23. Juni 2019 - 17:10 Uhr

Was können Tracker-App, Uhr & Schlüsselanhänger?

Es ist wohl der Albtraum aller Eltern: Das Kind ist draußen spielen und kommt zur vereinbarten Zeit nicht wieder nach Hause. Wo ist es hin? Hat es nur die Zeit vergessen oder ist etwas Schlimmeres passiert? Für genau diesen Fall gibt es Tracker-Apps und -Tools, mit denen besorgte Eltern ihre Kleinen orten können. Wir haben die verschiedenen Möglichkeiten getestet. Wie Uhr, Smartphone-App und Schlüsselanhänger sich im Praxistest geschlagen haben, zeigen wir im Video!

Hätte eine Tracker-App Kims* Entführung verhindern können?

Gerade nach dem, was der kleinen Kim (*Name geändert, Anmerkung der Redaktion) aus Potsdam passiert ist, wünschen sich viele Eltern mehr Kontrolle darüber, wo ihre Kinder sind. Das sechsjährige Mädchen war aus einem Möbelhaus verschwunden und 22 Stunden lang nicht mehr auffindbar. Gegen ihren vermeintlichen Entführer Wilfried D. sei "Haftbefehl wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs und Freiheitsberaubung erlassen worden", so Markus Nolte, Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam.

1. Kinder-Tracker als App fürs Smartphone

Wenn das Kind schon groß genug für ein eigenes Smartphone ist, sind Tracker-Apps wie "Find My Kids" oder "Kaspersky SafeKids" wohl die einfachste Lösung. Von den Anwendungen gibt es kostenpflichtige sowie kostenfreie Modelle für iOs- und Android-Handys. Sie werden sowohl auf dem Telefon des Elternteils als auch auf dem des Kindes installiert.

Per GPS wird besorgten Mamis und Papis nun angezeigt, wo der Sprößling sich befindet. Manche Apps ermöglichen es auch, einen vorher festgelegten Bereich zu speichern, in dem das Kind sich bewegen darf – zum Beispiel den Schulweg. Verlässt das Kind den Bereich, bekommen die Eltern eine Benachrichtigung. Bei den meisten dieser Apps kann das Kind auch ganz einfach einen Notruf an Mama oder Papa absetzen. Viele ermöglichen es auch, die Smartphone-Nutzung der Kleinen zu regulieren.

2. Kinder-Tracker als Uhr

Smartphones? Sowas von gestern! Tracker für Kinder gibt es auch als Uhr. Wie bei "normalen" Smartwatches funktionieren auch diese mit einer SIM-Karte, sodass übers Handynetz getrackt werden kann, wo das Kind sich befindet. Eltern können sogar einige Nummern einspeichern, die ihr Kind im Notfall per Uhr anrufen kann (einen Smartwatch-Vergleich mit zehn aktuellen Modellen finden Sie hier).

Vorteil einer solchen Tracker-Uhr ist, dass sie am Handgelenk getragen nicht so schnell verloren geht. Viele der Smartwatches benachrichtigen die Eltern sogar, wenn die Uhr abgenommen wird. Sie sind einfach zu bedienen und gerade für jüngere Kinder, die noch kein eigenes Smartphone haben, eine gute Alternative.

3. GPS-Tracker als Schlüsselanhänger

App "Schulranzen" auf Handy
Auch die App "Schulranzen" funktioniert über einen kleinen Schlüsselanhänger und eine dazugehörige Smartphone-App.
© picture alliance, Lino Mirgeler

Nicht ganz so interaktiv, aber dafür besonders handlich sind Schlüsselanhänger, die ebenfalls als GPS-Tracker funktionieren. Auch hier wird in der Regel eine SIM-Karte eingesetzt, damit eine Ortung möglich ist. Das kleine Tool kann dann am Rucksack oder Schulranzen befestigt werden und sendet ein Signal mit dem Standort des Kindes ans Smartphone der Eltern.

Welche dieser drei Methoden im Test am besten funktioniert hat, sehen Sie im Video.

Wie viel Kontrolle ist okay?

In diesem Fall müsste man das Sprichwort eigentlich umdrehen: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Für die Entwicklung eines Kindes ist es wichtig, dass es sich selbstständig durch seine Welt bewegen kann, den Schulweg auch mal alleine zurücklegt und unbeschwert mit seinen Freunden draußen spielen kann. Die Kinder-Tracker sollten also nicht genutzt werden, um dem Nachwuchs per Smartphone auf Schritt und Tritt zu folgen. Dennoch lauern da draußen leider viele Gefahren, sodass sich sowohl Eltern als auch Kind häufig sicherer fühlen, wenn eine leichte Möglichkeit gegeben ist, gefunden zu werden.

Einige der Tracking-Apps ermöglichen es Eltern sogar, das Kind abzuhören. Von dieser Methode sollte man jedoch Abstand nehmen. Außerdem sollten Kinder-Tracker in Absprache mit dem Kind eingesetzt werden und nicht heimlich – denn sonst leidet das Vertrauen!