Ex-Flugbegleiterin lüftet das GeheimnisWarum sitzen Flugbegleiter bei Start und Landung auf ihren Händen?

Auf manche Menschen wirkt dieses Verhalten distanziert, gar unhöflich.
Viele Passagiere haben sich diese Frage schon gestellt: Warum sitzen Flugbegleiter bei Start und Landung scheinbar auf ihren Händen und wirken plötzlich so konzentriert? Als ehemalige Flugbegleiterin kenne ich den Grund – und der hat nichts mit Bequemlichkeit zu tun, sondern kann im Ernstfall Leben retten.
Flugbegleiter sitzen starr und mit den Händen unter den Beinen – das ist der Grund
Wer häufiger fliegt, hat es bestimmt schon einmal beobachtet. Kurz bevor das Flugzeug startet oder zur Landung ansetzt, nehmen die Flugbegleiter ihre Plätze ein. Die Hände verschwinden unter den Oberschenkeln oder greifen die Vorderkante des Sitzes. Der Blick ist geradeaus gerichtet, Gespräche gibt es keine mehr.
Von außen wirkt diese Haltung vielleicht ungewöhnlich, gar distanziert. Aber tatsächlich gehört sie zu den wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen an Bord.
Die Position schützt im Ernstfall den Körper – und euch!
Aus meiner Zeit als Flugbegleiterin weiß ich, dass diese Sitzhaltung kein Zufall ist. Sie ist Teil eines genau festgelegten Sicherheitskonzepts.
Nicht nur die Hände befinden sich unter den Beinen oder umfassen die Sitzkante. Auch der Rücken bleibt aufrecht und angespannt. Je nachdem, ob der Sitz in oder entgegen der Flugrichtung eingebaut ist, liegt der Kopf an der Rückenlehne an oder das Kinn wird leicht Richtung Brust geneigt.
Der gesamte Körper befindet sich bewusst unter Spannung. Sollte es während des Starts oder der Landung zu einer abrupten Bremsung, einer harten Landung oder einem anderen Zwischenfall kommen, hilft diese Haltung dabei, die Belastung auf den Körper zu reduzieren und Verletzungen vorzubeugen.
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Mit der Sitzposition beginnt das Sicherheitsprogramm im Kopf
Mindestens genauso wichtig wie die Körperhaltung ist das, was gleichzeitig im Kopf passiert. Denn sobald Flugbegleiter diese sogenannte Brace Position einnehmen, beginnt automatisch die mentale Vorbereitung auf die beiden kritischsten Flugphasen überhaupt: Start und Landung.
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In Gedanken gehen sie ihre Sicherheitskommandos durch, erinnern sich an die Besonderheiten ihres Sitzplatzes und spielen mögliche Notfallszenarien durch: Wer öffnet im Ernstfall welche Tür? Welche Kommandos müssen den Passagieren zugerufen werden? Welche Gefahren könnten an genau diesem Flugzeugausgang auftreten?
Diese gedankliche Routine gehört fest zur Ausbildung – wird in regelmäßigen Abstängen sogar aufgefrischt – und sorgt dafür, dass im Ernstfall jeder Handgriff innerhalb von Sekunden sitzt.
Warum Flugbegleiter bei Start und Landung nicht plaudern
Viele Flugbegleitersitze befinden sich direkt bei den Passagieren. Gerade Kinder oder neugierige Reisende nutzen das gerne aus, um während Start und Landung Fragen zu stellen oder ein kurzes Gespräch mit den Profis zu führen.
Wenn Flugbegleiter dann nicht antworten oder nur knapp reagieren, wirkt das manchmal unfreundlich. Aber tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall.
Denn wie wir jetzt wissen, sind sie während dieser Phase hochkonzentriert und dürfen sich möglichst nicht ablenken lassen. Jede Unterbrechung könnte die mentale Vorbereitung stören. Deshalb steht die Sicherheit in diesen Minuten immer an erster Stelle – und das bedeutet auch, dass Gespräche auf später verschoben werden müssen.
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Übrigens: Die angespannte Sitzhaltung wird nach dem Start in aller Regel noch weit vor dem Erlischen der Anschnallzeichen aufgelöst, sobald die kritischsten Minuten überwunden sind. Vor der Landung wird sie auch erst dann eingenommen, wenn diese Minuten beginnen. Flugbegleiter erkennen Start und Ende dieser Phase etwa daran, dass das Fahrwerk ein- bzw. ausgefahren wird.
Andere Airline, andere Regeln
Wer genau hinschaut, wird feststellen, dass die Sitzhaltung nicht überall identisch aussieht. Das liegt daran, dass Airlines unterschiedliche Sicherheitsverfahren anwenden können. Auch das jeweilige Flugzeugmuster spielt eine Rolle. Je nach Sitzrichtung oder Bauart des Crew-Sitzes unterscheiden sich einzelne Details der Position.
Das Grundprinzip bleibt jedoch überall gleich: Der Körper wird optimal auf mögliche Belastungen vorbereitet und die Crew versetzt sich gedanklich in den Notfallmodus.
Wer das nächste Mal beim Start oder bei der Landung einen Flugbegleiter starr auf seinem Klappsitz sitzen sieht, weiß also, was wirklich dahintersteckt. Es ist kein seltsames Ritual und erst recht keine Pause – sondern ein wichtiger Bestandteil der Sicherheitsarbeit an Bord.
Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche


