Will H&M fest angestellte Arbeitnehmer gezielt loswerden und durch Aushilfen ersetzen?

RTL-Reporterin undercover bei H&M: Drastische Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter

19. November 2019 - 10:23 Uhr

Video: Das hat unsere Reporterin bei H&M erlebt

Der Verdacht passt scheinbar nicht zu dem schwedischen Moderiesen, der bunt und lebensfroh daherkommt: Werden ältere Mitarbeiter, die bereits seit Jahren für das Unternehmen arbeiten, mit üblen Tricks gegen jüngere Mitarbeiter ausgetauscht, die extrem flexibel sein müssen und deutlich weniger kosten? Eine RTL-Mitarbeiterin hat sich in zwei H&M-Filialen als Verkäuferin beworben. Ihre Erfahrungen erhärten den Verdacht. Was sie erlebt hat, zeigen wir im Video.

Langjährigen H&M-Mitarbeitern wird gekündigt

"H&M schließt derzeit eine Filiale nach der nächsten und macht teilweise ein paar Meter weiter eine neue auf. Nur um Personal loszuwerden", heißt es in einer E-Mail, die ein Mitarbeiter von H&M an RTL geschrieben hat. Kann das sein?

In der Kaufingerstraße, der berühmten Einkaufsmeile in München, gibt es gleich fünf Filialen der Marke H&M. Im Januar werden zwei Filiale schließen. Despina Spyripou arbeitet seit sechs Jahren bei H&M, Peter Kawan seit über 16 Jahren. Sie arbeiten noch in der Filiale, die ab Januar geschlossen wird. Peter hat seine Kündigung bereits schriftlich erhalten, Despina bislang mündlich. Kurios: Ein paar Meter weiter hat eine neue Filiale eröffnet, in der offensichtlich Personal gesucht wird.

RTL hat bei H&M um Stellungnahme gebeten. Der Moderiese, der allein im dritten Quartal 2019 einen Gewinn von 436 Millionen Euro erwirtschaftet hat, schreibt: "Sehr gerne möchten wir selbstverständlich unsere Mitarbeiter*innen aus Schließungsgesellschaften weiterbeschäftigen." Peter und Despina haben nach eigenen Angaben allerdings kein Angebot erhalten, in eine andere Filiale vesetzt zu werden. "Jedes unserer Geschäfte stellt einen eigenen Betrieb dar und schreibt Stellen bedarfsgerecht und individuell aus", heißt es weiter von H&M.

Verdi-Anwalt: „Das ist ein Skandal! Es gibt genug Arbeitsplätze“

Was das konkret bedeutet - das will unsere Reporterin in Erfahrung bringen. Sie bewirbt sich in der Filiale in München, die neu eröffnet hat. Ihre Erfahrung schildert sie in der TVNOW-Reportage "Undercover bei H&M", die ab sofort abrufbar ist.

H&M beteuert gegenüber RTL: "Unsere Mitarbeiter*innen sind unser höchstes Gut". Bei einem weiteren Undercover-Einsatz in einer H&M-Filiale hat unsere Reporterin einen sogenannten Flex-Vertrag erhalten, der von vielen Mitarbeitern und auch der Gewerkschaft Verdi scharf kritisiert wird. In dem Flex-Vertrag wird festgelegt, dass das Unternehmen die Mitarbeiterin flexibel einsetzen kann, im Falle unserer Reporterin für zehn Stunden pro Woche. 9,50 Euro pro Stunde soll sie als vermeintlich ungelernte Kraft bekommen. Das ist etwas mehr als der gesetzliche Mindestlohn. Arbeitszeiten können gerade mal vier Tage im Voraus festgelegt werden. Im Arbeitsvertrag steht sogar, dass das Gehalt "gegebenenfalls nicht geeignet ist, eine stabile Einkommensgrundlage zu liefern".

Rechtsanwalt Felix Bussmann von Verdi beschäftigt sich seit Jahren mit H&M. "H&M fährt jetzt einen Knallhart-Kurs gegenüber seinen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern", sagt der Jurist. Der Grund liegt für ihn auf der Hand: "Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die schon länger beschäftigt sind, verdienen sehr viel mehr als Neueingestellte." Für ihn ist das Vorgehen von H&M ein Skandal: "Es gibt genug Arbeitsstellen." Für den Rechtsanwalt ist das kein Münchner Problem. Er geht davon aus, dass H&M eine neue Strategie fährt, um ältere Arbeitnehmer loszuwerden.

Verdi hat gegen die Kündigungen eine Massenklage eingereicht, so Bussmann. Die Arbeitsgerichte werden das Vorgehen von H&M dann rechtlich bewerten.

„Undercover bei H&M“ - die ganze Reportage bei Punkt 12 und TVNOW

Was unsere Reporterin undercover bei H&M alles erlebt hat und was eine ehemalige Führungskraft von H&M zu Bespitzelungs- und Mobbingvorwürfen gegen den ehemaligen Arbeitgeber sagt, sehen Sie in der TVNOW-Reportage "Undercover bei H&M".