Pathologe wegen falscher Krebsdiagnosen verurteilt

Tödliche Fehldiagnosen: Arzt zu langer Haftstrafe verurteilt - trotzdem darf er nach Hause gehen!

Thomas H. wurde in Saarbrücken verurteilt.
Thomas H. wurde in Saarbrücken verurteilt.
RTL

Immer wieder mussten sich Patienten von Thomas H. schmerzhaften Behandlungen und Operationen unterziehen, einer von ihnen starb sogar bei einem Eingriff – und das, obwohl sie gesund waren und eine OP gar nicht nötig hatten! Wegen zahlreicher falscher Diagnosen mit fatalen Konsequenzen verurteilte das Landgericht Saarbrücken den Pathologen nun, doch ins Gefängnis muss er trotzdem nicht. Wie kann das sein?

Landgericht Saarbrücken verurteilt Arzt wegen fahrlässiger Tötung

Einige Patientinnen von Thomas H. mussten lange Chemotherapien über sich ergehen lassen, andere wurden am Darm oder an der Brust operiert, eine Patientin musste sich Teile des Kiefers und des Gaumens entfernen lassen, ein Patient starb während einer OP an einer Blutvergiftung – all das wegen eindeutiger Fehldiagnosen von Thomas H., daran gab es für das Gericht am Dienstag keinen Zweifel.

Der 63-Jährige wurde wegen schwerer Körperverletzung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Bemerkenswert: Das Gericht entschied damit, dass Thomas H. die falschen Diagnosen aus Versehen gestellt hatte. Die Staatsanwaltschaft hingegen war überzeugt gewesen, dass der Pathologe vorsätzlich – also mit Absicht – handelte.

Thomas H. hatte rund 50.000 Proben von Patienten und Patientinnen pro Jahr ausgewertet – fast doppelt so viele wie andere Pathologen! Trotzdem hatte der Arzt in einer aufwendigen Marketing-Kampagne um noch mehr Patienten geworben – und das, obwohl er damals süchtig nach Medikamenten und Alkohol gewesen war.

Lese-Tipp: Ein Patient tot, eine Patientin entstellt: Wieso stellte dieser Arzt reihenweise falsche Krebs-Diagnosen?

Falsche Krebsdiagnosen: Pathologe zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt

Das Gericht verurteilte Thomas H. am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten, eine vorherige Verurteilung wegen Betrugs und Bestechung war dabei bereits berücksichtigt worden. Aber: Der zuständige Richter setzte den Haftbefehl außer Vollzug! Das bedeutet: Thomas H. darf gemeinsam mit seiner Frau nach Hause gehen, ins Gefängnis muss er nicht.

Der Verurteilte hatte bereits seit 2019 in Untersuchungshaft gesessen, sein Gesundheitszustand wurde schlechter, zwischenzeitlich musste er selbst behandelt werden. Auch deshalb durfte der 63-Jährige nun nach Hause, muss während dieser Zeit jedoch strenge Haftauflagen erfüllen. Sobald das Urteil rechtskräftig wird, müsste er zudem wahrscheinlich doch nochmal in Haft – so lange, bis er insgesamt zwei Drittel seines Strafmaßes verbüßt hat.

Hinterbliebene nach Urteil fassungslos: „Ich bin wirklich geschockt“

Simone Stutz kritisierte das Urteil scharf.
Simone Stutz kritisierte das Urteil scharf.
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Dass Thomas H. nun wieder nach Hause kann, während einer seiner ehemaligen Patienten tot und mindestens eine Patientin schwer entstellt ist, ist für Opfer und Hinterbliebene nur schwer zu ertragen. „Ich bin wirklich geschockt“, sagte Simone Stutz, Schwester des verstobenen 50-Jährigen, zur „dpa“. „Wie kann es sein, dass ein Mann, der so viel Unheil über Menschen gebracht und so viele Schicksale zu verantworten hat, mit so einem milden Strafmaß davonkommen kann?“ (jda)