Polizei sucht nach Pferderipper

Stute in Dorsten zu Tode gefoltert: Steckt eine Internet-Challenge dahinter?

30. September 2020 - 11:21 Uhr

Täter schlitzte dem Pferd den Bauch auf

Zuletzt schlugen Tierquäler in Dorsten (Nordrhein-Westfalen) zu: Unbekannte folterten eine Stute auf der Weide zu Tode. Eine Passantin fand das verendete Tier mit aufgeschlitztem Bauch. Der oder die Täter trennten der Stute außerdem ein Ohr und die Milchleiste ab. Der Besitzer Peter Büning befürchtet nun, dass eine Internet-Challenge hinter den Verstümmelungen stecken könnte. Denn auch in Frankreich, den Niederlanden und in Süddeutschland gab es in den letzten Monaten immer wieder ähnliche Fälle.

Polizei ermittelt in alle Richtungen, um Pferderipper zu finden

"Das war mein Seelenpferd", sagt Bünings Frau Melanie im RTL-Interview. Sie habe sehr an dem Pferd gehangen, das jemand auf so brutale Weise auf der Weide getötet hat. "Die Leute, die das gemacht haben, haben mich komplett zerstört", sagt sie. Der Gedanke, dass sich User online gegenseitig dazu anstacheln könnten, Pferde zu verstümmeln, ist für die Bünings unerträglich.

"Wir kennen die Thematik einer möglichen Challenge, die es wohl im Internet oder im Darknet geben soll", sagte Andreas Lesch Pressesprecher Polizei Recklinghausen, die in dem Fall ermittelt. Ob bei der Tat in Dorsten wirklich eine Internet-Challenge der Auslöser war, kann die Polizei noch nicht sagen. "Wir selber haben im Moment keinen Hinweis auf einen Tatverdächtigen und somit können wir natürlich auch nicht sagen, was die Motivlage eines möglichen Täters gewesen ist", erklärte der Polizeisprecher. Die Polizei ermittle derzeit in alle Richtungen, man hoffe auf weitere Zeugenhinweise.

ARCHIV - 31.08.2020, Baden-Württemberg, NA: Ein Pferd steht auf der Weide eines Pferdehofes. (zu dpa «Pferd mit schweren Verletzungen tot auf Koppel entdeckt») Foto: Uwe Anspach/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Pferd mit schweren Verletzungen tot auf Koppel entdeckt
© dpa, Uwe Anspach, ua bsc dna

Immer wieder werden Stuten und Fohlen auf der Weide verletzt

Zuletzt waren in der Rhein-Neckar-Region immer wieder Pferde auf der Weide attackiert worden. Seit Juni wurden allein in Mannheim, Heidelberg und in der Region Neckargemünd vier Stuten und drei Fohlen verletzt. Ein Tier war so schwer verwundet, dass es eingeschläfert werden musste. Die Taten laufen immer ähnlich ab: Der oder die Täter schleichen sich nachts auf die Pferdekoppel und attackieren die Pferde mit einem scharfen Gegenstand im Schulter-, Bein- und Genitalbereich.

Auch in Frankreich gab es immer wieder Berichte über verstümmelte Pferde, denen ein Ohr abgetrennt wurde oder die an den Geschlechtsteilen verstümmelt wurden. Medienberichten zufolge gibt es seit Anfang des Jahres Angriffe auf Pferde in unterschiedlichen Teilen Frankreichs. Im Sommer stieg die Anzahl weiter – auf insgesamt 153 Fälle. Die Polizei nahm einen Tatverdächtigen fest, ein anderer wurde vom Besitzer der Tiere vom Hof gejagt.

31.08.2020, Baden-Württemberg, -: Ein Pferd steht auf der Weide eines Pferdehofes im Raum Heidelberg. Seit einigen Wochen beschäftigen Fälle von Tierquälerei, bei denen Pferde verletzt wurden, die Polizei im Rhein-Neckar-Kreis. Es wurde eigens eine E
Tierquäler verletzen Pferde
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Tod der Stute ist juristisch eine Sachbeschädigung

Wenn die Polizei den Tierquäler fassen sollte, der die Stute in Dorsten getötet hat, drohen ihm im schlimmsten Fall drei Jahre Haft. Auch wenn ein Lebewesen zu Tode kam, ist die Tat nach deutschem Recht nur eine Sachbeschädigung und ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, erklärt der Polizeisprecher.