Behörden warnen vor Benutzung der mysteriöser Samen-Post aus Fernost

Auch nach Deutschland wird unbestellt Saatgut geliefert - wer steckt dahinter?

26. August 2020 - 17:41 Uhr

Unbestellte Päckchen enthalten meistens diverses Saatgut

Wenn sich Post aus China ankündigt, ist das für viele Konsumenten aus Deutschland oft ein Grund zur Freude. Bedeutet es doch in der Regel, dass lang ersehnte Ware aus Fernost bald beim Besteller eintrifft. In Zeiten von Gearbest, Alibaba, Banggood und Co. also nichts Ungewöhnliches. Umso ungewöhnlicher sind die Sendungen, die seit einiger Zeit hauptsächlich in den USA, aber auch in Europa und in Deutschland aus Fernost bei ihren Adressaten ankommen. Ungewöhnlich zum einen, weil sie nie bestellt wurden - und zum anderen, weil sie meistens Saatgut enthalten. Nun schlagen auch die Verbraucherzentrale Alarm. Was hinter den mysteriösen Paketen stecken könnte, erklären wir im Video.

US-Regierung befürchtete Bioterror-Attacke

Die Redaktion der "Netzwelt" hat sicherlich schon einiges gesehen in der großen bunten Online-Welt - aber das hier war wirklich eine ganz seltsame Geschichte. "Details wie eine alte Handynummer im Anschriftenfeld, die Aufschrift 'rose Stud earrings' und der grüne Aufkleber der Deutschen Post in Niederaula 'Von zollamtlicher Behandlung befreit' weckten Neugier. So war das Erstaunen groß, denn im Innern des Umschlags befand sich lediglich ein kleines Tütchen mit nicht näher spezifizierten Samen", beschreiben die Kollegen das Phänomen.

Die "Netzwelt"-Redakteure sind nicht die einzigen Empfänger eines solch mysteriösen Samen-Pakets aus Fernost. Bereits in der vergangenen Woche gab es Berichte, dass US-Amerikaner Pakete mit geheimnisvollen Samen erhielten, die sie aus China oder Singapur per Post erreichten.

Die unbekannten Samen lösten bei den Empfängern und bei der US-Regierung Riesen-Beunruhigung aus. Die üble Befürchtung: Das Saatgut ist eine Art Bioterror-Angriff. Eine Abteilung des US-Landwirtschaftsministerium USDA warnte deswegen auch davor, das Saatgut zu pflanzen. Und bat die Empfänger gleichzeitig, ihnen die Samen zwecks Untersuchung zuzusenden.

Mann mit Schutzbrille und chirurgischer Maske packt Pappkarton aus China aus
Müssen Empfänger sich vor dem Saatgut fürchten? Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung rät dazu, die Päckchen im Müll zu entsorgen.
© iStockphoto, Kira-Yan

Oder doch nur harmloses Brushing?

Wahrscheinlicher ist aber das Szenario: Es handelt sich um sogenanntes "Brushing scam". "Brushing" ist eine Betrugsmasche, die gerne im E-Commerce eingesetzt wird. Ein Verkäufer möchte seine Bewertungen verbessern, indem er gefälschte Bestellungen aufgibt. Entweder er zahlt jemandem einen kleinen Betrag für eine gefälschte Bestellung oder verwendet einfach die Adress- und Email-Informationen einer anderen Person. Versendet werden dann leere Packungen oder sehr preiswerte Ware. Ist ein Kauf von einer E-Commerce-Plattform bestätigt, kann der Verkäufer dadurch sein Ranking im System aufwerten.

US-Ministerium identifiziert 14 verschiedene Samensorten

Mittlerweile dürfte aber klar sein: Um Bio-Terror handelt es sich nicht. Bei dem Saatgut handelt es sich wohl tatsächlich um harmlose Samen. Das US-Landwirtschaftsministerium teilte nun mit, dass es 14 Samen-Arten identifiziert hat. Bei den versendeten Samen handelt es sich um Sorten diverse Kräutern und anderen Pflanzen. "Wir haben 14 verschiedene Arten von Samen identifiziert, darunter Senf, Kohl, Morning Glory und einige der Kräuter wie Minze, Salbei, Rosmarin, Lavendel, dann andere Samen wie Hibiskus und Rosen", sagte Osama El-Lissy, ein USDA-Administrator.

BLE rät dazu, die Pakete im Hausmüll zu entsorgen

Trotzdem rät die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung laut "Netzwelt" den Empfängern solcher Pakete: "Sie können sich an den für Ihren Wohnsitz zuständigen Pflanzenschutzdienst wenden oder das Paket über den Hausmüll (nicht Biomüll) entsorgen." Denn durch Pflanzen oder Pflanzenerzeugnisse könnten Schädlinge und Krankheiten nach Europa und Deutschland eingeschleppt werden. "Daher gibt es EU-weite Einfuhrbeschränkungen und -verbote für Unternehmen oder Reisende", so die Behörde. Und weiter heißt es: "Neben den pflanzengesundheitlichen Regelungen gibt es auch Einschränkungen aufgrund artenschutzrechtlicher Bestimmungen."

Sollten Sie also in den kommenden Tagen ein Samen-Päckchen aus Fernost bekommen: Besser ab in den Hausmüll damit!