Hardy Krüger jr. und Frau Alice teilen sämtliche Handy-Inhalte

Gekoppelte Smartphones: Wenn der Partner ALLES sehen kann - absolutes Vertrauen oder Kontrollwahn?

Wenn der Partner alles mitliest, könnte man sich am Ende des Tages wenig zu erzählen haben.
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23. November 2019 - 18:00 Uhr

Dürfte Ihr Partner alles mitlesen?

Jetzt mal ehrlich: Darf Ihr Partner oder Ihre Partnerin alles sehen, was auf Ihrem Smartphone passiert? Oder gibt es da Dinge, die nur für Ihre Augen bestimmt sind? Schauspieler Hardy Kürger jr. und seine Frau Alice überraschten uns jetzt mit einem exklusiven Statement: Ihre Handys sind gekoppelt – und das bedeutet: Was der eine an Nachrichten, Bildern und Google-Suchen sieht, hat auch der andere auf dem Display. Grenzüberschreitung oder grenzenloses Vertrauen – was bedeutet diese digitale Offenheit für die Beziehung? Wir haben mit Ruth Marquardt, die als Systemische Beraterin Paare betreut, gesprochen.

Nützliches Tool für Familien-Organisation

Patchwork total: Hardy Krüger jr. und Alice Krüger haben zusammen sieben Kinder aus vorherigen Beziehungen. Das bringt natürlich Herausforderungen mit sich – und um diese zu meistern, spiegeln die beiden ihre Telefone. "Ich kann verstehen, dass eine solche technische Lösung für Paare, die unterschiedliche Jobs haben und ihre Familie organisieren müssen, von großem Vorteil ist", so Ruth Marquardt. Eine andere wichtige Beziehungszutat könnte ihrer Meinung nach dabei allerdings auf der Strecke bleiben: die Neugier auf den anderen.

Im Video: Das sagen die Krügers zu ihrer Smartphone-Ehe

„Was hat man sich noch zu erzählen, wenn der andere schon alles weiß?“

"Generell ist es für eine Beziehung von Vorteil, nicht immer alles vom anderen mitzukriegen. Denn was hat man sich noch zu erzählen, wenn der andere schon alles weiß? Der besondere Reiz, am Ende des Tages miteinander zu teilen, was man erlebt hat, könnte verloren gehen", stellt Marquardt fest. Gerade bei Paaren, die schon lange zusammen sind, könnte das problematisch werden. "Routine und Vorhersehbarkeit sind Gift für eine Beziehung. Deshalb sollte immer auch ein bisschen Spannung durch etwas Neues aufrechterhalten werden – oder eben auch durch ein kleines Geheimnis, das ja durchaus auch positiv sein kann."

Praktische Lösung kann in Kontrollzwang übergehen

Das bedingungslose Teilen von digitalen Informationen hat außerdem noch andere mögliche Folgen: "Ich denke, trotz allem weiß unser Smartphone nicht alles über uns. Wenn ich etwas verbergen will, dann kann ich das auch mit gespiegeltem Handy", gibt Marquardt zu bedenken. "Wenn dann bestimmte Infos auf einmal nicht mehr geteilt werden, kann daraus schnell ein komisches Gefühl entstehen."

Außerdem sollten Paare genau überlegen, aus welchem Beweggrund sie sich auf eine solche Handhabung einigen wollen. "Wenn ich das Gefühl habe, ständig im Bilde sein zu müssen, was mein Partner tut und lässt, stellt sich die Frage: War zuerst der technische Mechanismus da und erst später der Kontrollzwang - oder nicht vielleicht doch umgekehrt?"

Kein ausreichendes Gegenmittel bei Misstrauen

In ihrer Arbeit als Paarberaterin hat Ruth Marquardt oft erlebt, dass einer von beiden dem anderen anbietet, jederzeit auf dessen Handy zugreifen zu dürfen – etwa nach einem Seitensprung. "Bei einem Vertrauensproblem kann das ein Versuch sein, Sicherheit zu geben – aber meistens funktioniert das nicht", stellt sie klar. Um die Beziehung nachhaltig zu kitten, sei noch deutlich mehr nötig.

Geheimnisse erhöhen die Attraktivität

Von Seminaren, bei denen Frauen- und Männergruppen jeweils unter sich blieben und danach nicht verrieten, worüber gesprochen wurde, weiß Marquardt: "Die Anziehung und Neugier zwischen den Paaren war danach auf einem extrem hohen Niveau, die Ausstrahlung wurde als viel attraktiver wahrgenommen." Gewisse Dinge für sich zu behalten, muss also keineswegs schlecht für die Beziehung sein – im Gegenteil. Und was der Zweisamkeit immer hilft: "Das Handy einfach mal weglegen und sich in die Augen schauen."