User unterstellen den Machern Betrug

Sieht aus wie „Wer wird Millionär?“: Üble Abzocke mit Online-Quizshow

08. März 2021 - 17:15 Uhr

von Lukas Wolf

Die Seite Online-Quizshow sieht auf den ersten Blick aus wie die beliebte Sendung "Wer wird Millionär?" mit Günther Jauch. Das Logo, die Farben und auch die Fragen mit vier Antwortmöglichkeiten erinnern stark an die erfolgreiche RTL-Sendung.

Die Online-Quizshow hat mit RTL überhaupt nichts zu tun.
Die Online-Quizshow hat mit der erfolgreichen RTL-Sendung "Wer wird Millionär?" überhaupt nichts zu tun.
© RTL

Allerdings hat RTL mit der Online-Quizshow überhaupt nichts zu tun. Dennoch wirbt das dubiose Quiz mit Sätzen wie diesen: "Gehören auch Sie zu ausgewiesenen Fans der Fernsehshow 'Wer wird Millionär?' Anstatt sich durch Auswahlverfahren für die TV-Show 'Wer wird Millionär' vor Ort quälen zu müssen, können Sie, völlig entspannt, zu Hause sinnvolle Heimarbeit verrichten und damit gleichzeitig Geld gewinnen."

Im Netz wird vor der Online-Quizshow eindringlich gewarnt

Googelt man nach Erfahrungsberichten zur Online-Quizshow, finden sich zahlreiche Foreneinträge von wütenden Usern. "Vorsicht. Finger weg von dieser Seite" schreibt ein Nutzer. Ein anderer fragt verzweifelt: "Kann man gegen diese Online-Quizshow klagen?". Aber wieso wird im Netz so eindringlich vor der Seite gewarnt, die auf den ersten Blick einen seriösen Eindruck macht und an "Wer wird Millionär" erinnert?

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User werden mit einfachen Köderfragen gelockt

Auch Kevin Bergert hat immer wieder bei der Online-Quizshow mitgespielt. Der Tischler aus Zwickau zeigt uns, was ihn so an der Seite ärgert. Erst erscheinen auf der Seite kinderleichte Köderfragen. "Welcher Sänger geht nie ohne Sonnenbrille vor die Tür? Das ist natürlich Heino." Nach Beantwortung einiger solcher leichten Fragen erscheint plötzlich die Meldung: "GEWONNEN!! Sie haben die höchste Gewinnstufe erreicht. Melden Sie sich jetzt kostenlos an und gewinnen Sie pro Spiel bis zu 1.000,00€".

Die Seite erinnert an "Wer wird Millionär?"
Im Netz wird eindringlich vor der Seite gewarnt, die auf den ersten Blick einen seriösen Eindruck macht und an „Wer wird Millionär“ erinnert.
© Online-Quizshow.de

Um wirklich gewinnen zu können, muss echtes Geld eingezahlt werden. Aber dann ändert sich der Schwierigkeitsgrad der Fragen schlagartig. Es ist nicht nach Sprichwörtern wie "Laterne, Laterne, Sonne Mond und Sterne" gefragt, sondern die Fragen lauten plötzlich: "Was genau verbirgt sich hinter einem Staarmuth?" A) Fass B) Krug C) Flasche D) Dose.

„Ich unterstelle den Machern Betrug!“

Wenn jemand weiß, was ein Staarmuth ist, dann Thomas Müller aus Bayern. Seit Jahren befasst der Programmierer sich intensiv mit der Online-Quizshow. Akribisch hat er über 32.000 Fragen in einer Excel-Tabelle gesammelt. Um die Fragen besser abtippen zu können, nimmt er jedes Spiel auf Video auf. Aber irgendwann wird er stutzig. "Staarmuth, da denkt man, das muss doch zu finden sei." Aber weder Google liefert einen Treffer, noch ist das Wort im Duden zu finden. Bei Thomas Müller ist ist die Frage nach dem Staarmuth immer wieder erschienen und er hat jedes Mal eine andere Antwort ausgewählt. Seine Videos belegen eindeutig: alle vier Antwortmöglichkeiten sind falsch. Der 54-Jährige macht seinem Ärger vor unserer Kamera Luft: "Ich unterstelle denen absoluten Betrug! Das ist 100 Prozent Vorsatz, was die machen."

Über 700 Beweisvideos angefertigt

Thomas Müller traut seinen Augen aber nicht. Denn es tauchen immer mehr Fragen auf, bei denen nachweislich alle vier Antwortmöglichkeiten falsch sind. Um zu spielen, muss Thomas Müller tief in die Tasche greifen. Insgesamt verliert er mehr als 7.000 Euro bei der Online-Quizshow. Wie viele Nutzer noch abgezockt worden sind, ist unklar. Und für Thomas Müller steht fest: es gäbe viel mehr negative Foreneinträge und Betrugsvorwürfe, hätten noch mehr Menschen ihre Spiele bei der Online-Quizshow so akribisch dokumentiert wie er. Aber wer steckt hinter der Seite Online-Quizshow?

Betreiber protzt im Internet mit Luxusautos

Im beschaulichen Hallwil, einer 800-Einwohner-Gemeinde im Schweizer Kanton Aargau, sitzt die Firma Gamelodge AG, die die Online-Quizshow betreibt. Chef der Gamelodge AG ist Andreas W. Der 35-Jährige führt ein Luxusleben und zeigt sich gerne mit teuren Autos im Netz. Als unser Reporter Lukas Wolf sich am Firmensitz umsieht, fällt er fast vom Glauben ab. Von einem Quiz-Unternehmen fehlt dort jede Spur. Stattdessen stellt Andreas W. in Hallwil Luxusautos aus. Hat er die finanziert durch die perfide Abzocke mit der Online-Quizshow? Als wir Andreas W. mit den Betrugsvorwürfen konfrontieren wollen, ist er nicht aufzufinden. Ist er etwa untergetaucht, weil er ahnt, dass wir der Abzockmasche mit der Online-Quizshow auf die Schliche gekommen sind?

Absurde Stellungnahme auf die Betrugsvorwürfe

Auch an seiner Privatadresse treffen wir Andreas W. nicht an. Als wir die Firma Gamelodge AG schriftlich zu den heftigen Betrugsvorwürfen um Stellung bitten, teilt ihr Anwalt uns mit: "Die Behauptung, dass bei vielen Fragen alle vier Antwortmöglichkeiten falsch seien, ist unzutreffend. […] Das Online-Angebot stellt keinen Betrug dar und für einen solchen Verdacht gibt es keine Anhaltspunkte."

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die inzwischen offline genommene Online-Quizshow.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die inzwischen offline genommene Online-Quizshow.
© Online-Quizshow.de

Nur einen Tag nach unseren Recherchen in der Schweiz ist die Online-Quizshow plötzlich offline. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt in Sachen Online-Quizshow. Sollte Andreas W. aus Hallwil wegen Betrugs verurteilt werden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. RTL wird rechtliche Schritte wegen des dreisten Design-Klaus einleiten.

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