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Super E10: Mit Biosprit beim Tanken Geld sparen? Darauf sollten Verbraucher achten

Steigende Spritpreise

Super E10: Günstiger und klimafreundlicher - der Biosprit steht allerdings auch in der Kritik

Super E10 ist günstiger als herkömmliches Benzin, trotzdem haben Autofahrer Bedenken.
Schon seit 2011 auf dem Markt: Super E10.
deutsche presse agentur

von Nicolas Kaufmann

Super E10 ist günstiger als herkömmliches Benzin und schont die Umwelt. Allerdings vertragen nicht alle Autos den Biosprit – viele Autofahrer haben Bedenken. Sollte man E10 also tanken oder nicht? Ein Überblick über Verträglichkeit, Preis und Nutzen.

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E10 ist günstiger als Benzin und umweltschonend - warum herrscht trotzdem Skepsis?

Neben herkömmlichem Benzin, Diesel und Erdgas findet sich auch Super E10 an jeder Tankstelle. Der Biokraftstoff E10 ist bereits seit 2011 auf dem Kraftstoffmarkt und dennoch hat er sich bis heute nicht richtig durchgesetzt – es herrscht bislang noch viel Unwissen über den Biosprit. Wer beim Tanken Geld sparen und zugleich die Umwelt schonen möchte, der sollte über die Verwendung von E10 nachdenken.

Laut dem ADAC ist es "das beste Mittel gegen die hohen Spritpreise". Schließlicht ist der Literpreis im Durchschnitt fünf bis sechs Cent günstiger als Super E5, das herkömmliche Benzin. Dem Automobil-Club zufolge ließe sich mit jeder Tankfüllung bis zu vier Euro sparen, Vielfahrer könnten im Jahr sogar auf eine Ersparnis von über 50 Euro kommen.

Und trotzdem greift ein Großteil der Autofahrer lieber auf das teurere Super E5 zurück. Der Anteil des E10 ist laut dem Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe), Stefan Walter, zuletzt zwar angestiegen, habe im Dezember und Januar aber bloß gut 20 Prozent des Benzinverbrauchs in Deutschland ausgemacht – wenn Walter auch wegen der aktuell sehr hohen Spritpreise davon ausgeht, dass der Trend anhalten wird.

Der BDBe-Geschäftsführer sieht ein anhaltendes Informationsbedürfnis beim Thema E10. Viele Autofahrer würden fälschlicherweise immer noch davon ausgehen, der Kraftstoff schade ihrem Fahrzeug. Auch ein Sprecher des Biokraftstoffverbands sagte der "Tagesschau": "Es gibt ein langfristiges Akzeptanz-Problem."

Was genau ist E10 und welche Autos können es problemlos tanken?

Welche Autos können problemlos mit E!0 betankt werden?
Welche Autos können problemlos mit E10 betankt werden?
dpa, Peter Kneffel

E10 unterscheidet sich in seinen Eigenschaften nämlich vom herkömmlichen Benzin durch seinen höheren Ethanol-Anteil und damit durch eine höhere Oktanzahl als herkömmliches Benzin. Das "E" steht hierbei für Ethanol, welches etwa aus Getreide, Mais oder Zuckerrüben gewonnen wird, und die Zahl "10" für den prozentualen Anteil im Benzin. 2011 wurde der sogenannte Biosprit an deutschen Tankstellen eingeführt. Davor war der zulässige Ethanolanteil in Ottokraftstoffen auf maximal fünf Prozent beschränkt (E5).

Das Super E10 verunsichert also viele Autofahrer an der Zapfsäule. Dabei erklärt der ADAC: "Fast alle Benziner-Pkw im Bestand sind zwischenzeitlich für E10 geeignet." In der Regel würden alle Fahrzeuge mit Baujahr ab November 2010 das E10 vertragen. Die Rede ist von rund 90 Prozent aller Autos. Aber auch viele Old- und Youngtimer könnten das Benzin mit dem bis zu zehn prozentigen Bioethanol-Anteil ohne Schäden nutzen.

Wer sich jedoch unsicher ist, ob sein Pkw das E10 wirklich verträgt, der kann in der Bedienungsanleitung seines Fahrzeugs nachschauen. Alternativ erhält man beim Fahrzeughersteller, Händler, in der Werkstatt oder etwa online bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH und beim europäischen Automobilherstellerverbands ACEA entsprechende Informationen.

