Weißes Fleisch doch nicht so gesund?

Studie: Geflügelfleisch kann Krebs-Risiko erhöhen

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9. September 2019 - 16:04 Uhr

Bisher galt nur rotes Fleisch als Krankmacher

Dachte man bislang, dass Geflügelfleisch eine gesunde Alternative zu rotem Fleisch sei, wiederlegt nun eine neue Studie der Universität Oxford diese These: Laut den Forschern bestehe für Verbraucher ein erhöhtes Risiko an Krebs zu erkranken, wenn sie Geflügel essen.

Prostatakrebs bei Männern, schwarzer Hautkrebs und Non-Hodgkin-Lymphom

In der neuen Studie, die im "Journal of Epidemiology and Community Health" veröffentlicht wurde, haben Forscher der Universität Oxford in Großbritannien zwischen 2014 und 2016 475.000 Briten mittleren Alters untersucht und ihre Ernährung analysiert. Bei etwa 23.000 Teilnehmer wurde Krebs diagnostiziert.

Dabei fanden die Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Geflügel und einem erhöhten Risiko an dem sogenannten Non-Hodgkin-Lymphom, Prostatakrebs bei Männern und Melanom (schwarzer Hautkrebs) zu erkranken: "Geflügelkonsum war positiv mit dem Risiko für malignes Melanom, Prostatakrebs und Non-Hodgkin-Lymphom verbunden", hieß es im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlichten Artikel.

Gründe bisher nicht bekannt

Die durchgeführte Studie war eine "Assoziationsstudie". Das bedeutet, dass nur die Korrelation zwischen dem Verzehr von Geflügel und bestimmten Krebsarten angezeigt wird. Die genauen Gründe sollen laut Forschern in weiteren Studien ermittelt werden.

Wie viel und welches Fleisch ist ungesund?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt wöchentlich nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Fleischwaren zu verzehren. Dabei ist besonders auf die Unterscheidung von verarbeitetem und unverarbeitetem Fleisch zu achten. Mit verarbeitetem Fleisch ist solches gemeint, dass zum Beispiel durch Salzen, Fermentieren, Räuchern oder Pökeln haltbar gemacht wird, wie Schinken, Salami oder Würstchen. Laut Forschern der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) sind diese Fleischprodukte krebserregend und sollten möglichst wenig verzehrt werden. Das gleiche gilt auch für unverarbeitetes rotes Fleisch, wie Muskelfleisch von Rind, Schwein, Schaf, Pferd oder Ziege.

Letztlich sei es aber immer eine Frage der Menge des Konsums und des gesamten Lebensstils, ob die Gesundheit positiv oder negativ beeinflusst wird. In Deutschland verzehren Männer im Schnitt fast 1.100 Gramm Fleisch pro Woche, Frauen halten mit knapp 600 Gramm immerhin die obere Grenze der DGE-Empfehlung ein. Ratsam ist es daher, sich beim Fleischkonsum an den empfohlenen 300 bis 600 Gramm zu orientieren und auf die artgerechte Haltung der Tiere zu achten.