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"Team Wallraff": Von den eigenen Pflegern gedemütigt, weil er ins Bett uriniert - "Oh, du stinkst, ey"

Aggressiver Umgang im Alloheim "Ederbergland" in Frankenberg

"Oh, du stinkst, ey": Bewohner wird von Pflegern gedemütigt, weil er seinen Urin nicht mehr halten kann

Ins Bett uriniert - Bewohner wird von Pflegern beschimpft "Team-Wallraff"-Reporter Maxi undercover
04:49 min
"Team-Wallraff"-Reporter Maxi undercover
Ins Bett uriniert - Bewohner wird von Pflegern beschimpft

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Wenn wir nicht mehr in der Lage sind, die „normalsten“ Dinge der Welt selbst auszuführen oder zu kontrollieren, brauchen wir Menschen, die sich um uns kümmern, uns helfen und in Würde altern und sterben lassen. „Team Wallraff“-Reporter Maxi recherchiert nach dem Hilferuf eines Pflegers sechs Tage lang undercover in einem Pflegeheim im hessischen Frankenberg und muss unter anderem mitansehen, wie ein über 80-jähriger Bewohner von Pflegern beschimpft und gedemütigt wird – nur weil er in sein Bett uriniert.

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Hilferuf aus "Alloheim": Aggressiver Umgang und Pflegefehler?

Bereits am ersten Tag des Undercover-Einsatzes von „Team Wallraff“-Reporter Maxi zeigt sich, dass Fürsorge, Mitgefühl und Empathie auch in der „Alloheim“-Seniorenresidenz „Ederbergland“ nicht selbstverständlich zu sein scheinen. Schon in dem an „Team Wallraff“ gerichteten Hilferuf eines Pflegers wird von einem teils aggressiven Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie groben Pflegefehlern berichtet. Ein Erlebnis mit einem über 80-jährigen Bewohner bestätigt dies auf schockierende Weise.

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"Gut gemacht, wunderbar. Ins ganze Bett gepisst, wunderbar gemacht"

Undercover-Reporter Maxi und ein Pfleger werden gebeten, einer Kollegin beim Waschen eines Bewohners zu helfen. Als sie das Zimmer betreten, sitzt der über 80 Jahre alte Josef* auf seinem Bett, hält beschämt seine Hose in der Hand. Sein Bett ist durchnässt von Urin. Doch anstatt den alten Mann zu beruhigen, beginnt der Pfleger, ihn zu demütigen: „Gut gemacht. Wunderbar! Ins ganze Bett gepisst, wunderbar gemacht. (...) Sehr schön gemacht. Hast du dir wirklich Mühe gegeben.“

Reporter Maxi versucht, Josef zu verteidigen: „Kann doch mal passieren.“ Viel Verständnis hat der Pfleger dafür offenbar nicht: „Das passiert jeden Tag, nicht nur einmal. Jeden Tag“, sagt er.

Doch auch wenn sich der Pfleger so aufregt, für Bewohner Josef ist die Situation wohl am allerschlimmsten. Er wirkt beschämt auf Undercover-Reporter Maxi. Der über 80 Jahre alte Heim-Bewohner hat beide Beine verloren und teilt sich das Zimmer im Pflegeheim mit seiner Frau. Die beiden haben sich erst spät im Leben kennengelernt, geheiratet und versuchen nun, so gut es geht, füreinander da zu sein, wie Maxi etwas später in seinem Pflegepraktikum selbst miterlebt.

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Josef wartet auf einen Katheter

Im Laufe von Maxis Undercover-Einsatz uriniert Josef noch häufiger in sein Bett. Das Problem: Der alte Mann braucht dringend einen Katheter. Diesen darf aber nur ein Arzt legen. Wie Maxi erfährt, wartet Josef darauf nun schon eine Woche.

