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"Team Wallraff" undercover im Pflegeheim: Kontrollen bestätigen Missstände im Alloheim Dormagen

Bürgermeister ist fassungslos

"Team Wallraff" undercover im Pflegeheim: Kontrollen bestätigen Missstände im Alloheim Dormagen

Screenshot Team Wallraff Reporter Undercover
Das Alloheim in Dormagen hat 172 Pflegeplätze.
RTL

Kontrollen bestätigen die schockierenden Bilder aus der Alloheim Senioren-Residenz Dormagen: Während eine „Team Wallraff“ -Reporterin undercover in dem Pflegeheim recherchiert hatte, war offenbar auch zeitgleich der Rhein-Kreis Neuss als Aufsichtsbehörde aktiv in dem Seniorenheim. Dormagens Bürgermeister ist „fassungslos“ – wie reagieren die Stadt und das Alloheim jetzt auf die eklatanten Vorwürfe?

Behörde bestätigt Mängel im Alloheim Dormagen

Zwei Wochen lang hat Undercover-Reporterin Judith im Alloheim Dormagen recherchiert und gravierende Missstände entdeckt: Eine Bewohnerin erzählt zum Beispiel, sie habe „im Wasser geschwommen“, da ihre Einlage über einen längeren Zeitraum nicht gewechselt wurde. Eine Pflegerin wischt einen blutenden Katheter mit dem Nachthemd einer Bewohnerin ab – da anscheinend keine Verbandsmaterialien zur Hand waren.

Nachdem „vereinzelt Beschwerden“ eingegangen waren, haben Kontrollen der WTG-Behörde die eklatanten Missstände im Alloheim Dormagen offenbar bestätigt, berichtet die Neuß-Grevenbroicher-Zeitung. Laut Kreis-Sprecher Benjamin Josephs gebe es „Mängel in der Wundversorgung“ sowie eine „nicht ausreichende“ Personalbesetzung. Erste Hinweise gingen bei der Behörde bereits im Sommer letzten Jahres ein. Zeitgleich recherchierte auch das „Team Wallraff“ vor Ort. Anschließend wurden laut Josephs fünf unangemeldete Kontrollen im Alloheim Dormagen durchgeführt.

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Strenge Auflagen für das Alloheim Dormagen

Laut dem Rhein-Kreis Neuss muss das Alloheim jetzt strenge Auflagen befolgen. Das Seniorenheim darf derzeit nur in Absprache mit der WTG-Behörde und der Pflegesachverständigen neue Bewohner aufnehmen. Außerdem muss die Einrichtung sicherstellen, dass genügend Personal zur Verfügung steht und die Informationen der Behörde mit einem Maßnahmenkatalog übermitteln. Auch die Wundversorgung muss dokumentiert und wöchentlich an die Behörde übermittelt werden. Inzwischen werden die gesetzlichen Vorgaben eingehalten, heißt es im NGZ-Bericht.

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Alloheim: Qualitätsansprüche wurden vorübergehend nicht vollständig erfüllt

Das Alloheim reagierte ebenfalls auf die Berichterstattung von „Team Wallraff“. „Qualitativ hochwertige Pflege“ und die „Zufriedenheit der Bewohner“ seien „Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg“. Die Missstände im Alloheim Dormagen bezeichnet die Alloheim-Gruppe als „Abweichungen“ aufgrund von „individuellen menschlichen Fehlern“. Man bedauere, „dass unsere Einrichtungen in Dormagen und Herzberg im vergangenen Jahr die hohen Qualitätsansprüche von Alloheim vorübergehend nicht vollständig erfüllt haben“, teilte das Unternehmen mit. Auch zu den von „Team Wallraff“ aufgezeigten knappen Ressourcen an Pflegematerialien wie Bettlaken oder Verbandsmaterial äußerte sich das Unternehmen: „Zu unserem Bedauern kam es im August 2021 in Dormagen aufgrund eines individuellen Fehlers übergangsweise dazu, dass die zentrale Reserve nicht ausreichend gefüllt war.“ Dieser Fehler sei inzwischen behoben.

Dormagens Bürgermeister ist "beschämt" und "fassungslos"

Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld reagiert auf den Bericht mit Entsetzen und kündigt in einer Pressemitteilung an, Gespräche zum Thema Pflege zu führen. „Der Bericht löst bei mir mindestens die gleiche Fassungslosigkeit und Wut aus wie bei den meisten Menschen, die den Beitrag gesehen haben. Dass dabei auch eine Einrichtung aus Dormagen zu sehen ist, beschämt mich zusätzlich“, teilte der Bürgermeister nach der Ausstrahlung mit. Des Weiteren bestätigt der Bürgermeister, dass die WTG-Behörde im Alloheim Dormagen schwere Mängel festgestellt habe. Seiner Meinung nach liege das Problem im System, weshalb der Staat dringend durchgreifen müsse. Der Bürgermeister möchte jetzt mit den Verantwortlichen ins Gespräch kommen: „Ich möchte genauer wissen, wie die Behörde arbeitet und wie mit solchen Fällen umgegangen wird. In unserer Gesellschaft dürfen wir nicht zulassen, dass so mit Menschen, die oftmals hilflos sind, umgegangen wird.“ (jbr)

Video-Playlist zu "Team Wallraff"

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