegen gelöscht.

Da das Tierheim, in dem Rudi seit sechs Wochen lebt, keinen Erfolg bei der Vermittlung hatte, wollte der Landkreis die Vermittlungsversuche unterstützen.

Im Tierheim werde Rudi, „nach seinen schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit, aufgepäppelt und sozialisiert.“ Rudi sei ein American Pitbull Terrier oder American Pitbull Terrier-Mix und trotz seiner schlechten Erfahrungen in einem guten Zustand, so das Statement weiter.

Menschen gegenüber sei er sehr freundlich und verspielt, auch den Umgang mit Kindern sei er gewöhnt. Das Problem: Die Rasse wird in Hessen als „gefährlicher Hund“ eingestuft, die neuen Besitzer bräuchten für Rudi eine entsprechende Erlaubnis.

Landkreis: Versteigerung ist normales Vorgehen

Auf Facebook versuchte der Landkreis, das Vorgehen zu erklären: Bei der Unterstützung einer Vermittlung „ist es gesetzlich vorgeschrieben (16a TierSchG i.V.m. § 42 HSOG) die Veräußerung zunächst über ein Gebotsverfahren zu bestreiten. Dies dient der Rechtssicherheit folgender Verfahren und ist in keiner Weise einem Gewinninteresse geschuldet.“

Es sei nie geplant gewesen, Rudi an den Höchstbietenden zu übergeben, so der Kreis weiter. “Vielmehr stand und steht das Wohl des Tieres für das Veterinäramt immer im Vordergrund. „Das heißt konkret: Auch im Gebotsverfahren werden die Haltungsvoraussetzungen und Zuverlässigkeit der Bieter von der Behörde vor Abgabe gründlich geprüft.“ Um die Vermittlungsversuche von Rudi jedoch nicht zu gefährden, habe das Veterinäramt beschlossen, das Bieterverfahren abzubrechen.

Vermittlung an "schwarze Schafe" soll verhindert werden

Nichtsdestotrotz suche man weiterhin ein liebevolles Zuhause für Rudi, so der Kreis. Interessenten können sich per Mail an veterinaeramt@landkreiskassel.de wenden, allerdings ohne die Abgabe eines Gebots. Alle Interessenten, auch die, die bereits ein Angebot abgegeben haben, werden von Amtsveterinären geprüft. Auf RTL-Nachfrage bestätigte ein Sprecher des Kreises, dass sich bereits einige Interessenten gemeldet hätte – die Einstufung von Rudi als „Listenhund“ verkleinere den Kreis der Interessenten aber.

Das Veterinäramt sei außerdem mit Tierschutzvereinen und –organisationen in Kontakt, um die Vermittlung an bekannte „schwarze Schafe“ zu vermeiden, so der Kreis. Gegen Rudis vorherigen Besitzer läuft aktuell ein Verfahren. (dgö)