Hat er seine Macht missbraucht?

Professor der Uni Göttingen hat Doktorandin mit einem Bambusstock geschlagen

30.03.2022, Niedersachsen, Göttingen: Der Angeklagte (l) steht neben seinem Verteidiger. Dem Angeklagten wird sexuelle Nötigung in 21 Fällen an drei Frauen vorgeworfen. Foto: Swen Pförtner/dpa
Prozess wegen sexueller Nötigung gegen einen Professor der Universität Göttingen. Dem Angeklagten wird sexuelle Nötigung in 21 Fällen an drei Frauen vorgeworfen.
spf cul, dpa, Swen Pförtner

Ein Professor der Universität Göttingen soll drei Frauen geschlagen und genötigt haben: Dafür wurde er vom Landgericht Göttingen zu elf Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Es handele sich „um ein Urteil, mit dem vermutlich niemand richtig zufrieden sein kann“, sagte der vorsitzende Richter. Vor allem eine Doktorandin musste wohl besonders schwer leiden: Der Hochschullehrer soll sie in mehreren Fällen mit einem Bambusstock auf den Po und die Brust geschlagen haben.

Schlag auf Po soll Strafe gewesen sein

Bambusstöcker
Ein Professor der Universität Göttingen soll eine Doktorandin mit einem Bambusstock auf den Po geschlagen haben. (Symbolbild)
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Über drei Jahre soll der Professor, der in leitender Funktion an der Uni gearbeitet hat, ab Juli 2014 wiederholt mindestens drei Frauen geschlagen haben. Die Frauen waren Promotionsstudentinnen und eine Institutstechnikerin der Uni Göttingen.

Die ehemalige Doktorandin, die mehrmals Opfer gewesen sein soll, habe er beispielsweise in sein Büro gerufen und sie dann mit einem Bambusstock geschlagen „um sie zu bestrafen“, so der Richter. Bei den Taten soll der Mann die Türen abgeschlossen und gedroht haben, die Zusammenarbeit mit der Frau zu beenden, wenn sie den Bestrafungen nicht zustimmt. Bei den Taten sei es um die Ausübung von Macht gegangen, sagte der Richter.

Professor: Doktorandin hatte den Schlägen zugestimmt

Vor Gericht hatte der Professor ausgesagt, die Taten seien einvernehmlich passiert und hätten unter anderem das Ziel gehabt, die Leistungen der Opfer zu verbessern. Das Gericht hielt die Behauptungen des Professors aber für komplett widerlegt. Als Bewährungsauflagen erließ das Gericht Zahlungen an die drei Frauen. Außerdem muss der Verurteilte 2000 Euro an das Göttinger Frauenhaus zahlen

Die Universität Göttingen leitete bereits in der Vergangenheit ein Disziplinarverfahren gegen den Professor ein. Medienberichten zufolge soll der 58-Jährige eingeräumt haben, dass es ihm an professioneller Distanz zu Mitarbeiterinnen der Universität gefehlt habe. Seit Dezember 2017 ist der Professor nicht mehr im Dienst. (dpa/mtu)