2019 M02 9 - 17:09 Uhr

Türkisch, Polnisch und Russisch in der Grundschule?

Lernen unsere Kinder bald statt Englisch Türkisch, Polnisch und Russisch in der Grundschule? Das forderte nun zumindest der NRW-Integrationsratsvorsitzende Tayfun Keltek (SPD). Seine Forderung war eine Reaktion auf den Plan der Landesregierung, den Englischunterricht in den beiden ersten Grundschuljahren abzuschaffen. Doch was ist für unsere Kinder am sinnvollsten?

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer verteidigt Englischunterricht

Seit etwa zehn Jahren pauken Grundschüler bereits ab der ersten Klasse englische Vokabeln - und zwar, während viele von ihnen gerade erst einmal Lesen und Schreiben lernen. Während einige Politiker die Fremdsprache zumindest in den ersten beiden Schuljahren vom Unterrichtsplan streichen wollen, setzt sich der Integrationsratsvorsitzende für eine Konzentration auf die Sprachen ein, die für viele Schüler mit Migrationshintergrund die Muttersprachen sind. "Welchen Sinn ergibt es, siebenjährigen Kindern Englisch beibringen zu wollen, wenn sie diese Sprache nur aus dem Fernsehen kennen?", fragt Keltek in einer Mitteilung.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hält jedoch nichts von der Forderung des NRW-Integrationsrats und betont: "Es bleibt dabei, dass an Grundschulen und allen weiterführenden Schulen verpflichtend Englisch unterrichtet wird."

Was meinen Sie?

Laut Gebauer sei es zwar wichtig, auch andere Fremdsprachen anzubieten, was auch bereits in vielen Schulen breit verfügbar ist, doch der Schulministerin zufolge "ist und bleibt [Englisch] die zentrale Fremdsprache, die eine weltweite Kommunikation ermöglicht."

Erst einmal müssen die Kinder richtig Deutsch lernen

Wenn es darum geht, wann Kinder anfangen sollten, Fremdsprachen zu erlernen, heißt es oft: Je früher desto besser. Es stimmt, dass die ganz Kleinen sich besonders leicht damit tun, spielerisch Sprachen zu lernen (Stichwort bilinguale Erziehung). Doch viele Experten beklagen, dass das Vokabellernen in der Grundschule auf Kosten von Grundfähigkeiten wie dem Lesen- und Schreibenlernen gehen. 

Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) sagt gegenüber "Bild": "Natürlich ist die Muttersprache wichtig, auch integrationspolitisch. Wir stellen aber auch fest, dass es zunehmend Kinder gibt, die in der Grundschule aufgrund schlechter Deutschkenntnisse nicht mitkommen. Damit sind sie von Anfang an benachteiligt."