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Neues Service-Entgelt in Reisebüros spaltet die Branche

TUI - Reisebüro
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© dpa, Soeren Stache, soe nic jol

14. Mai 2021 - 15:18 Uhr

Reisebüro-Verband VUSR hält nichts von Zusatzgebühren

Wie viel ist Urlaubern die Beratung wert? Einige Touristikkonzerne preschen vor und führen in ihren Reisebüros Beratungsentgelte ein. Branchenführer Tui startet damit Mitte Mai, DER Touristik hat bereits Servicegebühren eingeführt. Doch der Reisebüro-Verband sieht die Zusatzkosten für die Kunden kritisch.

DER Touristik: "Servicepauschale wird sehr gut angenommen"

Die Vorsitzende des Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR), Marija Linnhoff, hält das für das "falsche Signal" gerade in der Krise. "Wir haben Verständnis, dass Reiseveranstalter Kosten senken müssen, aber nicht auf unsere Kosten und auf Kosten der Verbraucher." Nach ihren Angaben haben sich 95 Prozent der mehr als 7000 VUSR-Mitglieder dagegen ausgesprochen. Reisebüros verlangten zwar schon heute ein Service-Entgelt, zum Beispiel wenn Kunden bei einer Flugbuchung Hilfe beim Online-Einchecken brauchen. "Das hat aber nichts mit der Buchung als solcher zu tun, sondern ist ein Zusatzservice", sagte Linnhoff.

Nach Einschätzung des Tourismusexperten Torsten Kirstges haben Tui oder DER Touristik dagegen nicht unbedingt einen schlechten Zeitpunkt gewählt: "In der Corona-Krise ist die Wertschätzung für Beratungsleistungen gestiegen. Die Menschen sind verunsichert und wollen beispielsweise wissen, wie sie mit coronabedingten Umbuchungen und Stornierungen umgehen sollen".

Ähnlich sehen das manche Veranstalter. Der Bedarf an Beratung habe enorm zugenommen, argumentierte der Vertriebschef Zentraleuropa von DER Touristik, Andreas Heimann. "Daher war der Zeitpunkt für die Einführung der Pauschale richtig." Der Branchenzweite hat bereits erste Erfahrungen damit gemacht. "Die Servicepauschale ist sehr gut angenommen worden. Die Kunden tragen das mit", berichtete Heimann. Die Hälfte der Franchise-Partnerbüros habe ebenfalls eine Servicepauschale eingeführt.

Alltours und Schauinsland planen kein Beratungsentgelt

Branchenprimus Tui hatte angekündigt, in seinen Reisebüros ab Mitte Mai ein sogenanntes Service-Entgelt von Kunden zu verlangen etwa für die Zusammenstellung von detaillierten Angeboten, Leistungsvergleichen oder näheren Informationen zu Urlaubszielen. Dem Unternehmen zufolge entstehen die Kosten erst bei erfolgter Buchung. Eine gewisse Grundinformation soll gebührenfrei bleiben. "In anderen Dienstleistungsbranchen ist es mittlerweile etabliert, dass guter Service honoriert wird", argumentierte Tui.

Die FTI GROUP empfiehlt ihren Franchise-Büros, Service-Entgelte zu erheben, "da wir der Überzeugung sind, dass Extra-Leistungen über den eigentlichen Leistungsauftrag hinaus in angemessenem Maße vergütet werden sollten", wie Geschäftsführer Ralph Schiller sagte. Das Unternehmen habe eine Liste mit Preisempfehlungen für verschiedene Service-Aktionen und -Pakete erstellt, die bei null Euro starteten und je nach Leistungsumfang in kleinen Schritten stiegen.

Alltours plant dagegen keine Einführung eines Beratungsentgelts in seinen Reisecentern. "Wir können verstehen, dass das andere Reisebüros machen", erklärte das Unternehmen. "Unser Geschäftsmodell ist immer kundenorientiert und hat sich krisenbedingt nicht geändert." Zusatzleistungen, die über die Beratung hinausgingen, zum Beispiel die Beschaffung von Visa, würden wie üblich in der Branche von den Kunden bezahlt. Auch der Veranstalter Schauinsland-Reisen hat derzeit nach eigenen Angaben keine Pläne zur Einführung einer flächendeckenden Bearbeitungsgebühr.

Ob sich Beratungsentgelte flächendeckend durchsetzen, ist laut dem Tourisik-Experten Kirstges derzeit nicht absehbar: "Wenn nur einige wenige Reisebüros ein Entgelt einführen, besteht die Gefahr, dass Kunden zur Konkurrenz gehen." Dass Urlauber, die Beratung wollen, in Scharen zu Online-Plattformen abwandern, hält er für unwahrscheinlich. "Der Vorteil der Reisebüros ist ihre Beratung, vor allem wenn es kompliziert wird." (dpa/aze)

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