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Taliban töteten Vater und Bruder: Amir hat Angst vor Abschiebung nach Afghanistan

Taliban töteten seinen Vater und Bruder

Er arbeitete als Ortskraft in Afghanistan: Eine Rückkehr dorthin wäre Amirs Todesurteil

Amir hat durch die Taliban alles verloren Angst vor Abschiebung
00:55 min
Angst vor Abschiebung
Amir hat durch die Taliban alles verloren

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In Afghanistan fürchtete Amir um sein Leben

Amir* lebt in ständiger Angst. Er kommt aus Afghanistan. Ein Land, in das er nicht zurückkehren kann. Auch, weil er dort als landwirtschaftlicher Berater für die Amerikaner gearbeitet hat, erzählt er uns: "Ja, ich habe mit der USAID und mit der afghanischen Regierung zusammengearbeitet und das passte den Taliban nicht. Sie wollten nicht, dass ich mit denen kooperiere und haben mich deshalb bedroht. Mein Leben war in Gefahr. Ich konnte dort nicht bleiben und bin aus Afghanistan geflohen." Wie die Machtergreifung der Taliban Amirs Familie zerstört hat, erzählt er im Video.

*Name zu seiner eigenen Sicherheit geändert

In Hamburg darf Amir nicht bleiben

Er lebt in der Flüchtlingsunterkunft in Harburg
Amir erzählt uns seine Geschichte
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Vor acht Jahren floh Amir aus Afghanistan nach Dänemark. Doch dort bekam er kein Asyl, das heißt, er hatte auch nicht die Erlaubnis zu arbeiten. Dänemark war seine große Hoffnung, doch dann kommt im Juni dieses Jahres eine Vorladung vom Integrationsministerium. Amir ist sich sicher: Jetzt wird er abgeschoben. Er macht sich sofort auf den Weg nach Deutschland und landet in Hamburg: „Ich fühle mich sehr schlecht, weil mein Leben in Gefahr ist und ich nicht in mein Land zurückkehren kann. Ich weiß auch nicht, was sie hier jetzt mit mir machen, weil Deutschland mir auch gesagt hat, dass sie in meinem Fall nicht entscheiden können, sie müssen mich nach Dänemark zurückbringen, und ich fürchte, Dänemark kann mir nicht garantieren, dass ich nicht nach Afghanistan zurückgeschickt werde.“.

Abschiebung nach Afghanistan wurde immer wieder geprüft

In Afghanistan haben die radikal-islamischen Taliban nach dem Abzug der internationalen Truppen im August wieder die Macht übernommen. Zwei Monate zuvor, wollte ihn Dänemark genau dahin wieder abschieben, sagt Amir. Es wurde immer wieder geprüft, ob er nicht bald doch wieder nach Afghanistan abgeschoben werden kann. Kurz vor der Machtübernahme der Taliban war das der Fall, schreibt uns die Hilfsorganisation für Geflüchtete in Dänemark „Refugees Welcome“:
"Dänemark schiebt nach der Machtübernahme durch die Taliban nicht mehr nach Afghanistan ab. Aber bis dahin haben wir es gemacht. Und unsere Schutzquote für Afghanen ist extrem niedrig, auch im EU-Vergleich."

Amirs Zukunft ist immer noch ungewiss

Amir lebt zur Zeit in einer Harburger Flüchtlingsunterkunft, er ist traumatisiert. Die Taliban haben seinen Bruder getötet, auch seinen Vater hat er verloren. Im sogenannten Dublin-Verfahren wird genau geprüft, welches Land für den Asylantrag zuständig ist. In der Regel ist es das Land in das der Geflüchtete zuerst eingereist ist. Und das ist bei Amir Dänemark. Ein Land, das ihm auch nach vielen Jahren kein Asyl gewährt hat und das ihm Angst macht. Amir hat sich einen Anwalt genommen, um gegen das Dublin-Verfahren vorzugehen. Bis jetzt ohne Erfolg. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verweist ebenfalls auf Dublin. In zwei Tagen hat Amir dort den nächsten Termin, dann wird sich herausstellen, ob er zurück nach Dänemark muss - in eine ungewisse Zukunft. (kst / cto)