„Am Anfang wollte mich niemand behandeln"

Bei One-Night-Stand: Trans-Mann wird ungeplant schwanger

Ash Patrick Schade, 28, mit seiner Tochter Ronan.
Ash Patrick Schade, 28, mit seiner Tochter Ronan.
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11. Januar 2022 - 9:55 Uhr

Ash Patrick Schade nahm bereits seit 2 Jahren männliche Hormone

Seit mehr als zwei Jahren nimmt der US-Amerikaner Ash Patrick Schade aus Huntington bereits Testosteron und Östrogenblocker ein, als er im Februar 2020 nach einem One-Night-Stand plötzlich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält. Für den Trans-Mann ein Schock – denn dass er trotz seiner Transition noch schwanger werden konnte, hatte er nicht geahnt.

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Schock für Ash: Schwanger trotz Hormonbehandlung!

"2019 und 2020 machte ich eine schwere Zeit durch und hatte aufgrund einer Scheidung mit meiner psychischen Gesundheit zu kämpfen", erinnert sich der 28-jährige Ash im Interview mit dem "Daily Star". Nach der Trennung beginnt Ash, wieder zu daten – und wird einige Zeit später bei einem One-Night-Stand ungeplant schwanger. "Als ich schwanger wurde, verwendete ich Testosteron-Gel und nahm Östrogen-Blocker ein. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass ich während dieser Behandlung schwanger werden könnte, da das eine absolute Seltenheit ist", erzählt der Student weiter.

Für Ash ist die Schwangerschaft zunächst ein Schock! Er befürchtet, dass sich seine psychische Verfassung dadurch weiter verschlechtern könnte. "Ich machte mir Sorgen, wie gut ich als Elternteil sein würde und wie andere auf mich blicken würden", gibt er gegenüber dem "Daily Star" zu.

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Ärzte sind überfordert mit schwangerem Trans-Mann

Erschwerend kommt hinzu, dass Ash zunächst keine sachkundigen Ärzte findet, die sich mit Schwangerschaften bei Trans-Männern auskennen. "Am Anfang wollte mich niemand behandeln", erinnert er sich zurück. "Ich war ein Hochrisikofall und die Wahrscheinlichkeit, dass etwas bei der Schwangerschaft schiefgehen könnte, war groß."

Ash hat schließlich doch noch Glück: Er findet einen Arzt, von dem er sich verstanden und gut beraten fühlt. Doch bei der Geburt muss er sich erneut mit Vorurteilen auseinandersetzen: "Als ich in die Wehen kam, war das medizinische Personal im Krankenhaus bereits über meine Situation informiert und war super - bis es dann später gegen andere Mitarbeiter ausgetauscht wurde", erzählt der Trans-Mann. "Meine behaarten Beine auf dem Geburtsstuhl zu sehen, scheint einen von ihnen überrascht zu haben. Er sagte zu mir 'Vielleicht solltest du deine Geschlechtsidentität doch nochmal überdenken'."

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Vernarrt in Töchterchen Ronan: "Ich liebe sie mehr als mich selbst!"

Trotz aller medizinischer Schwierigkeiten und der Stigmatisierung, die er als schwangerer Trans-Mann erfahren muss: Ash lernt, sich in der Rolle als Papa, der sein Kind selbst zur Welt gebracht hat, wohlzufühlen – auch dank der vielen Menschen in seinem Leben, die ihn unterstützen.

Darunter sein neuer Ehemann. "Während der ganzen Zeit hat mir mein Mann Jordan mit seiner Liebe immer zur Seite gestanden", so Ash. "Daneben erfuhr ich auch aus der Online-Gemeinde der Schwulen und Transsexuellen viel Unterstützung." Nicht zuletzt schöpft der Papa nun viel Kraft und Zuversicht aus seinem Leben mit Töchterchen Ronan, die mittlerweile ein Jahr alt ist. "Ronan ist mein Ein und Alles. Ich liebe sie mehr als mich selbst", schwärmt Ash. (dhe)