Ein Drittel der Fälle vermeidbar

Gesunde Ernährung mindert Demenzrisiko drastisch

15. Juli 2019 - 13:43 Uhr

Es kann so einfach sein:

Jährlich erkranken mehr Menschen an Demenz – Heilung gibt es bisher nicht. Britische Forscher haben in einer aufwendigen Studie jetzt aber herausgefunden, dass jeder sein eigenes Risiko, an Demenz zu erkranken, deutlich senken kann. Ein gesunder Lebensstil soll das Risiko um knapp 30 Prozent minimieren. Wir erklären, welche Faktoren dafür entscheidend sind.

Im Video zeigen wir, an welchen frühen Symptomen man Demenz erkennt.

Du bist, was du isst: Gesund oder ungesund?

Australische Forscher hatten herausgefunden, dass Fast Food unser Gehirn schrumpfen lässt und infolge dessen Krankheiten wie Demenz den Weg ebnet. Zum einen liegt das an der erhöhten Kalorienzufuhr, mit der unser Körper nur schlecht umgehen kann. Zum anderen fehlen dem Gehirn wichtige Stoffe und es arbeitet schlicht nicht so effektiv wie mit gesunder Nahrung.

In einer aktuellen Studie, die im "Journal of the American Medical Association" veröffentlicht wurde, haben britische Forscher jetzt herausgefunden, dass gesunde Ernährung viele Fälle von Demenz sogar hätte verhindern können. Mehr als ein Drittel der Demenzerkrankungen seien laut des Forscherteams durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar gewesen. In Zahlen bedeutet das auf Basis der aktuellen Demenzzahlen ein beschwerdefreies Leben für mehr als eine halbe Million Menschen - allein in Deutschland. 

Forscher vermuten: Gesunde Lebensweise könnte genetische Veranlagung schlagen

Die Forscher vermuten sogar, dass eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung die genetische Veranlagung für die Krankheit aushebeln könnte. Das ist bisher nicht erwiesen, die Ergebnisse der umfangreichen Studie geben aber Grund zur Hoffnung.

Basis der neuen Studie sind die Daten von knapp 200.000 Teilnehmern über 60 Jahren, die teils ein genetisches Risiko für Demenz hatten und teilweise keinerlei bekanntes Risiko aufwiesen. In einem Zeitraum von acht Jahren zeigte sich, dass selbst Menschen mit einem hohen genetischen Risiko Chancen haben, den Ausbruch der Erkrankung durch einen gesunden Lebensstil zu beeinflussen.

Diese Faktoren senken das Demenz-Risiko:

Vier Faktoren sind laut des Forscherteams ausschlaggebend, um das eigene Risiko, an Demenz zu erkranken, zu senken:

  • Nicht rauchen
  • ​Gesunde und ausgewogene Ernährung (wenig Fleisch, viel Gemüse und Fisch)
  • Viel Bewegung
  • So wenig Alkohol wie möglich

Was bedeutet das für uns?

Die Studie basiert auf den Angaben, die die Teilnehmer über ihren Lebensstil selbst erfasst haben. Sie ist daher anfällig für Fehler. Forscher wie die britische Demenz-Expertin Prof. Gill Livingston, die nicht selbst an der Studie beteiligt waren, sind dennoch begeistert von den Ergebnissen. "Das ist eine sehr wichtige Studie, die deutlich zeigt, dass ein gesunder Lebensstil das Demenz-Risiko mindern kann, unabhängig von der genetischen Veranlagung", zitiert sie die Zeitung "Guardian".

In Deutschland leben aktuell etwa 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Es sind fast doppelt so häufig Frauen betroffen wie Männer. Da unsere Gesellschaft immer älter wird, steigt die Zahl der Erkrankten jährlich deutlich an. Experten gehen davon aus, dass im Jahr 2050 etwa 3 Millionen Deutsche an Demenz erkrankt sein werden.