Biohof-Betreiber weist alle Vorwürfe von sich

Streit um Bio-Eier: Tierschützer prangern Zustände auf Bio-Bauernhof an

14. Oktober 2019 - 16:46 Uhr

Bio-Eier als Massenware

Immer mehr Menschen greifen im Supermarkt zu Bio-Eiern. Vor allem nach den vielen Eier-Skandalen und der damit verbundenen Tierquälerei möchten Verbraucher die "guten Eier" kaufen. Damit erhoffen sie sich eine artgerechte Tierhaltung und dass die Eier möglichst von freilaufenden Hühnern stammen. Doch auch käfigähnliche Haltung kann Bio bedeuten.

2018 wurden über eine Milliarde Bio-Eier in Deutschland verkauft, Tendenz steigend. Das Deutsche Tierschutzbüro prangert jetzt die Zustände auf einem Bio-Bauernhof bei Bad Iburg in Niedersachsen an. Ein Video der Tierschützer soll zeigen, wie Hühner mit verletzten und toten Tieren zusammenhocken. Verstößt dies schon gegen die gesetzlichen Auflagen?

Die Vorwürfe der Tierschützer:

In dem Bio-zertifizierten Betrieb werden rund 13.000 Legehennen gehalten. "Aus Bio ist längst Massentierhaltung geworden und so steckt hinter jedem Ei Tierquälerei", behauptet Jan Peifer vom Deutschen Tierschutzbüro e.V.

Die Aufnahmen seines Tierschutzvereins sollen in den letzten Wochen entstanden sein und die Zustände zeigen, denen die Hühner ausgesetzt sind. "Die Haltung erinnert mehr an einen Käfig als an einen Bio-Betrieb", so Peifer. Allerdings ist Massentierhaltung laut Biozertifikat zulässig.

Die weiteren Vorwürfe des Tierschutzvereins: Tiere sollen aufgrund der nicht artgerechten Haltungsform verenden, tote Hühner nicht ordnungsgemäß entsorgt worden sein.

Beide Seiten stellen Strafanzeigen

In einer Stellungnahme weist der Biohof-Betreiber alle erhobenen Vorwürfe von sich: "Alle Ställe werden täglich mindestens (!) zweimal sorgfältig kontrolliert. Erkrankte oder verletzte Tiere ... werden in ein Krankenabteil gebracht." Durch eine Fachtierarztpraxis werden die Tiere außerdem regelmäßig begutachtet und erkrankte oder verletzte Tiere untersucht und fachgerecht behandelt. Zudem habe es einige Tage nach Erhebung der Vorwürfe durch den Tierschutzverein mehrere Kontrollen gegeben, unter anderem vom Veterinäramt. Das Ergebnis: Es wurden nur kleinere Mängel festgestellt und es wurde auch zertifiziert.

Das Deutsche Tierschutzbüro hat Strafanzeige gegen den Betrieb gestellt und fordert, dass solche Eier nicht mehr als Bio-Eier verkauft werden dürfen und dass der Betreiber die Bio-Zertifizierung verliert. Der Biohof-Betreiber wiederum hat gegen die Tierschützer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt.

Der Streit um die Bio-Eier zeigt: Es gibt offenbar immer noch viel Klärungsbedarf, was die grundsätzliche Haltung von Hühnern angeht.

Knapp 1,4 Milliarden Bio-Eier im Jahr 2018 erzeugt

Im Jahr 2018 verbrauchten die Deutschen nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft rund 19,5 Milliarden Eier, 235 Eier pro Kopf. 12,3 Milliarden Eier waren davon aus deutscher Produktion. Laut Statistischem Bundesamt stammten

  • rund 7,8 Milliarden Eier aus Bodenhaltung
  • mehr als 2,3 Milliarden Eier aus Freilandhaltung
  • 1,4 Milliarden Bio-Eier
  • 770 Millionen Eier aus Kleingruppenhaltung

Somit wurden 2018 in deutschen meldepflichtigen Betrieben rund 1,8 Prozent mehr Eier produziert als im Vorjahr.

Bodenhaltung, Freilandhaltung und Bio: Wo liegt der Unterschied – für Menschen und für das Tier? Der Code auf dem Ei gibt darüber Auskunft und ist überraschend leicht zu entschlüsseln.

Was bedeuten die einzelnen Bio-Siegel?

Ursprünglich wurde das Bio-Siegel eingeführt, damit es den Hühnern beziehungsweise den Tieren besser geht. Ein Bauernhof muss einige Voraussetzungen erfüllen, um ein Bio-Siegel zu erhalten. "Der Hof muss alles einhalten, was die Bio-Verordnung vorschreibt. Das heißt, er muss Platz haben für die Hennen, sie müssen nach draußen laufen können. Er darf keine Arzneimittel einsetzen, die im Bio-Bereich verboten sind", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale. Unsere Galerie zeigt die verschiedenen Bio-Siegel und was sie bedeuten.

Bio-Siegel werden immer kontrolliert. Es gibt Kontrollstellen, die sich auch mal im Hof umschauen und genau prüfen, ob die strengen gesetzlichen Regeln eingehalten werden. Leider gibt es trotz Siegel immer wieder schwarze Schafe unter den Bio-Produkt-Herstellern. "Es ist ja auch ein finanzieller Anreiz. Man verdient dann mehr mit den Eiern. Aber das dürfte natürlich nicht sein. Und hier muss dann auch hart durchgegriffen werden", so Schwartau. Der Prozess, bis das Siegel einem Bauernhof entzogen wird, muss dann auch meist sehr schnell gehen. Damit der Verbraucher auf der Verpackung auch die richtige Information erhält.