„Hyperemesis gravidarum“

Schwangerschaftsübelkeit: Frau übergibt sich 50 Mal am Tag und muss im Rollstuhl sitzen

27. Mai 2019 - 13:03 Uhr

Täglich bis zu 50 Mal Erbrechen

​Viele Frauen können es gar nicht abwarten schwanger zu werden, doch nicht alle können von einer schönen Schwangerschaft sprechen. So auch Hannah Dalton, die sich während ihrer Schwangerschaft ein halbes Jahr täglich bis zu 50 Mal übergeben musste. Weil ihr Körper so geschwächt war, musste sie die letzten drei Monate sogar im Rollstuhl sitzen. Wie sie ihre Schwangerschaft überstanden hat und wie es ihr jetzt geht, sehen Sie im Video.

Arzt diagnostizierte „Hyperemesis gravidarum“

Als die 30-jährige Hannah Dalton aus England erfuhr, dass sie zum zweiten Mal schwanger ist, konnte sie ihr Glück kaum fassen – ihre Schwangerschaft konnte sie aber nicht genießen: Die morgendliche Übelkeit kennen viele, auch Herzogin Kate Middleton litt während ihrer Schwangerschaft unter extremer Übelkeit. Aber die geht meistens nach einigen Wochen wieder vorbei.

Als das Erbrechen und die ständige Übelkeit bei Hannah einfach nicht aufhören wollten, suchte sie einen Arzt auf, der bei ihr Hyperemesis gravidarum (unstillbares Schwangerschaftserbrechen) diagnostizierte. Teilweise musste sie sich bis zu 50 Mal am Tag übergeben. Am Ende der Schwangerschaft war ihr Körper so geschwächt, dass sie sich kaum noch bewegen konnte und nur noch im Rollstuhl saß.

Woher kommt dieses andauernde Erbrechen in der Schwangerschaft?

Etwa zwei Prozent aller Schwangeren leiden unter dem unstillbaren Erbrechen in der Schwangerschaft. Warum, ist unklar: Ein hoher Östrogen-Spiegel oder eine Empfindlichkeit auf das Schwangerschaftshormon HCG könnten der Grund sein.

Diskutiert wird auch, ob vielleicht eine Mageninfektion während der Schwangerschaft der Auslöser sein könnte. Bei vielen Betroffenen ist auch der Wert des Schilddrüsenhormons Tyroxin auffällig.

Sehen Sie im Video: 8 hilfreiche Tipps gegen Schwangerschaftsübelkeit

Welche Folgen hat das ständige Erbrechen für Mama und Baby?

Durch das ständige Erbrechen besteht die Gefahr der Austrocknung. Weitere Folgen sind Bluthochdruck, Herzrasen, Nierenprobleme, Thrombose und Risse in der Speiseröhre sowie Schädigungen des zentralen Nervensystems. Hält die Schwangerschaftsübelkeit noch im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel an, steigt zudem das Risiko einer Präeklampsie, also einer Schwangerschaftsvergiftung, was zu einer Frühgeburt führen könnte.

In solchen extremen Fällen ist es ratsam mit Infusionen die Risiken zu "kontrollieren". Zudem sollten Doppler-Ultraschalls eingesetzt werden, um Wachstum und Versorgung des Ungeborenen zu überprüfen.

Zwar kommen viele Babys früher und leichter zur Welt, langfristige Folgen für die Kinder wurden aber nicht beobachtet.

Gibt es eine Therapie?

Bislang gibt es leider nur eine Behandlung gegen die Symptome, also gegen das Erbrechen. Die Behandlung erfolgt meist nach einem Stufenplan: Zunächst wird die Ernährung umgestellt, oftmals werden Akupunktur und Akupressur sowie die Zugabe von Vitamin B6 und Ingwerextrakten angewandt und die betroffene Schwangere wird psychologisch betreut.

Um den Brechreiz zu unterdrücken werden sogenannte Antiemetika eingesetzt, die für das Baby vorerst ungefährlich sind. Sind Erbrechen und Übelkeit aber so schlimm, dass auch diese Medikamente nicht mehr helfen, werden in letzter Instanz kortisonhaltige Medikamente eingesetzt. Diese sind allerdings belastend für das Baby. Hier muss der Arzt Risiko und Nutzen genau abwägen.