„Alloheim“ erklärt hierzu: „Für den Umgang mit inkontinenten Bewohnern gibt es bei Alloheim klare Vorgaben: Menschen, bei denen sich (…) ein unwillkürlicher Harnverlust zeigt, erhalten entsprechende Hilfsmittel, um einem unkontrollierten Urinieren im Bett entgegenzuwirken. Die Hilfsmittel wie z. B. eine Inkontinenzvorlage, werden mindestens 1x pro Schicht und zusätzlich nach den individuellen Bedürfnissen eines jeden von uns zu betreuenden Bewohners gewechselt.“

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Josef liegt bis zum Kopfkissen in Urin

Auch als Maxi Josef das nächste Mal besucht, konnte der Bewohner seinen Urin nicht mehr halten. Schon beim Betreten des Zimmer schlägt Maxi der beißende Geruch entgegen. Josef selbst liegt halbnackt in seinem bis zum Kopfkissen mit Urin durchtränkten Bett. Und das vermutlich schon länger. Als Maxi eine Kollegin fragt, ob sie die Bettwäsche wechseln sollen, erklärt diese: „Kannst du versuchen, sieht aber in zwei Stunden wieder so aus. Wir wechseln das am besten heute Abend vor der Nacht. Dann hat er noch am Anfang eine saubere Nacht.“ Da ist es gerade einmal 15:20 Uhr.

Soll Josef nun wirklich noch mehrere Stunden in seinem nassen und schmutzigen Bett liegen müssen? Erst als seine Frau unserem Reporter Bescheid sagt, dass die Unterlage ihres Mannes komplett nass ist, kann Maxi seine Kollegen überzeugen, das Bett sauber zu machen. Die Art und Weise ist erneut erschreckend.

"Oh, du stinkst!" Bewohner liegt bis zum Kopfkissen in Urin "Team Wallraff"-Reporter Maxi in Frankenberg
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"Team Wallraff"-Reporter Maxi in Frankenberg
"Oh, du stinkst!" Bewohner liegt bis zum Kopfkissen in Urin

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"Oh, du stinkst! Wie kann man so leben?"

Wieder scheint Josef selbst für seine Blasenschwäche verantwortlich gemacht zu werden. „Boah ey, Stall auf, das stinkt hier! Die Heizung auf vier, natürlich“, ruft ein Pfleger beim Betreten des Zimmers. Dass der über 80 Jahre alte Bewohner nass und ohne Hose in seinem Bett liegt, und ihm vielleicht kalt werden könnte, scheint den Kollegen nicht zu interessieren.

Weil auch Habseligkeiten, die auf dem Bett lagen, nass wurden, werfen die Pfleger Josefs Sachen weg. Seine mehrfache Bitte, das nicht zu tun, wird ignoriert. „Das gehört nicht alles mir, das gehört der Frau auch. Die Kartons, die da stehen, da sind von der Frau auch Sachen drin“, erklärt er immer wieder. Er scheint sich missverstanden zu fühlen – und wird es wohl auch. Denn die Pfleger scheinen so sehr mit Schimpfen beschäftigt zu sein, dass sie offenbar keine Zeit haben, auf den hilflosen Mann einzugehen.

Stattdessen hagelt es weiter Beleidigungen: „Setz dich mal richtig hin. Oh, du stinkst, ey. Wie kann man so leben? Echt“, sagt ein Pfleger. Irgendwann hat Josef die erniedrigende Situation überstanden und wieder ein trockenes Bett – die Frage ist: für wie lange? Und was muss er dann über sich ergehen lassen?

„Alloheim“ schreibt dazu: „Wir haben keine Kenntnis von den in Ihren Fragen unterstellten angeblichen Vorkommnissen, ansonsten hätten wir umgehend gehandelt und entsprechende Maßnahmen ergriffen. (…) Persönliche Gegenstände werden grundsätzlich nicht ohne die Zustimmung des Bewohners, der Angehörigen oder des Betreuers entsorgt.“ (akr)

*Name von der Redaktion geändert

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