Vergewaltigt, im Netz gemobbt, in den Tod getrieben: Jetzt kämpft 'Anonymous' für Rehteah († 17)

13. Dezember 2016 - 13:45 Uhr

"Ich hatte Sex mit ihr, während sie kotzend aus dem Fenster hing"

Rehteah Parsons war 17 als sie sich erhängte. Die Schülerin sah keinen anderen Ausweg mehr. Auf einer Party nutzten vier Jungs den betrunkenen Zustand der damals 15-Jährigen aus und vergewaltigten sie. Mindestens einer von ihnen machte Fotos von der Tat. Die Bilder machten in der Schule die Runde. "Ihr Ruf war augenblicklich zerstört", sagt ihr Vater Glenn Canning. Die Familie zog um, Rehteah wechselte die Schule. Doch als sie dort ankam, waren die Fotos längst da. Die Täter lebten unbehelligt weiter, während Rehteah auf Facebook als "Schlampe" beschimpft und verhöhnt wurde. Bis sie nicht mehr konnte. Die Hackergruppe 'Anonymous' hat den Fall zur Chefsache erklärt - und tatsächlich Einiges erreicht.

Ein einziger Abend, ein Video, ein Klick - und das Leben von Rehteah Parsons aus dem kanadischen Halifax ist zerstört. Die 15-Jährige ist gerade auf die High-School gekommen. Sie ist eine gute Schülerin, hat viele Freunde, ist glücklich. Bis zu dem Abend als sie auf eine Party eingeladen wird. Ihren Eltern erzählt sie, dass es die Feier einer neuen Bekannten sei. Doch Rehteah und ihre Freundin gehen auf eine andere Party. Dort fließt Alkohol. Es ist der Beginn einer Tragödie.

"Sie kannte die Wirkung nicht, was Alkohol mit ihr macht. Sie erinnerte sich daran, dass sie nach oben geführt wurde, Sie erinnerte sich, dass sie sich auf ihr bewegten. Und dass sie sich den Kopf am Fenster stieß, als sie sich übergeben musste. Sie konnte sich erinnern, dass jemand sagt: 'Mach ein Foto'", erzählt ihre Mutter Leah Parsons. Es sind vier Jugendliche, die Rehteah in dieser Nacht vergewaltigen. Einer von ihnen postet ein Foto. Dazu schreibt er noch: "Das bin ich und das ist Rehtaeh Parsons. Ich habe Sex mit ihr, während sie kotzend aus dem Fenster hängt".

Ihr Vater erinnert sich, was dann passiert. "Die Sache kam Dienstag in der Schule raus. Rehtaeh habe mit vier Typen geschlafen. Ihr Ruf war augenblicklich zerstört. Sie rief mich an, sie war in Panik". Doch statt Mitgefühl ihrer Freunde und Klassenkameraden schlägt Rehteah pure Verachtung entgegen. Jemand sagte zu ihr: "Ich kann nicht fassen, dass du das auf dem Bild bist. Du bist so eine Schlampe", erzählt Leah Parsons. Selbst Freunde wenden sich von der Schülerin ab.

Besonders schlimm für Rehteah war auch die Tatsache, dass die Täter nicht bestraft wurden. Nach einem Jahr wurden die Ermittlungen eingestellt. Zwar zweifelte die kanadische Polizei nicht an der Tat, aber die Beweise reichten nicht für eine Verurteilung. "Sie konnte auch nicht beweisen, wer den Foto-Knopf auf dem Handy gedrückt hat", sagt ihre Mutter.

Im April 2013 - rund eineinhalb Jahre nach der Gruppenvergewaltigung - findet Leah Parsons ihre Tochter in Badezimmer. Sie hat sich mit einem Gürtel erhängt. Seither kämpfen die Eltern für Gerechtigkeit. Sie gehen an Schulen und wollen Jugendlichen deutlich machen, welche Folgen Cybermobbing haben kann. Auch auf Facebook erzählen sie die Geschichte ihrer Tochter. Das ruft die Hackergruppe 'Anonymous' auf den Plan. Sie will der Familie helfen.

Innerhalb kurzer Zeit finden die Hacker heraus, wer die Vergewaltiger sind. Sie drohen, die Täter bloßzustellen, sollte die Justiz den Fall nicht wieder aufrollen. Plötzlich findet Rehteahs Vater Gehör in der Politik. Sogar der Premierminister persönlich schaltet sich ein. Wie der Fall ausging und was mit den Tätern passierte, erfahren Sie im Video.

Wenn Sie Selbstmord-Gedanken haben, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge (www.frnd.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erreichen Sie Menschen, die Ihnen die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.