Kein Alarm trotz Alarmstufe?

Städte mit den bundesweit höchsten Inzidenzen liegen in Schleswig-Holstein

Der Virologe Helmut Fickenscher, Leiter des Kieler Institutes für Infektionsmedizin. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild
Der Virologe Helmut Fickenscher, Leiter des Kieler Institutes für Infektionsmedizin. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

11. August 2021 - 17:23 Uhr

Drei Städte in Schleswig-Holstein sind traurige Spitzenreiter

Flensburg verzeichnet aktuell eine Inzidenz von 90,9, gefolgt von Kiel mit 85,9 und Neumünster mit einer Inzidenz von 79,8. Mit diesen drei Städten an der Spitze ist Schleswig-Holstein nach Hamburg das Bundesland, mit den meisten Corona Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Während der Inzidenzwert in Schleswig-Holstein bei 46,4 liegt, ist er in Hamburg mit 61,2 bundesweit am Höchsten.

"Vor einem Jahr wäre das höchste Alarmstufe gewesen"

Infektionsmediziner Helmut Fickenscher sagt am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur: "Vor einem Jahr wäre das höchste Alarmstufe gewesen". Mittlerweile gebe es aber eine beachtliche Impfquote, die Zahl der schweren Erkrankungen sei gering und es gebe kaum weitere Todesfälle. Und genau diese Kriterien sollen nach der Ministerpräsidenten-Konferenz am Dienstag auch zukünftig entscheidend sein, um das Ausmaß und den weiteren Verlauf der Pandemie zu beschreiben.

Zudem sei es laut Hamburgs erstem Bürgermeister Peter Tschentscher wichtig, dass sich alle, die eine Impfempfehlung haben, auch impfen lassen. "Geimpfte werden von Quarantäne und Testpflicht befreit", so Tschentscher im Anschluss an die Bund-Länder-Konferenz am Dienstag. Auch der Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther betont: "Wer im Herbst geimpft sein möchte, muss jetzt entsprechend damit beginnen." Die Erfahrungswerte zeigten, dass die Impfstoffe sicher und verlässlich seien. Bürgermeister Peter Tschentscher erwähnt die Konsequenzen einer Entscheidung gegen das Impfen. Nicht Geimpfte müssten die Kosten für Tests in Kauf nehmen, die ab dem 11. Oktober kostenpflichtig würden.

Infektionsmediziner Fickenscher betonte, dass das Impfen erste Priorität haben müsse. Mit 67,1 Prozent bei Erstimpfungen und 59,0 Prozent beim vollständigen Schutz hat der Norden jeweils die dritthöchste Quote.

Reiserückkehr und Impfverweigerung

Als Gründe für die stark gestiegenen Zahlen nannte Infektionsmediziner Fickenscher die Rückkehr vieler Menschen aus dem Urlaub. Auch Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher betonte nach der Bund-Länder-Konferenz, dass steigende Inzidenzen mit der Rückkehrproblematik zusammenhingen. "Das liegt an der schlechten Einreiseverordnung des Bundes, die erst jetzt zum August verbessert wurde, was uns in Hamburg und Schleswig-Holstein nicht mehr hilft". Dazu kommt laut Fickenscher auch der frühe Schulstart, der mit zahlreichen Test verbunden sei. "Das kann aber nicht alles erklären", so der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin in Kiel. "Das Virus verbreitet sich an einigen Orten eifrig in der Bevölkerung." Offenkundig hielten einige Altersgruppen eher wenig von Schutzmaßnahmen. Fickenscher bezog dies auf das Impfen und Abstandhalten. (dpa/lri)