Übergewicht größter Risikofaktor für schwere Verläufe?

Immer mehr Jüngere auf Corona-Intensivstationen

Laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach liegen auf den Corona-Intensivstationen immer mehr Jüngere.
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18. Januar 2021 - 11:00 Uhr

Übergewicht als starker Risikofaktor für schwerste Verläufe

Auf deutschen Intensivstationen scheint sich im Vergleich zur ersten Welle so langsam ein neues Bild abzuzeichnen: Denn dort müssen immer mehr jüngere Menschen versorgt werden. Das Durchschnittsalter in den großen Intensivstationen, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bei "maybrit illner", liege aktuell bei 60 Jahren – darunter seien viele Jüngere. In diesem Zusammenhang kristallisiere sich vor allem Übergewicht als immer stärkerer Risikofaktor für schwerste Verläufe heraus.

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Viel mehr Babyboomer mit Risikofaktoren auf Intensivstationen

Das Alter auf den Intensivstationen sei gesunken, weil viele Ältere mittlerweile in den Pflegeheimen stürben, sagte Lauterbach. "Wenn wir wie in der ersten Welle die Menschen aus den Pflegeeinrichtungen noch alle auf die Intensivstationen bringen würden, dann wären die Intensivstation schon längst überlaufen", sagte er. Selbst bei bester Intensivversorgung auf den modernen Intensivstationen seien die erkrankten Pflegeheimbewohner dort gestorben. Sie dort aufzunehmen, werde heute gar nicht mehr versucht.

Vielmehr kämpfe man nun um die große Gruppe der Babyboomer mit Risikofaktoren. "Und das halten wir nicht mehr lange durch." Das seien sehr schwere Fälle. "Übergewicht zeigt sich immer stärker als Risikofaktor für schwerste Verläufe, die oft über Wochen hinweg beatmet werden müssen!"

Dass ein zu hohes Gewicht im Zusammenhang mit dem Coronaverlauf steht, bestätigt auch Dr. Lafi Abu-Sirhan, Chefarzt der Pneumologie des Klinikzentrums Bad Sulza, im RTL-Interview: "Wir wissen jetzt viel mehr über Corona als am Anfang - und Übergewicht ist auch ein Risikofaktor." Auch er betreue viele Corona-Patienten, die übergewichtig sind.

Doppelt so hohes Risiko für schweren Verlauf bei BMI über 30?

Ein größeres Risiko tragen bereits Infizierte ab einem Bodymassindex von 30, also einem moderaten Übergewicht. Aber was genau bedeutet ein höheres Risiko in der Realität? In Bezug auf Übergewicht, kann Prof. Vehreschild vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) es genauer eingrenzen: "Was man sagen kann, ist, dass Patienten mit einem BMI über 30 ein doppelt so hohes Risiko für einen komplizierten Verlauf haben, wie Patienten, die schlank sind," so der Experte im Gespräch mit RTL/ntv. Sollte das allerdings der einzige Risikofaktor sein, so bleibt das Gesamtrisiko eines schweren Verlaufs von Covid-19 trotzdem relativ gering. "Wir haben keine Risikogruppen, die ein 100-prozentiges Risiko eines schweren Verlaufes haben", betont der Infektiologe. Welche weiteren Risikofaktoren bei einer Corona-Erkrankung eine große Rolle spielen, das erläutert der Experte hier.

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