Diagnose Schambein-Dysfunktion

Steph (33) landet während Schwangerschaft im Rollstuhl

Durch starke Schmerzen kann sich Steph nur noch eingeschränkt bewegen.
Durch starke Schmerzen kann sich Steph nur noch eingeschränkt bewegen.
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29. Mai 2021 - 12:58 Uhr

In der 12. Woche spürt Steph, dass etwas nicht stimmt

Es sollten Monate und Wochen voller Vorfreude für Steph Cullen aus Bristol (England) werden: Die 33-Jährige ist mit ihrem zweiten Kind schwanger, nach Töchterchen Ciara soll die kleine Familie nun endlich komplett werden. Doch bereits in der 12. Woche spürt Steph, dass etwas nicht stimmt. Kurze Zeit später kann sie sich kaum noch ohne Rollstuhl und fremde Hilfe fortbewegen.

Eine von fünf Schwangeren leidet an Beckengürtelschmerz

Während ihrer beiden Schwangerschaften leidet Steph an SPD.
Während ihrer beiden Schwangerschaften leidet Steph an SPD.
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Die Diagnose: Symphysis pubis Dysfunktion (kurz: SPD), eine Funktionsstörung des Schambeins, die auch als Beckengürtelschmerz bezeichnet wird. Experten nehmen an, dass SPD eine Nebenwirkung typischer Schwangerschaftshormone wie Relaxin ist. Diese werden vom Körper gegen Ende der Schwangerschaft freigesetzt, um Muskeln, Bänder und den gesamten Beckenbodenbereich zu lockern. Schließlich soll bei der bevorstehenden Geburt ein Baby hindurchpassen. Werden die Hormone zu früh freigesetzt , könne das zu unangenehmer Hypermobilität, Instabilität und Gleichgewichtsstörungen führen. Diese verursachen dann Beschwerden und Schmerzen, insbesondere im Symphyse-Schambein-Gelenk vor dem Becken.

Steph Cullen ist auf den Rollstuhl angewiesen: "Ich kann das Haus nicht verlassen"

Steph Cullen mit Tochter Ciara
Während der Schwangerschaft mit Ciara setzen die Schmerzen in der 25. Woche ein.
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Statistisch gesehen betrifft SPD eine von fünf Schwangeren, meist während des dritten Trimesters. Nicht so bei Steph Cullen: Während ihrer ersten Schwangerschaft ist sie ab der 25. Woche auf den Rollstuhl angewiesen, hat starke Schmerzen im Beckenbereich und kann sich nur eingeschränkt bewegen. Drei Jahre später ist die SPD zurück, diesmal früher und heftiger als zuvor. Innerhalb kurzer Zeit kann Steph nur noch auf Krücken gehen. Sie installiert sogar Stangen im Haus, damit sie sich von Raum zu Raum bewegen kann. "Ich kann nicht lange stehen, ich kann nicht gehen. Ich kann kein Essen kochen oder mit dem Hund rausgehen", beschreibt die 33-Jährige ihre Lage im Interview mit "Metro", und ergänzt: "Ich wurde zu einer Art Einsiedlerin, ich kann das Haus nicht verlassen."

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Geburt im Juli: Wird Steph wieder normal gehen können?

Familie Cullen aus Bristol (England)
Freuen sich auf den Familienzuwachs: die Cullens aus Bristol.
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Wie es für Steph nach der Geburt ihres Sohnes weitergeht, wissen die Ärzte nicht. Ihr Zustand sei so schlimm, dass nicht klar sei, ob die 33-Jährige nach der Geburt wieder normal werde laufen können. Alles, was sie tun könne, sei so wenig Gewicht und Druck wie möglich auf ihr Becken auszuüben, denn "in schweren Fällen kann das Gelenk brechen". Außerdem absolviere sie regelmäßig Übungen ihres Physiotherapeuten, den sie aufgrund der Pandemie-Beschränkungen nicht persönlich aufsuchen kann. Steph hofft jetzt, dass sich ihr Körper nach der Geburt im Juli wieder erholt. Trotz ihres Zustands möchte sie anderen Frauen keine Angst machen – schließlich sei ein so schwerer Verlauf der SPD selten.(fge)

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