So funktioniert die Privatinsolvenz

Privatinsolvenz: Schuldnerberatungsstellen oder auch ein Rechtsanwalt oder Notar hilft, um einen Weg aus den Schulden zu finden.
© dpa, Frank Rumpenhorst

23. Februar 2016 - 9:27 Uhr

Am Ende sind Sie schuldenfrei

Schulden sind furchtbar, besonders wenn sie einem über den Kopf wachsen. Wenn klar wird, dass sich Ihre Schulden nie zurückzahlen lassen, müssen Sie die Notbremse ziehen und die heißt 'Privatinsolvenz'. Die hoffnungsvolle Perspektive des Verfahrens: Am Ende sind Sie wieder schuldenfrei.

Was Firmen schon immer konnten – sich durch einen Konkurs von ihren Schulden befreien – das können Privatleute seit 1999 auch. In jenem Jahr wurde die Privatinsolvenz gesetzlich geregelt. Das Verfahren gliedert sich in vier Schritte: Außergerichtlicher Einigungsversuch, Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren, Vereinfachtes Insolvenzverfahren und schließlich die Restschuldbefreiung.

Die Privatinsolvenz wird beantragt und begleitet durch sogenannte geeignete Personen. Das können Schuldnerberatungsstellen der Kommune oder der Verbraucherzentrale sein oder auch ein Rechtsanwalt oder Notar.

Diese Berater helfen zunächst beim ersten Schritt: Eine Aufstellung aller Schulden und aller Gläubiger. Damit wird versucht, einen Schuldenbereinigungsplan aufzustellen. Wenn das klappt, entfällt der ganze Rest. Meist klappt es aber nicht, denn alle Gläubiger müssen zustimmen.

Sechs Jahre Verfahrensdauer oder 'englische Lösung'

Im zweiten Schritt geht die Initiative an das Gericht: Mit der Liste der Schulden und einer Aufstellung aller Vermögenswerte des Schuldners versucht jetzt das Gericht, alle Ansprüche zu befriedigen. Wenn sich über 50 Prozent der Gläubiger damit zufrieden geben, ist die Sache geritzt. Wenn nicht, folgt Phase 3:

Das vereinfachte Insolvenzverfahren. Das Gericht schüttet dabei das pfändbare Vermögen des Schuldners an die Gläubiger aus.

Phase 4 bringt dem Schuldner die gewünschte 'Restschuldbefreiung'. Er ist wieder ohne Schulden.

Das gesamte Verfahren dauert allerdings sechs Jahre. Das ist eine lange Zeit. Wer seine Privatinsolvenz schneller durchziehen möchte, kann einen ganz legalen Trick einsetzen: Er beantragt die Privatinsolvenz in England. Dort dauert das Verfahren maximal 12 Monate. Einzige Vorbedingung: Ihr Lebensmittelpunkt muss seit einem halben Jahr in England liegen, sprich: Sie brauchen dort eine Wohnadresse. Sie sollten einen Umzug ins Ausland außerdem für sich behalten. Wenn Gläubiger davon Wind bekommen, können sie ihrerseits einen Insolvenzantrag für Sie stellen, dann können Sie England vergessen.

Letzter Tipp: Falls Sie die 'englische Lösung' interessiert, sollten Sie vorsichtig mit Beratern sein: Neben korrekten Helfern tummeln sich auch zahlreiche Betrüger und Abzocker dort.