Handydaten sollen Lehrer-Mordfall in Südtirol lösen

"Fitness-Freak" Benno N. (30) soll Eltern ermordet haben: "Ich bin unschuldig"

Benno N. wird verdächtigt, seine Eltern getötet zu haben.
Benno N. wird verdächtigt, seine Eltern getötet zu haben.
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10. Februar 2021 - 14:06 Uhr

Südtirol: Lehrer-Paar Peter N. und Laura P. von Sohn ermordet?

Der mutmaßliche Mord an Peter N. (63) und Laura P. (68) und die beispiellose Suchaktion in Südtirol sorgen weiterhin in ganz Italien für Aufsehen. Vergangene Woche wurde die Leiche der 68-jährigen Lehrerin am Ufer des Flusses Etsch gefunden, nach ihrem Ehemann wird noch gesucht. Benno N., der Sohn des Lehrer-Paares aus Bozen, sitzt in Untersuchungshaft. Der 30-jährige "Fitness-Freak" wird verdächtigt, seine Eltern ermordet und die Leichen von einer Brücke in die Etsch geworfen zu haben. Nun werden weitere Details bekannt: Laut italienischen Medien wirft der Fall viele Rätsel auf.

Fitness-Influencer Benno N. (30) hatte offenbar psychische Probleme

Tirol
Das Lehrer-Paar Peter N. und Laura P. war am 4. Januar verschwunden.

Nach außen hin schien Benno N. ein abenteuerlustiges und erfolgreiches Leben zu führen. Er studierte Trainingswissenschaft an der Universität Innsbruck, arbeitete als Ersatzlehrer für Mathematik und verdiente nebenbei Geld als Fitness-Influencer. Doch die Arbeit an seinem Körper wurde zur Sucht. Wie die "Neue Südtiroler Tageszeitung" schreibt, nahm der "Fitness-Freak" regelmäßig Anabolika ein. Das habe seinen Charakter verändert, er sei immer aggressiver geworden, heißt es. Weil er seine Ex-Freundin mit einem Messer bedroht haben soll, sei er sogar einige Zeit in psychiatrischer Behandlung in Deutschland gewesen, wo das Paar rund sechs Monate lebte.

Nach seiner Entlassung sei er nach Bozen zurückgekehrt und in die Wohnung seiner Eltern eingezogen. Das Verhältnis zu Peter N. und Laura P. beschreibt die italienische Staatsanwaltschaft als sehr angespannt. So soll der 63-jährige Vater mehrmals über "Probleme mit Benno" geklagt haben. Laut Berichten waren Geldprobleme, die Anabolika-Sucht und Wutausbrüche des Sohnes Grund dafür. Die Eltern hätten von Benno N. verlangt, sich in Bozen von einem Psychiater behandeln zu lassen, doch er habe sich geweigert. Das berichtet die italienische "Corriere della Sera".

Benno N. soll die Leichen seiner Eltern in einen Fluss geworfen haben

Benno N. soll die Leichen seiner Eltern in die Etsch geworfen haben.
Benno N. soll die Leichen seiner Eltern in die Etsch geworfen haben.
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Kurz nach Neujahr ist das pensionierte Paar plötzlich verschwunden. Die Handys der beiden wurden am Abend des 4. Januar ausgeschaltet. Am darauffolgenden Tag meldete sie ihre in München lebende Tochter als vermisst. Schnell geriet Benno N. ins Visier der Polizei, nachdem er sich bei einer Vernehmung in Widersprüche zum Verschwinden seiner Eltern verwickelt hatte. Es habe eine 40-minütige Lücke in seinem Alibi gegeben, heißt es. Ende Januar wurde er wegen "zweifacher vorsätzlicher Tötung und Verbergens der Leichen" festgenommen. Seitdem sitzt der 30-Jährige in U-Haft.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat der Verdächtige seine Eltern ermordet, ihre Leichen in deren Volvo gelegt und sie von einer Brücke in die Etsch geworfen. Am Geländer der Brücke fand die Polizei Blutspuren von Peter N. Zudem wurde Benno N. dabei erwischt, wie er in der vermeintlichen Tatnacht den Wagen seiner Eltern in eine Waschanlage fahren wollte. Im Fahrzeuginnern sowie im Garten des Wohnhauses der Eltern wurden außerdem Flaschen mit Wasserstoffperoxid gefunden und von der italienischen Polizei beschlagnahmt. Mit dem Mittel lassen sich Blutflecken entfernen.

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Ermittler wollen mithilfe von Handydaten Mordfall lösen

Wie "Corriere della Sera" am Mittwoch berichtet, vermuten die Ermittler, dass Benno N. zunächst seinen Vater nach einem Streit tötete: Sein Handy sei nämlich um 17:30 Uhr ausgeschaltet worden, das der Mutter erst um 21:30 Uhr. Demnach sei es möglich, dass Laura P. später, gegen 18:30 Uhr, nach Hause kam und die Leiche ihres Mannes erblickte. Daraufhin habe Benno N. möglicherweise auch sie ermordet, um die Tat zu vertuschen. Weiter heißt es im Bericht, der 30-Jährige habe seine Mutter gegen 20 Uhr angerufen, um dies später als Alibi zu verwenden.

Sein eigenes Handy habe er allerdings am Abend gegen 21:32 Uhr ausgeschaltet, also kurz nachdem kein Signal von Laura P.s Telefon ausging. Um 21:57 Uhr schaltete er sein Smartphone dem Bericht zufolge wieder ein und fuhr zu seiner Freundin Martina A., bei der er übernachten wollte. Jedoch habe er sich 40 Minuten verspätet, wofür er offenbar bislang keine Erklärung abgegeben hat.

Anwalt von Benno N.: „Er hat im Gefängnis geweint“

LFV Südtirol/ Diddi Osele
Rettungskräfte suchen seit Wochen das Ufer entlang der Etsch ab.
© LFV Südtirol/ Diddi Osele

Am Samstag kam weiter Bewegung in den Fall, als die Suchtrupps eine Leiche am Ufer der Etsch bei Neumarkt, etwa 30 Kilometer südlich von Bozen, fanden. Kurz darauf hatte die 26 Jahre alte Tochter, Madé N., die sterblichen Überreste ihrer Mutter anhand von persönlichen Gegenständen identifiziert. Eine Obduktion des Leichnams soll nun die Todesursache klären, heißt es. Die Suche nach Peter N. dauert noch an. Auch seine Leiche wird in der Etsch vermutet.

Der verdächtige Sohn soll sich laut dem Nachrichtenportal "stol.it" erschüttert über den Leichenfund gezeigt haben. "Er hat im Gefängnis geweint", wird sein Anwalt, Flavio Moccia, zitiert. Der Verdächtige bestreitet, etwas mit dem Verschwinden seiner Eltern zu tun zu haben. Am Dienstag beantragten seine Anwälte eine Auflösung des Haftbefehls – das Ergebnis steht noch aus.