Totgeraste Theresa Stahl: Niklas H. bekommt ein Jahr und drei Monate auf Bewährung

"Ich kann nur nochmal sagen, dass es mir von Herzen Leid tut"

Sechs Tage nach dem Unfall starb Theresa an den schweren Verletzungen.
Sechs Tage nach dem Unfall starb Theresa an den schweren Verletzungen.
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29. Oktober 2021 - 10:24 Uhr

Neues Urteil im Fall Theresa Stahl

Im Fall der totgerasten Theresa Stahl ist erneut ein Urteil gegen den Hauptangeklagten gefallen: Im Berufungsprozess wurde Niklas H. zu einem Jahr und drei Monate auf Bewährung verurteilt – wegen fahrlässiger Tötung und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort. Außerdem wird dem Angeklagten die Fahrerlaubnis für mindestens drei weitere Monate entzogen.

Erst am Mittwoch, am letzten Prozesstag, findet Niklas H. persönliche Wort für Theresas Familie: "Ich weiß selber, das ist mit nix zu entschuldigen, was passiert ist. Es ist passiert, egal wie man es dreht und wendet. Theresa wird nicht mehr zurückkommen. Ich möchte einfach nur gesagt haben, dass es mir unendlich leid tut, dass ich mich einfach nur entschuldigen möchte."

"Man kann nicht alles auf den Alkohol schieben"

Die Staatsanwaltschaft forderte für Niklas H. zuerst ein Jahr und neun Monate Jugendstrafe. Der Anwalt vom Vater und der Schwester, Philipp Schulz-Merkel, forderte eine Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, ohne Bewährung. Er argumentierte: " Man kann nicht alles auf den Alkohol schieben" und erklärte, dass das Gericht im ersten Prozess "krass versagt" habe.

Im ersten Prozess war der Totraser zu 5.000 Euro Geldstrafe und einem Jahr Führerscheinentzug verurteilt worden – dieses Urteil ist mit dem Neuen aufgehoben. Die Mitangeklagten wurden zu unterschiedlich hohen Geldstrafen verurteilt, die weiterhin bestehen bleiben. Damals wurde Niklas H. wegen des hohen Alkoholpegels als schuldunfähig eingeschätzt. Der Zusammenstoß als Unfall. Theresas Freund hatte jedoch mehrfach ausgesagt, dass H. einen extra Schlenker gefahren sei. Auch eine Zeugin meldete sich nach dem ersten Prozess, dass einer der Beifahrer erzählt habe, dass er "Fahr sie um oder überfahr sie" gerufen hatte. Das soll auf einer Party erzählt worden sein.

Laut der Ermittlungen hat sich der Mordverdacht aber nicht bestätigt. Alle vier Insassen beteuern, dass "Fahr sie um" nie gesagt worden sei. Direkt nach dem Unfall soll Niklas H. "Oh, scheiße" gerufen haben. Trotzdem ist er einfach weitergefahren.

Niklas H. fuhr mit 2,89 Promille

Die Unglücksnacht im April 2017 veränderte die Leben der Familie Stahl. Theresas Vater erhoffte sich vom neuen Prozess endlich Klarheit darüber, was in dieser Nacht geschah.

Die 20-Jährige ließ in besagter Nacht ihr Auto stehen, weil sie etwas getrunken hatte. Ein Bekannter nahm sie mit, die letzten Meter zur Wohnung in Untereisenheim gingen sie zu Fuß. Zur gleichen Zeit machten sich die vier Angeklagten von einem Weinfest auf den Rückweg. Niklas H. soll hier schon unverantwortlich gefahren sein und mit dem Wagen "Donuts" gedriftet haben.

Dann raste er mit seinem VW Golf erst an Theresas Freund vorbei und erfasste dann die 20-Jährige. Der Freund will keine Bremslichter gesehen haben, der Unfallfahrer soll weitergerast sein. Die Fahrt endete im Graben – mit 2,89 Promille im Blut. Theresa kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Würzburger Uniklink und starb sechs Tage später an ihren Verletzungen. (fst)