Steuerdaten veröffentlicht

Superreiche wie Jeff Bezos, Elon Musk oder Warren Buffet zahlen kaum Einkommenssteuer

09. Juni 2021 - 14:56 Uhr

Superreiche zahlen weniger Steuern als Arbeiter oder Angestellte

Ein Leak bringt die Finanzen der 25 reichsten Amerikaner an die Öffentlichkeit, mit überraschenden Erkenntnissen: Im Verhältnis zu ihrem Vermögen beträgt die Abgabenquote der Superreichen im Schnitt nur 3,4 Prozent – und ist damit deutlich niedriger als die Steuerlast von Arbeitern oder Angestellten. Vor allem der reichste Mensch der Welt scheint sich eine Zeit lang arm gerechnet zu haben.

Amazon-Chef Jeff Bezos zahlte jahrelang keine Einkommenssteuer

Die Investigativ-Plattform "ProPublica" hatte die Ergebnisse einer Recherche veröffentlicht, die nach ihren Angaben auf anonym zugespielten IRS-Daten zu den Einkommenserklärungen und Steuerabgaben der reichsten Amerikaner basiert. Die Informationen sollen zeigen, wie geringe Beiträge viele extrem Wohlhabende in den USA gemessen an ihren immens hohen Vermögen an den Fiskus zahlen müssen und wie sehr sie von legalen Steuerschlupflöchern profitieren können.

"ProPublica" stellte unter anderem die Bundeseinkommenssteuern der 25 reichsten Amerikaner für die Jahre 2014 bis 2018 ihren Vermögenszuwächsen gemäß der "Forbes"-Milliardärsliste gegenüber und kam zu dem Schluss, dass sich de facto lediglich eine Abgabenquote von im Schnitt 3,4 Prozent ergeben habe.

Weitere Details: Amazon-Chef Jeff Bezos - laut "Forbes" der reichste Mensch der Welt - habe 2007 und 2011 überhaupt keine US-Einkommenssteuern gezahlt. Weil er laut Steuererklärung mehr ausgab als einnahm, konnte er laut "ProPublica" sogar eine Gutschrift von 4000 Dollar für seine Kinder einstreichen. In den Jahren 2014 bis 2018 zahlte Bezos immerhin Steuern in Höhe von 973 Millionen Dollar, sein Vermögen stieg im selben Zeitraum allerdings um 99 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Steuersatz beträgt damit im Durchschnitt 0,98 Prozent.

Auch Tesla-Chef Elon Musk und anderen Multimilliardären sei es laut dem Report gelungen, sich in verschiedenen Jahren arm zu rechnen.

Börsen-Guru Warren Buffett zahlt nur 0,1 Prozent Steuern

Börsen-Guru Warren Buffett, der sich immer wieder öffentlich für höhere Steuern für Spitzenverdiener ausspricht, zahlte laut "ProPublica" von 2014 bis 2018 die geringsten Steuern von den 25 Superreichen. Der 90-jährige Chef der Beteiligungsholding Berkshire Hathaway habe sein Vermögen in diesem Zeitraum um 24,3 Milliarden Dollar erhöht, aber nur ein Einkommen von 125 Millionen Dollar beim Fiskus angegeben und letztlich 23,7 Millionen an Steuern gezahlt. Damit ergebe sich eine "wahre Steuerquote" von nur 0,1 Prozent.

Buffett reagierte mit einer ausführlichen Erklärung auf die Daten-Leaks und erklärte, dass er vorhabe, quasi sein gesamtes Vermögen für wohltätige Zwecke zu stiften. Er glaube, dass sein Geld so nützlicher für die Gesellschaft sei. Buffett bekräftigte aber auch seine Unterstützung für ein faireres Steuersystem zum Abbau von Vermögensungleichheiten in der Bevölkerung. Bezos war laut "ProPublica" nicht bereit, Stellung zu beziehen. Musk habe auf eine Anfrage lediglich mit "?" geantwortet und dann nicht mehr reagiert.

Die Enthüllungen schlagen in den USA hohe Wellen, zeigen letztlich aber vor allem den Effekt einer lange bekannten und umstrittenen Eigenschaft des Steuersystems auf. So ergibt sich der Reichtum von Milliardären wie Bezos und Co. anders als bei den meisten Bürgern meist weniger aus ihren Einkommen, sondern aus den Wertsteigerungen von Vermögen wie Aktien. Die werden aber - außer ihren Dividenden - erst bei einem Verkauf besteuert. Zudem kann die Steuerlast etwa durch Kredite oder Investmentverluste kleingerechnet werden.

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

US-Steuerbehörde ermittelt wegen Weitergabe von Steuerdaten

Die US-Steuerbehörde IRS will jetzt ermitteln, wie brisante Daten von Superreichen wie Jeff Bezos, Elon Musk oder Warren Buffett an die Öffentlichkeit geraten konnten. "Ich kann bestätigen, dass es eine Untersuchung gibt", sagte IRS-Chef Charles Rettig bei einer Senatsanhörung in Washington.

Die unautorisierte Weitergabe vertraulicher Regierungsinformationen sei illegal, erklärte eine Sprecherin des Finanzministeriums. (dpa/aze)

Auch interessant