28-Jährige wollte nur Feiern gehen

Grapscher auf Tanzfläche zurückgewiesen: Mann bricht Sarah mehrfach das Gesicht

02. September 2021 - 17:00 Uhr

Frau in Disko begrapscht und verprügelt

Es sollte ein entspannter Diskoabend im "Twister" im niedersächsischen Sande werden. Doch für Sarah Kelly Bootsmann endete er in einer Katastrophe, an deren Folgen die 28-Jährige noch lange leiden wird. Auf der Tanzfläche wurde sie offenbar mehrfach von einem 19-Jährigen begrapscht. Als sie den Mann deutlich zurückwies, schlug der plötzlich zu – und brach Sarah mit nur einem Faustschlag mehrfach das Gesicht.

In Diskothek angetanzt, begrapscht und zusammengeschlagen

"Das ging alles so schnell. Ich habe gemerkt, dass es weh tat. Dann habe ich das Blut an meinen Händen gesehen", erzählt Sarah von den Geschehnissen aus jener Nacht vom 14. auf den 15. August. Das Blut strömte aus ihrer Nase. "Zum Glück war ein Kumpel sofort da und hat sich gekümmert."

Wie es dazu kommen konnte, kann die junge Frau bis heute nicht verstehen. Mehrfach habe der Mann sie angetanzt. Seine Hände seien immer wieder auf ihrem Po und in ihrem Schritt gelandet, erinnert sich Sarah. "Ich habe mich zuerst beim Tanzen ein bisschen mit den Ellenbogen gewehrt. Aber der Typ hat leider nicht aufgehört damit", sagt Sarah. "Irgendwann habe ich mich umgedreht, ihn gepackt und gesagt: Lass das. Und dann flog leider schon die Faust". Das ausführliche Interview – im Video.

Clubnacht endet im Krankenhaus

Nach der Operation hat Sarah mehrere Platten im Gesicht, um die gebrochenen Knochen zusammenzuhalten.
Nach der Operation hat Sarah mehrere Platten im Gesicht, um die gebrochenen Knochen zusammenzuhalten.
© Nonstop News

Erst im Krankenhaus wurde klar, wie schlimm ihre Verletzungen waren. Die 28-Jährige erlitt sechs Brüche im Gesicht: Kiefer, Jochbein und Augenpfanne waren teilweise mehrfach gebrochen. Die Ärzte setzten mehrere Metallplatten unter die Haut, um die Knochen zusammenzuhalten. "Ich habe auch jetzt noch sehr starke Schmerzen (...). Es ist drei Mal so schlimm wie Weisheitszähne ziehen", sagt Sarah. In einer weiteren Operation in ein oder zwei Jahren müssen die Platten entfernt werden.

Für die selbstständige Fotografin ist der Vorfall auch finanziell eine Katastrophe, weil sie wahrscheinlich wochenlang nicht arbeiten kann und nur mindestversichert ist. Neben den starken Schmerzen, die sie nur dank Medikamenten aushält, leidet sie an Alpträumen, Schlafstörungen und kommt nicht zur Ruhe. Auch, weil sie noch oft an den Moment der feigen Attacke denken muss. "Natürlich finde ich das ungerecht, dass sich ein Mann das Recht herausnimmt, eine Frau einfach so anzufassen und dann so zu reagieren, wenn ein `Nein` kommt", sagt Sarah.

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Prügelattacke in Diskothek: Sarah ist kein Einzelfall

Der 19-Jährige wollte an dem Abend erst abhauen, sei aber von der Security der Diskothek festgehalten worden, erinnert sich die 28-Jährige. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung und der sexuellen Belästigung. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall inzwischen übernommen, sagt Janina Schäfer von der Polizei Wilhelmshaven.

Sarah hat ihre Geschichte öffentlich gemacht. Mehrere Regionalzeitungen haben bereits darüber berichtet. "Hätte ich gedacht, dass sowas so schnell passieren kann, hätte ich mir das mit dem Feiern natürlich zwei Mal überlegt", sagt die 28-Jährige. Aber sie weiß auch, dass nicht sie die Schuldige ist. Gleich mehrere Frauen – und sogar ein Mann – hätten sich nach den Berichten bei ihr gemeldet und ähnliche Fällen geschildert. Die meisten hätten sich nicht getraut, zur Polizei zu gehen, so Sarah. Ein Fehler, findet sie. "Viele Frauen sagen, dass sie mutig finden, dass ich jetzt so ein Zeichen setze und dass man gegenseitig auf sich aufpassen soll".

Gewalt gegen Frauen: "Holt euch Hilfe"

Mit ihrer Geschichte will Sarah anderen Frauen Mut machen, Gewaltdelikte anzuzeigen und sich Hilfe zu holen.
Sarahs Wunden verblassten nur langsam. Mit ihrer Geschichte will sie anderen Frauen Mut machen, Gewaltdelikte anzuzeigen und sich Hilfe zu holen.
© Nonstop News

Sarah hat sich Hilfe geholt und wird von der Opferschutzorganisation Weißer Ring betreut. Denn mit den Folgen des Angriffs war sie überfordert. "Wo muss man sich melden, bei welchem Anwalt. Welche Hilfen gibt es, sei es jetzt Therapie oder Traumakliniken", sagt Sarah. Von all diesen Dingen hätte sie keine Ahnung gehabt.

Die Diskothek soll die Sicherheitsvorkehrungen inzwischen verschärft haben. Denn auch hier kam heraus, dass die Attacke auf Sarah kein Einzelfall gewesen sein soll. Nur ein Wochenende später soll es einen Messerangriff gegeben haben, wie mehrere Lokalzeitungen berichteten. Demnach soll es auch vorher sexuelle Belästigungen gegenüber Frauen gegeben haben. Der Betreiber des "Twister" erklärte auf Anfrage: "Es ist beschämend, was passiert ist und wir tolerieren und akzeptieren so ein Verhalten auf keinen Fall. Dies verurteilen wir aufs Schärfste".

An welche Stellen sich Gewaltopfer – Männer und Frauen gleichermaßen – wenden können, haben wir hier zusammengefasst. (sbl)