RTL-Medizinexperte klärt auf

Tattoo-Studios in Corona-Zeiten: Wie hoch ist das Infektionsrisiko?

Schon vor Corona mussten sich Tattoo-Studios an strikte Hygiene-Auflagen halten.
© iStockphoto, Tamara Jeremic

20. Mai 2020 - 11:32 Uhr

Tattoo-Studios nun auch in NRW geöffnet: Verunsicherung bei Kunden

Nach wochenlanger Pause durften die Tattoo-Studios in den Bundesländern nach und nach wieder öffnen – seit heute auch in NRW. Während viele Studios sich vor Terminen kaum noch retten können, besteht bei vielen Tattoo-Begeisterten noch Verunsicherung, ob ein Tattoo während der Pandemie zu risikoreich ist. Wie hoch ist beim Tätowieren die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus? Stellen die Wunden, die beim Tätowieren entstehen, ein erhöhtes Infektionsrisiko dar? Wie können Kunden und Künstler sich beim Termin schützen? Wir haben den RTL-Medizinexperten Dr. Christoph Specht dazu befragt.

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Corona-Infektion über die Tattoo-Wunde ist unwahrscheinlich

Beim Tätowieren bestehe generell ein Risiko, dass Bakterien in die Wunde eindringen können, sagt Dr. Specht, meist Staphylokokken. Der Hygiene-Standard in Tattoo-Studios sei deshalb schon vor der Corona-Krise sehr hoch gewesen. Eine Infektion mit Coronaviren durch die Tattoo-Wunde sei jedoch unwahrscheinlich, erklärt der Mediziner: "Das liegt daran, dass Coronaviren respiratorische Viren sind. Das heißt, dass sie über die Atemwege aufgenommen werden müssen, damit es zu einer Infektion kommt. Es ist keine Infektion beschrieben, wo Coronaviren – oder andere Erkältungsviren – über eine Wunde in den Körper gelangt wären."

Infektionsgefahr im Tattoo-Studio wie beim Friseur oder Kosmetiker

Das bedeutet jedoch nicht, dass im Tattoo-Studio kein Ansteckungsrisiko besteht. Denn eine Infektion über die Atemwege ist auch dort möglich – gerade weil Tätowierer und Kunden sich dort sehr nahe kommen, ähnlich wie beim Frisör, Zahnarzt oder im Kosmetikstudio. Dr. Specht empfiehlt dieser Gruppe von Dienstleistern deshalb das Tragen einer FFP2- oder FFP3-Maske. Wichtig sei dabei, dass diese Masken kein Ventil haben, so Dr. Specht, denn "Masken mit Ventil lassen die ausgeatmete Luft ungefiltert nach draußen und schützen damit nur den Träger."

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