Tipps für eine Alltagsstruktur in besonderen Zeiten

Schulfrei wegen Corona: Wie bringe ich mein Kind zu Hause zum Lernen?

Ein fester Tagesplan erleichtert das selbstorganisierte Lernen.
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16. März 2020 - 17:09 Uhr

Schule geschlossen - und jetzt?

Die Kindergarten- und Schulschließungen wegen Corona stellen Eltern und auch Kinder vor große Herausforderungen. Bei vielen ist die Sorge, dass der Schulstoff wegen der fehlenden Schulwochen nicht geschafft werden kann, groß. Wie können Eltern ihr Kind motivieren, zu Hause für die Schule zu arbeiten und wie kann das organisiert werden? Und wie sinnvoll ist das häusliche Lernen überhaupt – schließlich bereiten vielen Eltern und Kindern schon die Hausaufgaben familiären Kummer.

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Lernen zu Hause: für alle eine Herausforderung

Die positive Nachricht zuerst: Wo immer es möglich ist, wird die Schule bzw. die Lehrerinnen und Lehrer den Eltern Informationen darüber zu kommen lassen, welche Arbeitshefte, Aufgaben, Arbeitspläne oder sonstiges die Kinder in der schulfreien Zeit bearbeitet sollen. Auf welchem Wege das geschieht und wie das Ganze kontrolliert wird, ist von Schule zu Schule und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Nur eines bleibt gleich: die Umsetzung des Lernens bleibt zurzeit an den Eltern hängen. Eine Herausforderung, der Eltern mit Konsequenz, Struktur und einer großen Portion Fehlertoleranz entgegenblicken sollten.

"Lernen über den Tag verteilen“

Denn eines steht fest: "Eltern können den Schulunterricht nicht simulieren", sagt Maresi Lassek, Bundesvorsitzende des Grundschulverbandes. Eltern haben andere Beziehungen als Lehrkräfte zu den Kindern und sollten authentisch in ihrer Rolle bleiben. Genauso wenig müssen Eltern das Lernen zu Hause so geballt wie in der Schule gestalten. "Besser ist es, das Lernen über den Tag zu verteilen", rät Ilka Hoffmann, Vorstandsvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft den Bereich Schule - und dabei genügend Pausen einzubauen.

Machen Sie mit Ihren Kindern einen Plan

Dennoch sei es wichtig, den Tag durch feste Abläufe zum Beispiel für das Aufstehen und für Mahlzeiten wie gewohnt zu strukturieren, so Maresi Lassek. Denn Alltag braucht Struktur. Und wenn die Schule als rahmengebende Struktur wegfällt, ist es um so wichtiger, dass sich Familien selbst eine Struktur schaffen.

Konkret könnte das heißen: einen gemeinsamen Tagesablaufplan verabschieden. Was macht die Familie wann und wo gemeinsam? Wann gibt es gemeinsame Mahlzeiten, Spiel- und Bewegungspausen? Wann sind feste Lern- und Arbeitszeiten? Wie lange die einzelnen Zeiten sind, und wie Sie sie über den Tag verteilen, hängt sehr stark von Ihrer familiären Situation und dem Alter Ihrer Kinder ab. Dennoch ist wichtig: Vereinbaren Sie verbindliche Zeiten und Strukturen. Das gibt Ihren Kindern Halt. Und Ihnen ebenfalls.

  • Hängen Sie den Plan für alle gut sichtbar in der Wohnung auf
  • Reflektieren Sie am Abend mit den Kindern, was gut geklappt hat. Und was man vielleicht noch anders machen könnte.
  • Nehmen Sie sich die Zeit und erklären Sie ihren Kindern, dass dieses "schulfrei" keinesfalls ein "lernfrei" oder "arbeitsfrei" bedeutet. Weder für Sie im Home Office. Noch für die Kinder.

Lernen heißt nicht nur Lernstoff büffeln

Natürlich machen sich Eltern Sorgen, dass ihre Kinder in der schulfreien Zeit zu wenig lernen und wohlmöglich wichtigen Schulstoff verpassen. Doch jenseits von Arbeitsplänen und Aufgabenblättern gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, wie die Kinder etwas lernen können:

  1. Lesen: Abhängig von der Lesestufe, in der sich ein Kind befindet, kann das Vorlesen, eigenständiges Lesen oder auch gegenseitiges Vorlesen umfassen. Die Ausbildung der Lesefähigkeit und Lesefreude ist etwas, was in allen Schulstufen geübt und gefestigt werden kann. Und auch bei der aktuellen PISA-Studie zeigte sich, dass deutsche Schülerinnen und Schüler in diesem Bereich durchaus Nachholbedarf haben. Also ran an die Bücher!
  2. Auch das Thema Schreiben lässt sich wunderbar in den Alltag intergrieren: Lassen Sie Ihr Kind den Einkaufszettel schreiben. Oder vielleicht gestalten Sie gemeinsam ein Corona-Tagebuch? Oder schreiben einen Brief an Oma und Opa, die Sie im Moment nicht besuchen können. Schreibanlässe gibt es genügend – lassen Sie Ihrer Phantasie und der Ihres Kindes freien Lauf!
  3. Das Thema Kopfrechnen ist nicht nur bei den Jüngeren eine wunderbare Übungsmöglichkeit: Plus und Minus im Zahlenraum bis 20, 100, 1000,  kleines Einmaleins (und für die größeren Knobelaufgaben und das große Einmaleins) und das konzentriert 10 bis 15 Minuten pro Tag. Hierbei könnten auch die Kinder den Geschwistern oder Erwachsenen Aufgaben stellen. Und auch das Vokabelnlernen gehört zu den Grundlagen, die Ihre Kinder eigentlich immer wiederholen können.
  4. Keine Lust auf Schule? Dann spielen Sie mit Ihren Kindern Gesellschaftsspiele: Dabei werden Regelverhalten, soziale Fähigkeiten, Problemlöseverhalten, Strategieentwicklung, Ausdauer und Konzentration geübt – das klingt doch auf jeden Fall sinnvoll, oder? Hier stellen wir Ihnen die schönsten Gesellschaftsspiele für die ganze Familie vor!

Und was ist mit digitalen Medien?

Sie haben zu Hause einen geltenden Plan für die Nutzung digitaler Medien? Sehr gut! Allerdings sollten Sie Ihre Regeln in der aktuellen Zeit unter Umständen noch ein wenig nachjustieren.  Welche Zeiten räumen Sie Ihren Kindern für die Nutzung von Medien ein? Was konkret darf in dieser Zeit gesehen, gehört oder genutzt werden? Schreiben Sie Ihre Regelungen ebenfalls mit auf Ihren Tagesplan. Und: nutzen Sie die zahlreichen Angebote im Fernsehen, im Internet und Radio auch für die Vermittlung von Lerninhalten. Es gibt im Fernsehen und im Internet z. B. interessante Filme für Kinder über Natur, Geografie und das Leben in anderen Ländern und Gesellschaften. Außerdem bieten zahlreiche Sender extra Sondersendungen für Kinder in allen Altersklassen an. Und auch die öffentlich-rechtlichen Sender bieten zahlreiche Lernangebote für Schüler an, die es Kindern und Eltern ermöglichen, die schulfreie Zeit zu überbrücken.

Und ansonsten gilt: Bewahren Sie die Nerven. Und erwarten Sie nicht direkt zu viel von sich und Ihren Kindern. Die Situation ist für alle neu und ungewohnt. Eine Tagesstruktur kann einen Halt geben, aber geben Sie sich auch den Raum, diese neuartig gewonnene Zeit für sich und Ihre Kinder zu nutzen.