Verträgt ein Auto das Super E10 allerdings nicht, kann der Kraftstoff nach dem Tanken unter anderem Aluminiumbauteile sowie Dichtungen und Leitungen im Kraftstoffsystem angreifen – und damit zum Sicherheitsrisiko werden. Ist ein Auto E10-tauglich, muss man sich hingegen keine Sorgen über einen möglichen Schaden machen. "Die Verwendung von E10 hat keinen Einfluss auf die Funktionssicherheit, Lebensdauer und den Verschleiß", so der ADAC. Dabei kann E10 und E5 auch bedenkenlos abwechselnd getankt werden – vorausgesetzt natürlich, das Auto verträgt das E10.

Bedenken gibt es zudem bei den Auswirkungen von E10 auf den Kraftstoffverbrauch. Dessen Nutzung verursache einen "theoretischen" Mehrverbrauch von etwa einem Prozent. Der Automobil-Club ist sich trotzdem sicher: "Bei gleicher Fahrweise lohnt sich das Tanken von E10, auch wenn der Energiegehalt etwas geringer ist."

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Durch den Ukraine-Krieg kommt vermehrt Kritik am Biosprit auf

Darüber hinaus gibt es Kritik an der Umweltbilanz des Biosprits. Laut dem ADAC ist der Biosprit "weitgehend klimaneutral". Denn das beim Fahren ausgestoßene CO2 werde zuvor von den Pflanzen aus der Atmosphäre entzogen. Zudem reduziere das E10 Stickoxide und Feinstaub. Der Biosprit könnte im Straßenverkehr jährlich bis zu drei Millionen Tonnen CO2 einsparen, heißt es schließlich vom Automobil-Club.

Zur Herstellung von Biosprit sind jedoch Ackerflächen erforderlich. Es besteht daher die Sorge, dass sensible Flächen wie Wälder und damit Lebensräume in Ackerland umgewandelt werden. Auch eine Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung oder negative Effekte durch Landnutzungsänderungen werden befürchtet. Die Folge wären sehr hohe Treibhausgasemissionen.

Laut dem BDBe fallen aber lediglich vier Prozent der Getreideerntemenge und zwei Prozent der Ackerfläche für die deutsche Bioethanol-Produktion an. Und in Deutschland schreibt die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung vor, dass zum Anbau der Pflanzen für die Biokraftstoffherstellung keine Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt oder mit hoher biologischer Vielfalt genutzt werden dürfen. Außerdem sei das eingesetzte Getreide allenfalls für Futter, nicht aber fürs Essen verwendbar, so der BDBe-Geschäftsführer Walter gegenüber der "Tagesschau". Und bei der Produktion können Nebenprodukte entstehen – etwa proteinhaltige Futtermittel, die Sojaimporte ersetzen können.

Umweltschützer sehen das jedoch anders. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs hat es von zahlreichen Umweltschutz-Organisationen Kritik gegen die Biokraftstoff-Herstellern gegeben. Greenpeace fordert ein Verbot von Biosprit. "Frisches Öl wie Rapsöl gehört nicht in den Tank, sondern auf den Esstisch", zitiert die "Tagesschau" Martin Hofstetter, Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. Ihm zufolge beträgt die Menge an Rapsöl zwölf Liter pro Person, die jährlich im Autosprit statt fürs Kochen und als Lebensmittel verwendet werden.

Cem Özdemir und Svenja Schulze sehen den Sprit-Gewinn aus Getreide ebenfalls kritisch

Inzwischen ist das E10 auch Thema in der Politik. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir ist ebenfalls dafür, dass weniger Getreide zur Kraftstoffherstellung genutzt wird. "Es ist nicht nachhaltig, Weizen und Mais in den Tank zu schütten", so der Grünen-Politiker. Ähnlich äußerte sich Bundesentwicklungshilfeministerin Svenja Schulze. Im Tank seien Mais und Getreide in diesen schwierigen Zeiten am schlechtesten aufgehoben, sagte die SPD-Politikerin.

Die Hersteller stehen hingegen weiter hinter der Biokraftstoff. "Der Einsatz von Biokraftstoffen sollte nicht gesetzlich eingeschränkt werden", fordert der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie. Der Markt reagiere auf den Krieg, was seine Wirkung habe. "Für Produzenten lohnt es sich derzeit kaum zu produzieren", heißt es.

Außerdem trage E10 gleichzeitig zur Ernährung und Industrieproduktion bei. Tatsächlich findet Bioethanol auch Anwendung zum Beispiel als chemisches Lösungs-, Reinigungs- sowie Frostschutzmittel, im medizinischen Bereich oder als Brennstoff.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de