Kopfschuss bei der Beerdigung eines Ex-Zellengenossen

30 Jahre unschuldig im Knast - nach nur 22 Monaten in Freiheit wird Christopher Williams erschossen

Christopher  Williams
Christopher Williams auf einem alten, undatierten Foto

Das Leben hat Christopher Williams wirklich übel mitgespielt. 30 Jahre lang saß er unschuldig im Gefängnis, ihm drohte sogar die Todesstrafe. Ein besonders krasser Justizirrtum in der Geschichte des US-Bundesstaates Pennsylvania. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis blieben ihm gerade einmal 22 Monate in Freiheit. Jetzt wurde Williams erschossen – auf dem Weg zu einer Beerdigung.

Entsetzen bei Familie und ehemaligen Weggefährten

US-Medien zufolge war Williams in der vergangenen Woche in der Stadt Philadelphia, um einem ehemaligen Zellengenossen die letzte Ehre zu erweisen. Als er aus seinem Auto stieg, habe ihm ein Unbekannter in den Kopf geschossen. Er wurde sofort in ein Krankenhaus in der Nähe gebracht, doch jede Hilfe kam zu spät: Der 62-Jährige ist tot.

Seine Familie und ehemalige Weggefährten reagierten bestürzt. Sein jüngster Sohn sagte: „Er mir beigebracht, wie man ein besserer Mensch wird. Er hat mir geholfen, ein besserer Vater zu sein.“

„Kartenhaus von Lügen und schwerer absichtlicher Verfehlungen der Behörden“

Der Fall Christopher Williams ist ein ausgemachter Justizskandal. Williams wird 1989 wegen angeblichen sechsfachen Mordes zum Tode verurteilt. Obwohl er stets seine Unschuld beteuert, vergehen 30 Jahre, bis die Staatsanwaltschaft von Philadelphia den Fall neu aufrollt. Ergebnis: Williams ist unschuldig. Kronzeugen hatten massiv gelogen, forensische Beweise, die den Angeklagten entlastet hätten, wurden zurückgehalten.

Die Staatsanwältin entschuldigt sich bei Williams und seiner Familie. Der Fall sei „irre“. Sie spricht von einem „Kartenhaus von Lügen und schwerer absichtlicher Verfehlungen der Behörden“. Der unschuldig Verurteilte wird in allen sechs Fällen freigesprochen, Williams wird aus dem Gefängnis entlassen.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Im kommenden Jahr sollte erste Anhörung stattfinden

Er gründet eine Baufirma, in der er ehemalige Häftlinge beschäftigt. Doch weil Pennsylvania einer der wenigen US-Bundesstaaten ohne Entschädigungszahlungen für unschuldig Verurteilte ist, pocht er auf Gerechtigkeit, verklagt die Stadt Philadelphia, mehrere Anwälte und 17 Polizisten wegen des ihm widerfahrenen Unrechts. Im kommenden Jahr sollte die erste Anhörung in dem Fall stattfinden.

Dazu kommt es nicht mehr. Wer Christopher Williams ermordet hat, ist noch unklar. In US-Medien ist von einer „regelrechten Hinrichtung“ die Rede. Der Mord habe „geplant“ gewirkt. (uvo; Quellen: Philadelphia Inquirer; Daily Telegrph; Daily Voice)