Deutschland auf Pkw-Rekordhoch

Trotz Klimawandel - Deutsche fahren immer mehr Autos

Immer mehr Autos sind auf deutschen Straßen unterwegs.
Immer mehr Autos sind auf deutschen Straßen unterwegs.
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15. September 2021 - 15:12 Uhr

Zur Arbeit? Natürlich mit dem Auto!

Wie komme ich heute zur Arbeit? Für die meisten Berufspendlerinnen und Pendler hatte diese Frage im letzten Jahr eine klare Antwort: Mit dem Auto. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Das Auto scheint aller Umweltdebatten zum Trotz voll im Trend zu liegen.

Zwei Drittel aller Pendler kommen mit dem Auto

Von Berufspendler/-innen genutzte Verkehrsmittel 2020, Anteil in Prozent
Von Berufspendler/-innen genutzte Verkehrsmittel 2020. Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021
© Destatis

Auto dominiert den Verkehr

2020 war das Jahr, in dem wir alle von der Corona-Pandemie überrollt wurden. 'Bleibt lieber zu Hause, vermeidet Kontakte und seht keine Leute' lautete die Devise. Wer in dieser Zeit noch zur Arbeit musste, hat das wohl lieber mit dem Auto getan. 'Im Auto kann man sich ja nicht anstecken – da trifft man niemanden'. Diese Logik wird von neusten Zahlen des Destatis bestätigt: Das Auto war 2020 für rund zwei Drittel aller Pendler das Fortbewegungsmittel erster Wahl. Rund 13 Prozent kommen demnach mit Bus und Bahn zur Arbeit. Jeder Zehnte schwingt sich auf dem Weg zur Arbeit auf sein Fahrrad. Sieben Prozent spazieren zum Arbeitsplatz.

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Auto wird immer beliebter

Die ungebrochene Dominanz des Autos als Beförderungsmittel spiegelt sich auch in den aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes wider. Zum Stichtag 1. Januar 2021 waren 48,2 Millionen Pkw in Deutschland zugelassen – das waren 14 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Damit erreicht Deutschland einen neuen Pkw-Höchststand.
In den privaten Haushalten ging der Trend in den vergangenen zehn Jahren offenbar zum Zweit- oder Drittwagen – und das während in den letzten zehn Jahren der Anteil der Anteil der Autobesitzer gleichgeblieben war.

Spritpreise und Pendlerpauschale

Besonders überraschend: Die Spritpreise scheinen keinen großen Einfluss auf die Anzahl der Pkw zu haben. Denn Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen: Obwohl der durchschnittliche Superbenzinpreis in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf bis zu 1,53 Euro pro Liter stieg, sank die Anzahl der Pkw nicht – im Gegenteil. Auch die CO2-Besteuerung, die inzwischen einen nicht unerheblichen Teil des Anstiegs ausmacht, konnte das nicht ändern.

Und auch die Pendlerpauschale trägt wohl ihren Teil zur Auto-Liebe der Deutschen bei. Denn die gewollte Mobilitätswende und die CO2-Besteuerung hatten kürzlich allerdings eine politische Debatte über die soziale Komponente der Mobilität entfacht. Autofahrer, die auf ihren PKW angewiesen sind, weil sie beispielsweise auf dem Land wohnen, sollten durch die Pendlerpauschale entlastet werden. Gesagt, getan: Lag die Pendlerpauschale bis 2020 noch bei 30 Cent pro Kilometer, stieg sie 2021 auf 35 Cent. Diesen Beträge können Betroffene von ihrer Steuer absetzen.

 Qualmender Autoauspuff *** Smoke Car Exhaust
PKW machen den Großteil der CO2-Emissionen des Straßenverkehrs aus.
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Den Klimabestrebungen zum Trotz

Die weitverbreitete Nutzung von Pkw hat allerdings eine klimapolitische Kehrseite. Der Ausstoß von Treibhausgasen treibt weltweit den Klimawandel voran. Deswegen hat es sich Deutschland zum Ziel gemacht, bis 2045 treibhausgasneutral zu agieren. Diese politische Bemühung spiegelt sich in der privaten Fortbewegung jedoch bislang nicht wider. 2019 waren rund 91 Prozent der neu zugelassenen Autos mit einem klassischen Verbrennungsmotor ausgestattet. Die Zahlen aus 2020 zeigen zudem: Auch für kürzere Wege greifen offenbar viele auf das Auto zurück. Knapp die Hälfte aller Erwerbstätigen, die größtenteils mit dem Auto fahren, muss weniger als 10 Kilometer zur Arbeit zurücklegen.

Dabei machen private PKW laut Eurostat den Löwenanteil des CO2-Ausstoßes im Straßenverkehr aus. Laut Eurostat wurden 2019 von den 784 Millionen Tonnen Kohlendioxidemissionen 62 Prozent durch Pkw und Motorräder ausgemacht. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich dieser Anteil nicht geschmälert hat, da sich die Anzahl der Autos seit 2019 nochmal vergrößert hat. (skn)

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