Schwangere musste offenbar weiter Pakete schleppen

USA: Zu harte Arbeitsbedingungen? Amazon-Lagerarbeiterin erleidet Fehlgeburt

USA: Schwangere Lagerarbeiterin erleidet Fehlgeburt, weil Arbeitgeber Schwangerschaftserleichterungen abgelehnt haben soll. (Foto: Symbolbild)
USA: Schwangere Lagerarbeiterin erleidet Fehlgeburt, weil Arbeitgeber Schwangerschaftserleichterungen abgelehnt haben soll. (Foto: Symbolbild)
© dpa, Caroline Seidel, tba vco

22. Juli 2021 - 19:28 Uhr

Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen Amazon

Eine Frau in den USA erhebt schwere Vorwürfe gegen den Online-Handelsriesen Amazon: Die schwangere Lagerarbeiterin aus Kalifornien sagt, sie habe trotz eines ärztlichen Attests, weiterhin schwere Pakete schleppen müssen. Sie habe deswegen eine Fehlgeburt erlitten, berichtet das amerikanische Magazin "Vice". Amazon steht schon länger wegen schlechter Arbeitsbedingungen und mangelndem Arbeitsschutz in der Kritik.

Vorgesetzter und Personalabteilung sollen keine Rücksicht auf schwangere Mitarbeiterin genommen haben

Lagerarbeiterin Patty Hernandez ist in der siebten Woche schwanger, als sie während der Arbeit plötzlich einem Drang verspürt, auf Toilette zu gehen. Sie rennt durch das Lagerhaus zu einer Toilette und entdeckt Blut in ihrer Hose. In den Wochen zuvor soll die 23-jährige bei ihrem Vorgesetzten und der Personalabteilung wiederholt um leichtere Aufgaben gebeten haben, um ihre Schwangerschaft nicht zu gefährden. Doch die Verantwortlichen in einem Amazon-Lager im kalifornischen Tracy sollen die Bitten immer wieder abgelehnt haben, berichtet das amerikanische Magazin "Vice" über den Fall.

Amazon-Paket
Eine Amazon-Mitarbeiterin erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Arbeitgeber.
© REUTERS, Mike Segar, FW1F/Simon Newman

Auch ärztliches Attest wird offenbar abgelehnt

"Mein Vorgesetzter war nicht bereit, mir entgegen zu kommen. Er hatte es auf mich abgesehen, fragte: Warum ist deine Bilanz so schlecht, warum verbringst du so viel Zeit auf der Toilette, warum bist du immer länger als zehn Minuten weg? Uns stehen pro Tag nur zehn Minuten zu, aber das Lager ist so groß. Es braucht allein sechs Minuten, um zur Toilette und zurückzukommen", schildert Patty Hernandez dem "Vice" Ableger "Motherboard". Selbst ein ärztliches Attest mit der Aufforderung, der Frau Schwangerschaftserleichterungen zu ermöglichen, soll von der Personalabteilung zurückgewiesen worden sein.

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Trotz Ruhepause verliert die 23-jährige ihr Baby

Als Patty Hernandez merkt, dass sie blutet, informiert sie nach eigenen Angaben ihren Manager, dass sie eine Fehlgeburt erleiden könnte, und geht nach Hause. Um sich danach ruhig zu halten und zu schonen, beantragt sie Krankentage, die das Unternehmen jedoch ablehnt haben soll. Sie habe in dem Monat nicht genügend Arbeitsstunden absolviert, lautet offenbar die Antwort des Konzerns, die dem Magazin Motherboard vorliegt. Trotz des Drucks, den ihr Arbeitgeber offensichtlich auf sie ausübt, nimmt Patty Hernandez eine Ruhepause. Doch es ist schon zu spät: Eine Woche nach dem Vorfall im Lager kann ihre Hebamme keine Herztöne mehr messen. Die 23-jährige verliert ihr Kind.

Amazon will den Fall jetzt untersuchen

Der Vorfall soll sich bereits im Oktober letzten Jahres ereignet haben. Eine Amazon-Sprecherin sagte dem "Vice"-Magazin, dass der Konzern den Vorfall untersuchen werde. "Amazon arbeite mit jedem Mitarbeiter individuell zusammen, um sicherzustellen, dass er alles hat, was er braucht, um gesund zu bleiben" so die erste Stellungnahme. Allein zwischen 2011 und 2019 wurden in den USA mindestens sieben Klagen wegen Schwangerschaftsdikriminierung gegen den Online-Händler eingereicht. (rra)

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